Freitag, 16. August 2019

Frontex: Keine bedeutende Verschiebung auf Migrationsrouten

Die Europäische Grenzschutzagentur Frontex nimmt keine bedeutende Verschiebung auf den Migrationsrouten wahr. Dies teilte eine Sprecherin auf APA-Anfrage schriftlich mit. Frontex hatte für Juli eine Zunahme von Aufgriffen auf der Route von Nordafrika nach Spanien und auf dem Westbalkan verzeichnet. Manche Medien führten dies auf eine zunehmend härtere Linie Italiens gegenüber Migranten zurück.

Archivbild
Archivbild - Foto: © APA/AFP

Die Wanderungsbewegungen auf dem westlichen Balkan seien tendenziell abhängig von den Migrationsströmen auf den östlichen Mittelmeerrouten von der Türkei ausgehend, hieß es. Die Westbalkanroute werde daher nicht von der Situation im Zentrum des Mittelmeers beeinflusst.

Die verringerten Migrationsströme in diesem Bereich könnten möglicherweise zu einer geringfügigen Verlagerung auf die westliche Mittelmeerroute, also nach Spanien, geführt haben, teilte Frontex mit. Dabei sei jedoch zu beachten, dass die Zahl der Migranten auf dieser Route bedeutend niedriger sei als in den vorangegangen Jahren. Deshalb könne man nicht von einem echten Verdrängungseffekt sprechen. Die Migrationsbewegungen auf der Westmittelmeerroute haben der EU-Grenzschutzagentur zufolge fast zwei Jahre lang beständig zugenommen und sich nun stabilisiert.

„Kombination von Push- und Pull-Faktoren”

Frontex beschreibt die Wanderungsbewegungen als das Resultat einer „Kombination von Push- und Pull-Faktoren” (Schub- und Sogfaktoren). Die Instabilität in der Herkunftsländern, aber auch die Verfahrensweise der Schmugglernetzwerke und deren Preise sowie der Wille der Migranten, die eigenen Gemeinschaften in bestimmten EU-Ländern zu erreichen, spielten dabei eine Rolle. Wichtig sei auch, welche Staaten als sichere Transitländer angesehen werden und eine kurze Reisezeit versprechen.

Des Weiteren spielten die Vorstellungen und Sozialen Medien eine große Rolle: Migranten, die Europa bereits erreicht hätten, würden ihrer Herkunftscommunity oft Feedback und Informationen über eine Route und die Preise zur Verfügung stellen - entweder direkt oder über Soziale Netzwerke. „Während eine manche Migranten von Anfang an ihre Route festlegen, folgen andere den Angeboten bei Schleppern in den verschiedenen Transitländern”, so die Sprecherin.

Dass manche Nationalitäten bestimmte Routen bevorzugen, ergebe sich vor allem durch die geografische Nähe zum Herkunftsland, aber auch durch die auf dem Weg angebotenen Vermittlungsdienste. Auf der Westmittelmeerroute stellten 2019 bisher Menschen aus Afrika südlich der Sahara die größte Gruppe unter den aufgegriffenen Personen. Auf der zentralen Mittelmeerroute seien es vorwiegend tunesische, sudanesische und pakistanische Staatsbürger und auf dem Westbalkan Afghanen und Iraner.

Auch billige Direktflüge und Visaliberalisierungen für bestimmte Nationalitäten beeinflussen laut Frontex die Wahl. Letzteres treffe auf Staatsbürger mancher afrikanischen Länder zu, die dadurch direkt nach Casablanca fliegen und von Marokko aus die Reise antreten können.

Die in Warschau ansässige EU-Grenzschutzagentur hatte am Mittwoch die Zahl der Aufdeckungen irregulärer Grenzübertritte auf den Hauptfluchtrouten im Juli bekanntgegeben. Demnach stieg deren Gesamtzahl gegenüber dem Vormonat um vier Prozent auf rund 10.500. Im Vergleich zu den ersten sieben Monaten 2018 konnte jedoch ein Rückgang verzeichnet werden: Die Beamten führten von Jänner bis Juli 2019 54.300 Aufgriffe durch und damit um 30 Prozent weniger als 2018.

Mehr illegale Einreisen auf Nordafrika-Spanien-Route 

Auf der Route von Nordafrika nach Spanien stieg die Zahl illegaler Einreisen im Juli im Vergleich zum Vormonat um 22 Prozent. Die Zahl der Ankünfte über die sogenannte zentrale Mittelmeerroute nach Italien und Malta sank laut der EU-Grenzschutzagentur Frontex von 1.150 im Juni auf etwa 1.100 im Juli. Insgesamt kamen auf diesem Weg dieses Jahr bisher 4.900 Menschen, etwas mehr als ein Viertel der Zahl 2018. Auf der westlichen Mittelmeerroute nach Spanien waren es knapp 13.000.

Die Hauptfluchtroute liegt laut Frontex immer noch im Osten des Mittelmeers, wo 28.200 Menschen in den ersten sieben Monaten 2019 bei der illegalen Einreise in die EU auffielen. Die Zahl der illegalen Grenzübertritte auf der westlichen Balkanroute verdoppelte sich in diesem Zeitraum gegenüber dem Vorjahr: Hier wurden 5.800 Menschen gezählt.

apa

stol