Dienstag, 28. Juni 2016

Geburtshilfe Sterzing: Befürworter kritisieren Landesregierung

Am Dienstagnachmittag haben verschiedene Parteien und Organisationen die Nachricht über die voraussichtliche Schließung der Geburtenabteilung am Krankenhaus Sterzing kommentiert.

Düstere Wolken hängen über der Sterzinger Geburtenstation.
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Düstere Wolken hängen über der Sterzinger Geburtenstation. - Foto: © STOL

Am Dienstag wurde bekannt, dass die Sterzinger Geburtenabteilung aller Voraussicht nach geschlossen werden soll. (STOL hat darüber berichtet).

Dass diese Nachricht hohe (politische) Wellen schlagen würde, war voraussehbar - am Dienstagnachmittag reagierten prompt verschiedene Befürworter und hielten mit ihrer Kritik an der Landesregierung nicht hinterm Zaun.

Freiheitliche

Der Obmann der Südtiroler Freiheitlichen, Walter Blaas, übte harsche Kritik an der SVP, sie missachte den Willen der Bevölkerung, so der Landtagsabgeordnete. Erst vor wenigen Wochen hätte sich der Gemeinderat von Sterzing geschlossen für die Aufrechterhaltung der Geburtenstation ausgesprochen, so der Freiheitliche in seiner Stellungnahme und unterstrich, „dahinter steht ein Mehrheitswillen der Südtiroler Bevölkerung“ - Blaas sprach von einer Bankrotterklärung der Landesregierung.

Auch der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Pius Leitner schlug in eine ähnliche Kerbe:

„Die SVP macht mit der geplanten Schließung der Geburtenabteilung am Krankenhaus vom Sterzing dem PD einen Gefälligkeitsdienst. Auf Kosten der deutschen Sprachgruppe im Land werden unverzichtbare und existentielle Dienste vor Ort abgebaut, während sich in Bozen der Krankenhausapparat weiter aufbläht und der PD davon profitieren kann,“  so Pius Leitner.

Bürgerunion

Auch Landtagsabgeordneter Andreas Pöder bezog Stellung zur Geburtenabteilung-Diskussion. In einer Aussendung schrieb der Bürgerunion-Mandatar von der „Unfähigkeit der Landesregierung die Wünsche der Bürger umzusetzen“.

„Während die Landesregierung die Gehälter der Sanitätsmanager, Pflegedirektor und Verwaltungsdirektor um 40.000 Euro im Jahr erhöht und den Gehaltsüberschuss für die Primare bis Ende des Jahres gesichert hat, ist sie unfähig, die Geburtenstationen an den Krankenhäusern zu erhalten“ monierte Andreas Pöder.

Grüne

Die Grünen Landtagsabgeordneten Brigitte Foppa, Hans Heiss und Riccardo Dello Sbarba reagierten ebenso mit einer Presseaussendung. In ihren Augen sei das „Aus für die Geburtenstation auch das KO für die Glaubwürdigkeit der Landesregierung“.

Die drohende Schließung würde ein bestens funktionierendes landesweit hoch geschätztes und zunehmend ausgelastetes Zentrum treffen, schrieben die Mitglieder der Landtagsfraktion am Dienstag. Und weiter: „Das Selbstbewusstsein und die Identität einer durch ihre Lage nicht verwöhnten, strukturell belasteten Region wie dem Wipptal hängen an der Geburtenstation Sterzing, deren Verlust von vielen Talbewohnern als persönlicher Schlag empfunden würde“ - ein Schlag den viele Bürger im Land den Verantwortlichen nicht verzeihen würden, so die Grünen.

Süd-Tiroler Freiheit

Die Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit Sven Knoll, Bernhard Zimmerhofer und Myriam Atz Tammerle zeigten sich ebenso von der Landesregierung schwer enttäuscht: „Was da gerade vonstatten geht, ist ein unverantwortlicher Rückbau des Gesundheitswesens und politischer Kniefall vor Rom. Einmal mehr wird damit deutlich gemacht, dass Süd-Tirol in völliger Abhängigkeit steht und nicht einmal mehr über die eigenen Krankenhäuser bestimmen kann“ bemängelten die Mandatare in einer Aussendung.

Und schrieben weiter: „Die SVP hinterlässt verbrannte Erde, denn die voraussichtliche Schließung der Sterzinger Geburtenstation ist ein großer Rückschritt für das Wipptal und die dortige Bevölkerung“. 

ASGB

Auch der Vorsitzende des ASGB, Tony Tschenett, reihte sich unter die kritische Stimmen ein. Laut Tschenett erfülle das Krankenhaus Sterzing die allerbesten Voraussetzungen zur Weiterführung der Geburtenstation. Andere italienische Klinken würden weniger als 500 Geburten pro Jahr aufweisen und die Sicherheitstandards nicht einhalten, sie hätten aber noch offen, wunderte sich Tschnett in einer Stellungnahme. Vor diesem Hintergrund, so Tschnett weiter, müsste Sterzing die letzte von der Schließung betroffene Klinik sein.

Mit Blick auf Trient, das es geschafft habe, die Krankenhäuser Cles und Cavalese zu retten, könne man Landesrätin Martha Stocker man bei der Behandlung dieser Thematik eine gewisse Lethargie unterstellen, meinte Tony Tschnett.

stol/aw

stol