„Ich komme aus dem Flieger und war im Taxi, als die Frau Bundeskanzlerin mich erreicht hat“, erzählt Joachim Gauck am Sonntagabend. Da sitzt er schon als Kandidat einer ganz großen Präsidentenmacher-Koalition auf dem Podium in der Regierungszentrale. Nach dem Anruf von Merkel ließ sich Gauck prompt vom Flughafen ins Kanzleramt chauffieren, stößt zu den Partei- und Fraktionschefs, für die Fleischlaberl und Erdäpfelsalat aufgetischt sind. Der 72-Jährige – nach eigenem Bekunden „noch nicht mal gewaschen“ – kommt herein. Er wirkte zu Tränen ergriffen, schildert später einer der Anwesenden. Und lasse erkennen, er könne erst einmal auch nicht essen.Dann geht es auch schon herüber in den grell erleuchteten Saal, in dem Merkel und die Parteichefs den Kandidaten für die Nachfolge des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff gegen 21.15 Uhr präsentieren. Zuerst markieren gefaltete Papierschilder jeden Platz, die über die Tischkante gelegt worden sind. „PV Gabriel“ wie „Parteivorsitzender Gabriel“ steht darauf, „PVe Roth“ für die Grünen-Parteivorsitzende oder „MP Seehofer“ für den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden, der als amtierender Bundesratspräsident ja auch kommissarisches Staatsoberhaupt ist. Neben der Kanzlerin ist noch ein Platz, für den es kein Papierschild gab: Es ist der von Gauck. dpa