Donnerstag, 17. März 2022

Freie Liste Kastelruth: „Bürgermeister Colli hat sich zu viel erlaubt“

Der Gemeinderat von Kastelruth ist am Donnerstagmorgen geschlossen zurückgetreten. Neben der SVP-Fraktion gab nun auch die Fraktion der Freien Liste Kastelruth den Grund dafür in einer Stellungnahme an: Bürgermeister Andreas Colli und sein Führungsstil.

Bürgermeister Andreas Colli steht hart in der Kritik. - Foto: © DLife/Rosario Multari

Wie berichtet,
trat am Donnerstagmorgen der Gemeinderat von Kastelruth zusammen, um den geschlossenen Rücktritt zu erklären. Schriftlich und in Anwesenheit aller 17 Gemeinderäte von SVP und Freie Liste.

„Grund dafür ist der Bürgermeister Andreas Colli und sein Führungsstil. Der Bürgermeister hatte sich in den vergangenen 2 Jahren zu viel erlaubt, sich immer weiter von den Bedürfnissen der Bürger entfernt und schließlich alle Macht an sich gezogen. 2021 wurden nur 5 Gemeinderatssitzungen abgehalten und die Entscheidungen praktisch schon vorgelegt. Das Mandat des Gemeinderates wurde damit zur Farce“, erklärt Freie Liste in einer Aussendung.

Seit den Gemeindewahlen 2020 habe Freie Liste 8 Beschlussanträge vorgebracht, außer einem wurden alle abgelehnt. Anträge für Tagesordungspunkte zur Anregung von Diskussionen seien vom Bürgermeister nur belächelt worden. „In der Öffentlichkeit und in Gemeinderatssitzungen gab der Bürgermeister Sätze, wie 'Familie interessiert mich nicht, ich habe keine Kinder', 'Umwelt ist out' und 'Radfahren hat keine Zukunft' von sich“, lautet es in der Stellungnahme.

Diese Aussagen spiegelten sich laut Freie Liste auch in der Tätigkeit des Bürgermeister und seines Ausschusses in den letzten rund 12 Jahren wieder: „In der Ära Colli ist die Gemeinde Kastelruth in Ihrer Entwicklung stehen geblieben: Das wunderschön gelegene Sportzentrum Telfen ist verfallen und mittlerweile absolut baufällig. Die Offene Jugendarbeit wurde abgeschafft, die Jugendräume geschlossen. Der Verlust bei den Trinkwasserrohren liegt bei 30 Prozent, esd droht ein Wassermangel. Gehsteige in die Peripherie wurden gebaut aber keine Rad- oder Mischwege. Allgemein gibt es kein Mobilitäts- und Verkehrskonzept. Es wurde versäumt die Seiser Alm als Naturjuwel umfassend zu schützen. Keine Bemühungen in Richtung Photovoltaikanlagen auf Gemeindedächern, Fernwärme und Wasserkraft.“

Der Leerstand in den Dörfern habe immer mehr zugenommen, Geschäfte hättem dicht gemacht. Wohnsiedlungen seien gebaut worden, ohne schnelle und kurze Fußwege für Kinder zu bedenken. Selbst der Tourismus – als wichtigster Wirtschaftszweig in der Gemeinde Kastelruth – habe sich nicht weiterentwickeln können.

Die Polemik rund um Colli sowie seine problematischen Beiträge auf Facebook und die Verbreitung von Falschnachrichten hätten das Verhältnis der SVP zu ihrem Bürgermeister noch mehr strapaziert. Freie Liste hatte dazu im Gemeinderat mehrfach Stellung bezogen. „Der Bürgermeister musste mit der Drohung eines Rücktritts schon dazu gezwungen werden sich bei der Ausübung seines Amtes eine Atemschutzmaske auf zu setzten.“

Das Fass nun zum Überlaufen gebracht habe wohl die Weigerung Collis die 2G-Regelung im Gemeinderat durchzusetzen: „Die Kontrolle des Green Passes ist meine Sache,“ habe Bürgermeister Andreas Colli bei der letzten Gemeinderatssitzung im März angemerkt.

stol

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