Montag, 23. März 2020

Pressekonferenz im Palais Widmann: „Wir müssen weiterhin diszipliniert sein“

Um 16.30 Uhr fand auch am Montag erneut eine virtuelle Pressekonferenz aus dem Palais Widmann in Bozen statt, die via YouTube übertragen wurde. Diesmal nahmen Landeshauptmann Arno Kompatscher und Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider teil.

Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider und Landeshauptmann Arno Kompatscher bei der virtuellen Pressekonferenz am Montag.
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Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider und Landeshauptmann Arno Kompatscher bei der virtuellen Pressekonferenz am Montag. - Foto: © LPA
Kompatscher, der auf das Ergebnis eines Coronavirus-Tests wartet, nachdem eine Mitarbeiterin positiv getestet wurde, stellte zunächst die aktuellen Zahlen vor.

Man habe ihn mehrmals gefragt, ob aus den leicht sinkenden Zahlen bereits ein Trend erkennbar wäre, erklärte Kompatscher: „Experten betonen immer wieder, dass es zu früh ist, hier Aussagen zu treffen und Rückschlüsse zu ziehen, man muss die Entwicklung über einen längeren Zeitraum beobachten. Wir müssen einfach weiterhin diszipliniert bleiben. Aber: Die kommenden Tage sind sicher entscheidend.“

Anschließend betonte er, dass zahlreiche Bemühungen unternommen wurden, um den Bürgern in dieser Zeit unter die Arme zu greifen.

So habe der Generaldirektor des Landes alle Fristen, die Bürger einhalten müssen, um etwa bei einem Beitragsgesuch etwas zu erreichen, bis 31. Mai ausgesetzt. „Kein Bürger muss fürchten, dass ihm durch den Fristablauf ein Schaden entsteht“, so Kompatscher.

Auch sei es möglich, Dokumente an die Verwaltung mit der Beifügung einer Kopie des Personalausweises einfach per E-Mail zu schicken.

Die öffentliche Verwaltung hingegen werde daran arbeiten, so weit es geht die Fristen einzuhalten.



Öffentliche Verkehrsmittel nur im äußersten Notfall benutzen

Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider betonte auf der Pressekonferenz, dass die öffentlichen Verkehrsmittel auf ein Minimum reduziert wurden. „Sie sollten nur im äußersten Notfall benutzt werden“, so Alfreider.

Fahrzeugbesitzer, deren Revision bis 31. Juli verfällt, haben nun bis 31. Oktober Zeit, diese nachzuholen, Führerscheine, die ab dem 1. Februar verfallen sind, sind nun bis 31. August gültig.

Anschließend wurden die online eingeschickten Fragen der Journalisten beantwortet.

1,5 Millionen Schutzmasken aus China in kommenden Tagen erwartet

Dabei wurde unter anderem gefragt, ob und wie Südtirol der stark vom Coronavirus betroffenen Lombardei unter die Arme greift und wann das Schutzmaterial aus China hierzulande eintreffen wird. Die Schutzausrüstung für Südtirol ist am Montagnachmittag in Wien gelandet.

Wie Landeshauptmann Kompatscher erklärte, werden in diesen Tagen 1,5 Millionen Schutzmasken aus China über die „Luftbrücke“ der Austrian Airline in Südtirol eintreffen.

Da schon jetzt feststehe, dass Südtirol nicht sofort alle 1,5 Millionen Masken benötigt, werde ein Teil der Masken an den italienischen Zivilschutz weitergereicht, der ebenfalls auf seine Lieferung wartet und diese dann wieder „zurückgibt“.

Was passiert, wenn eine Person positiv auf das Coronavirus getestet wird?

Generell werde bei einem positiven Testergebnis kein zweiter Test durchgeführt, denn es gebe kein falsches positives Ergebnis.

Bei negativem Ergebnis hingegen werde ein zweiter Test durchgeführt, da es sein könne, dass die Infizierung zum Zeitpunkt des ersten Tests noch relativ schwach war, erklärte Landeshauptmann Kompatscher. Auch negativ getestete Personen müssten äußerst vorsichtig sein.

Wird eine Person positiv getestet, so muss diese eine Liste mit Personen erstellen, mit der sie in engem Kontakt war. Diese müssen sich dann vorsichtshalber in Quarantäne begeben, bis ihr Testergebnis vorliegt.

Auch eine zweite Liste mit nicht engen Kontakten kann verlangt werden.
Personen, die negativ getestet wurden, aber eine öffentliche Funktion zu erfüllen haben und folglich die Quarantäne nicht einhalten können, dürfen mit einer entsprechenden Schutzbekleidung dieser Funktion nachgehen.

Generell sollte man sich immer so verhalten, als sei man selbst infiziert, betonte Kompatscher erneut.

Heereinsatz in Südtirol

Eine weitere Frage drehte sich um den Einsatz des Heeres in Südtirol. Unter anderem in Bozen war bei Kontrollen auch das Heer zu Ort und Stelle. Kompatscher habe dies vor einiger Zeit mit Regierungskommissär Vito Cususmano vereinbart: „Bei 116 Gemeinden fehlt uns das Personal für gründliche Kontrollen. Erfreulicherweise halten sich ja die meisten Bürger an die Maßnahmen, aber umso ärgerlicher ist es, wenn sich manche aus der Solidarität verabschieden. Darum habe ich um Unterstützung von Seiten des Heeres gebeten.“

Verlängerung der Ausgangssperre

In den kommenden Tagen werde entschieden, ob die Ausgangssperre, die derzeit bis 25. März aufrecht bleibt, verlängert wird: „Am morgigen Dienstag findet eine Videokonferenz der Regierung mit den Regionen statt, dort werden wir versuchen, gemeinsam einen neuen Termin festzulegen“, so Kompatscher.

Es werde aber mit großer Sicherheit eine Verlängerung der Ausgangssperre und auch der Schulschließungen geben.

Es handle sich des Weiteren ja nicht um eine „komplette Ausgangssperre“, man dürfe ja weiterhin Einkaufen oder ein paar Schritte spazieren gehen.

„Wir wollen lediglich unterbinden, dass die Menschen weiterhin wandern und flanieren, als ob nichts wäre. Natürlich darf man das Haus verlassen, um Luft zu schnappen, das ist sehr wichtig für die Psyche, vor allem, wenn man keinen eigenen Garten oder Balkon hat. Aber darauf soll es sich beschränken.“

Was passiert mit den Obdachlosen in Südtirol?

Landeshauptmann Kompatscher habe am heutigen Montag eine Verordnung erlassen, in der die Sozialdienste unter Landesrätin Waltraud Deeg beauftragt werden, Unterkünfte für die Obdachlosen des Landes zur Verfügung zu stellen.

„Es kann natürlich sein, dass sich manche weigern, diese müsste man fast verhaften, aber das ist natürlich nicht notwendig. Für alle, die ein Dach über dem Kopf haben wollen, werden wir jedoch eines zur Verfügung stellen“, so Kompatscher.

liz

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