Freitag, 04. Dezember 2015

Für ein Mehr an Mehrsprachigkeit im Land

Heute erwartet man in Südtirol nicht mehr nur die Kenntnis der zweiten Sprache, sondern auch einer dritten oder sogar vierten Sprache. "Die Anforderungen an Sprachkenntnissen sind im Laufe der letzten 15 Jahre massiv gestiegen", weißSchulamtsleiter Höllrigl. Mehrsprachigkeit muss daher als Chance verstanden werden, die gefördert werden muss - davon ist man im Deutschen Bildungsressort überzeugt.

Schulamtsleiter Peter Höllrigl, Landesrat Philipp Achammer, der Direktor des Bereichs Innovation und Beratung, Rudolf Meraner, sowie Inspektorin Laura Cocciardi. Foto: LPA/mb
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Schulamtsleiter Peter Höllrigl, Landesrat Philipp Achammer, der Direktor des Bereichs Innovation und Beratung, Rudolf Meraner, sowie Inspektorin Laura Cocciardi. Foto: LPA/mb

Maßnahmenpaket Mehrsprachigkeit – das Deutsche Bildungsressort will in den nächsten Jahren durch gezielte Maßnahmen die Sprachen- aber auch die Sprachkompetenz in Südtirol weiter verbessern. 

Von klein auf zwei Sprachen sprechen

"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt", so formulierte es einst der österreichisch-britische Philosoph und Logiker Ludwig Wittgenstein. Und so ähnelt auch das Lernen einer neuen Sprache dem Bauen einer Brücke in eine neue Welt.

"Südtirol zählt zu den wenigen Regionen Europas, welche die Zielvorgabe des Europäischen Rates vom März 2002 schon heute erfüllt, wonach jedes Kind in der EU von klein auf zwei Sprachen sprechen soll", berichtete Bildungslandesrat Philipp Achammer im Rahmen der heutigen (4. Dezember) Pressekonferenz zur Vorstellung des Maßnahmenpakets zur Förderung der Mehrsprachigkeit.

Mit der Verabschiedung des Maßnahmenpakts zur Förderung der Mehrsprachigkeit in der deutschen Schule durch die Landesregierung stellt sich das Deutsche Bildungsressort bewusst der Herausforderung, die Förderung der Mehrsprachigkeit als eines ihrer vorrangigen Ziele festzulegen und Mehrsprachigkeit als Reichtum und Chance für vielfältige Kommunikation anzusehen.

Hochdeutsch von besonderer Bedeutung

Die deutsche Schulwelt in Südtirol ist sich aber gleichzeitig auch bewusst, dass die deutsche Sprache - insbesondere das Hochdeutsche - für die Südtiroler und Südtirolerinnen von besonderer Bedeutung ist. 

"Mehrsprachigkeit ist keine Gefahr für die Erstsprache Deutsch, wenn der Erstsprache die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet wird", so Achammer. Daher gib es auch Maßnahmen zur Förderung des Deutschen als Erstsprache.

Nicht nur die Schule ist gefragt

"Es muss gleichzeitig aber auch deutlich sein, dass Sprachentwicklung nicht nur die alleinige Verantwortung der Schule sein kann, sondern eine geteilte Verantwortung ist", betonte Landesrat Achammer, und dazu brauche es das Zusammenspiel aller - des Elternhauses, der Wirtschaft, der Schule, des außerschulischer Bereichs. Nur so könne eine intrinsische Motivation zustande kommen, erklärte der Landesrat, also eine innere, aus sich selbst entstehende Motivation, weil es Spaß macht, weil es sinnvoll oder herausfordernd ist, weil es interessiert.

1. Erstellen von Lernmaterialien 

Einer der zentralen Aspekte des Maßnahmenpakets ist die Stärkung des sprachlich-kommunikativen Aspektes im Zweitsprachenunterricht aufgrund der neuen Rahmenrichtlinien: "Dies kommt einem Paradigmenwechsel von einem auf Literaturgeschichte ausgerichteten Zweitsprachunterricht zu einem kommunikationsorientierten Unterricht gleich", so Landesrat Philipp Achammer.
Das Erstellen von Lernmaterialien für den Italienischunterricht an der Oberschule ist daher ebenso Teil des Pakets wie die Erarbeitung didaktischer Modelle für Klassen mit einem hohen Anteil an italienischsprachigen Schülerinnen und Schülern. Neu ist auch die Einführung eines Mehrsprachen-Curriculums, das die Kooperation zwischen allen Fächern, die an der Schule unterrichtet werden, stärken soll. Daneben sind auch Maßnahmen zur Erhöhung der Unterrichtsqualität in Deutsch als Erstsprache vorgesehen. Ebenso werden die Forschung zur Sprachdidaktik und die Nachqualifizierung der Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer für den Englischunterricht an der Grundschule weiter verstärkt.

2. Spielerisches Heranführen an andere Sprachen auch im Kindergarten

Der zweite Teil des Maßnahmenpakets sieht innovative Projekte zum Sprachenlernen vor. Landesrat Achammer wies in diesem Zusammenhang auch auf die Kindergärten als "bereits heute vielstimmige und vielsprachige" Lernorte hin und erklärte, dass ein spielerisches Heranführen an andere Sprachen durchaus möglich sei.
Dabei müsse es sich aber um Projekte handeln und es sei auf die jeweilige sprachliche Situation an den einzelnen Kindergärten einzugehen, so der Landesrat. 

3. Austausch von Schülern und Lehrpersonen

Fortgeführt und auf die zweite und dritte Klasse der Oberschule ausgeweitet werden soll beispielsweise auch der Unterricht nach der CLIL-Methode. Der Austausch von Schülern und Lehrpersonen sowie Klassenpartnerschaften - sowohl innerhalb des Landes als auch in Nachbarregionen oder im Ausland - sollen intensiviert werden.

4. Die "Digitalen Sprachschule"

Weitere Maßnahmen betreffen die Förderung der "Digitalen Sprachschule". Damit sind beispielsweise der Ausbau der Webangebote insbesondere für mobile Geräte oder die Koordinierung virtueller internationaler Klassenpartnerschaften gemeint.

5. Gemeinsames Sprachenlernen in der Freizeit

Im außerschulischen Bereich sind unter anderem die Nutzung informeller Lernsituationen oder die Bildung von Sprachpaaren zum gemeinsamen Sprachenlernen angedacht. Weiters soll ein Netzwerk mit außerschulischen Trägern wie Wirtschaftsverbänden, Vereinen, Weiterbildungseinrichtungen oder Jugendorganisationen aufgebaut werden, um außerschulische Initiativen zum Sprachenlernen zu stärken.

stol/lpa

stol