Freitag, 04. Juni 2021

G7 zu Impfstoffabgabe aufgefordert - USA kündigen Spenden an

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hat die G7-Staaten zu einer Abgabe von Impfstoffen aufgerufen und dabei Großbritannien sowie die USA in die Pflicht genommen.

Die G7 wurden zu einer  Verteilung der Corona-Impfstoffe aufgerufen.
Die G7 wurden zu einer Verteilung der Corona-Impfstoffe aufgerufen. - Foto: © ANSA / Twitter
Er wolle „dafür werben, dass nicht nur die Europäische Union in die Welt exportiert“, sagte Spahn am Donnerstag zum Auftakt eines Treffens der G7-Gesundheitsminister in Oxford. Spendenappelle kamen auch vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Die USA legten indes erste Spendendetails vor.

Überschüssige Impfstoffe seien so rasch wie möglich an Entwicklungsländer abzugeben. Zudem müssten die Hersteller ihre Produktion hochfahren und ebenso wie auch die Staaten die Transparenz bei der Auftragsvergabe, Finanzierung und Lieferung von Covid-19-Impfstoffen erhöhen, teilten IWF-Chefin Kristalina Georgiewa und Weltbank-Präsident David Malpass in einer gemeinsamen Erklärung an die G7 am Donnerstag mit.

„Die breitere Verteilung von Impfstoffen ist sowohl eine dringende wirtschaftliche Notwendigkeit als auch ein moralisches Gebot“, erklärten sie. „Die Coronavirus-Pandemie wird erst enden, wenn alle Menschen Zugang zu Impfstoffen haben, auch die Menschen in Entwicklungsländern.“

USA verteilen Impfstoff an andere Staaten

Die US-Regierung veröffentlichte am Donnerstag Details zur Verteilung der ersten zugesagten 25 Millionen Impfstoffdosen an andere Staaten. Sie will einen Großteil ihrer Spenden über das Impfprogramm Covax verteilen. Davon seien etwa sechs Millionen Dosen für Lateinamerika und die Karibik vorgesehen, etwa 7 Millionen Dosen für Süd- und Südostasien und etwa 5 Millionen Dosen für Afrika. Etwa 6 Millionen Dosen will die US-Regierung direkt an andere Länder abgeben, etwa an die Nachbarländer Kanada und Mexiko. Sie hat bisher zugesagt, bis Ende Juni 80 Millionen Impfstoffdosen mit anderen Staaten zu teilen.

Die britische Regierung hat Oxford symbolisch als Ort des Gesundheitsministertreffens gewählt, da Forscher aus der Universitätsstadt gemeinsam mit dem Pharmakonzern Astrazeneca einen Corona-Impfstoff entwickelt haben. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock bejubelte per Twitter, dass weltweit mehr als zwei Milliarden Dosen Corona-Impfstoff gespritzt worden seien. Hancock betont stets, dass Großbritannien mit der Erforschung des Astrazeneca-Mittels sowie der Herstellung zum Selbstkostenpreis einen großen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie weltweit leiste.

„Die Europäische Union hilft gerade, die Welt zu impfen. 50 Prozent der in der Europäischen Union hergestellten Impfstoffe werden und wurden exportiert, weil wir sehr genau wissen: Wir sind erst sicher, wenn alle auf der Welt sicher sind“, sagte Spahn der Deutschen Presse-Agentur. Großbritannien, das die G7-Ratspräsidentschaft innehat, und die USA haben bisher fast keine Impfstoffe exportiert. Spahn betonte, die Briten dürften selbstverständlich stolz sein „auf das, was hier in Oxford entwickelt worden ist“. Entscheidend sei jedoch, dass die Impfstoffe, die in internationaler Kooperation entwickelt worden seien, auch zügig der Welt zur Verfügung gestellt würden.

Reform der Welthandelsorganisation auf dem Programm


Das Treffen der Gesundheitsminister dauert noch bis zu diesem Freitag. Zur G7 gehören außer Deutschland, Großbritannien und den USA noch Japan, Kanada, Frankreich und Italien. Die Tagung dient auch der Vorbereitung des G7-Gipfels der Staats- und Regierungschefs vom 11. bis 13. Juni im südwestenglischen Cornwall.

Bei den Beratungen in Oxford stand auch die Reform der Welthandelsorganisation (WHO) auf dem Programm. Spahn betonte, Ziel sei schnelleres Handeln in der Krise. Niemand dürfe versuchen, Virusausbrüche zu vertuschen, sondern alle Mitglieder müssten die WHO so schnell wie möglich informieren. Dabei gehe es auch um die Finanzierung. Auch Deutschland als einer der wichtigsten Geldgeber wolle bisher entscheiden, wohin die Mittel gehen. „Das hilft aber der internationalen Zusammenarbeit nicht. Wir müssen mehr Geld für die WHO sozusagen frei zur Verfügung stellen, damit sie einen Unterschied machen kann“, sagte Spahn.

apa