Donnerstag, 28. Mai 2020

Ganzes Ibiza-Video von Ermittlern sichergestellt

Wenige Tage vor dem Beginn des Ibiza-U-Ausschusses am 4. Juni haben die Ermittler am Mittwoch Bewegung in die Sache gebracht.

Johann Gudenus und Heinz-Christian Strache stolperten über das "Ibiza-Video".
Johann Gudenus und Heinz-Christian Strache stolperten über das "Ibiza-Video". - Foto: © SPIEGEL/SÜDDEUTSCHE ZEITUNG / HARALD SCHNEIDER
Den Behörden liegt mittlerweile das komplette Ibiza-Video vor, teilten sie mit. Auf Basis dessen wurden erstmals Fotos vom Lockvogel, einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte, veröffentlicht. Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache freut sich über den Ermittlungserfolg.

Die „Soko Tape“ könne nun auf ein „objektives Beweismittel zurückgreifen“, teilte er am Mittwoch mit, und sei bei den Ermittlungen „nicht mehr ausschließlich auf die Hintermänner oder die Bücher von Journalisten angewiesen“.

Auch Christian Höbart, Generalsekretär des neuen Team HC, zeigte sich zufrieden: „Endlich ist der Videobeweis da und mit ihm die vollständige Aufklärung der kriminellen und manipulativen Hintergründe der Ibiza-Falle möglich.“ Strache hatte immer wieder kritisiert, dass die Sequenzen, die an die Öffentlichkeit gelangt waren, die Wahrheit verzerren würden.

12 Stunden Video und 8 Stunden Audio

Entdeckt wurde das komplette Videomaterial bereits Ende April. „Es wurde in Österreich bei einem Bekannten des mutmaßlichen Drahtziehers Julian H. sichergestellt“, erklärte der Leiter der Sonderkommission, Dieter Csefan, im Gespräch mit der APA.

Die 12 Stunden umfassenden Video- und 8 Stunden umfassenden Audio-Aufnahmen haben sich ihm zufolge auf einer gut versteckten Mikrospeicherkarte verborgen. Derzeit sei man dabei, das Material auszuwerten.

Laut Csefan wurde der gesamte Abend in der Villa auf Ibiza aufgenommen, vom Eintreffen von Strache und des ehemaligen FPÖ-Klubobmanns Johann Gudenus weg bis zum Ende des Treffens. Darüber hinaus habe man auch Material sichergestellt, das die Vorgänge vor und nach der Erstellung des Videos dokumentiert.

Durch die Fahndungsfotos vom „Lockvogel“ erhoffen sich die Ermittler nähere Erkenntnisse zu den Hintergründen bezüglich der Herstellung und der Verbreitung des Ibiza-Videos. Eine Fremdfinanzierung oder ein nachrichtendienstlicher Hintergrund wurde laut derzeitigem Ermittlungsstand jedoch ausgeschlossen.

apa