Die Auseinandersetzungen konzentrierten sich am Freitag auf die Umgebung von Sirte und der Wüstenstadt Sebha im Süden des Landes. Aber auch Tripolis ist noch nicht voll unter der Kontrolle der Aufständischen.Laut italienischen Medienberichten ist sich die französische Regierung sicher, dass sich Gaddafi mittlerweile in Sirte, seiner Geburtsstadt, befindet. Die Stadt gilt als Gaddafi-Hochburg und ist seit Tagen heftig umkämpft.Am Freitag haben britische Kampfjets in Sirte einen Bunker beschossen, teilte das britische Verteidigungsministerium am Freitag in London mit.Die Tornados seien aus der englischen Stadt Norfolk gestartet. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Gaddafi selbst zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Bunker gewesen sei, hieß es in einem Bericht des Senders BBC.In dem Bunker sei eine Kommando- und Kontrollzentrale untergebracht gewesen. Mit dem Angriff habe man sicherstellen wollen, dass es keine andere Befehlszentrale des Regimes außerhalb der Hauptstadt Tripolis gibt, sagte Verteidigungsminister Liam Fox der BBC.Es sei „verfrüht“, anzunehmen, dass die Kämpfe in Libyen vorbei seien, sagte Fox dem Sender Sky News. Es gebe weiterhin Widerstand. „Es ist wichtig, dass wir dem Regime die Möglichkeit nehmen, Gegenangriffe auf den Übergangsrat zu unternehmen.“. Die Gaddafi-Gegner riefen die Einwohner von Sirte unterdessen dazu auf, die Stadt kampflos zu übergeben. Im Gegenzug sollten nur aus Sirte stammende Kämpfer in die Küstenstadt einrücken, hieß es in einer Erklärung, die die Aufständischen im Internet verbreiteten: „Wir wollen kein Blutvergießen in der Stadt.“ Die Aufständischen sammelten unterdessen ihre Einheiten nahe Sirte, wo sich Einheiten Gaddafis und seine Anhänger verschanzt haben.Übergangsregierung zieht nach TripolisAm Vortag war ein Teil des „Kabinetts“ der Revolutionsbewegung von Bengasi nach Tripolis umgezogen. Ihr stellvertretender Vorsitzender Ali al-Tarhuni versprach bei einer Pressekonferenz Straffreiheit für alle Soldaten und Freiwilligen, die bis jetzt für Gaddafi gekämpft haben. „Wir rufen Euch heute zum letzten Mal auf, Eure Waffen niederzulegen, und wir versprechen Euch, dass wir keine Rache üben werden.“Aus Teilen von Tripolis wurden am Freitag weiter Schießereien gemeldet. Die Aufständischen bereiteten am Flughafen der Stadt eine Offensive vor, berichtete der Nachrichtensender Al-Arabija. Der Flughafen selbst sei inzwischen fest in der Hand der Rebellen, nachdem es dort in der Nacht nochmals heftige Kämpfe gegeben habe.Gräueltaten auf beiden SeitenReporter der Sender Al-Dschasira und BBC berichteten von Gräueltaten auf beiden Seiten. Die Sender zeigten Bilder von Leichen mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Derweil machten Berichte über Plünderungen von Gebäuden des Regimes die Runde. Von den Aufständischen hieß es, diese konzentrierten sich auf die Besitztümer der Gaddafi-Familie.Der Chef der Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, hält sich nach Angaben der Aufständischen derzeit in Europa auf, um eingefrorene Guthaben des Gaddafi-Regimes loszueisen. Die Vereinten Nationen hatten in der Nacht zum Freitag die Freigabe von 1,5 Milliarden Dollar (rund einer Milliarde Euro) aus eingefrorenen Auslandsvermögen beschlossen. Die Entscheidung fiel auf Druck der USA. Mit dem Geld soll vor allem eine humanitäre Krise in Libyen verhindert werden.dpa