Montag, 10. Mai 2021

Gefahrenzonenpläne: Instrument der Raumplanung und Risikokommunikation

Wie der Inhalt des Gefahrenzonenplans den Bürgern besser vermittelt und die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen freiberuflich in diesem Bereich Tätigen und den zuständigen Behörden verbessert werden kann: Mit diesem Anliegen haben sich rund 80 Teilnehmende an einem Webinar im Rahmen des Interreg-Projektes Risikokommunikationsstrategien befasst.

Bei Meetings (im Bild am 3. April 2019, noch vor der Corona-Pandemie, in Prags) besprachen die direkt am Projekt Beteiligten der Agentur für Bevölkerungsschutz, der Eurac und des Landes Kärnten alle Aspekte des Projektes RiKoST.
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Bei Meetings (im Bild am 3. April 2019, noch vor der Corona-Pandemie, in Prags) besprachen die direkt am Projekt Beteiligten der Agentur für Bevölkerungsschutz, der Eurac und des Landes Kärnten alle Aspekte des Projektes RiKoST. - Foto: © LPA
Gefahrenzonenpläne sind sowohl ein Instrument der Raumplanung als auch der Risikokommunikation. In 63 und damit in 54 Prozent der insgesamt 116 Gemeinden in Südtirol liegen derzeit genehmigte Gefahrenzonenpläne vor, einige sind in der Genehmigungsphase, andere werden derzeit einer technischen Überprüfung unterzogen. Rund 3 Viertel der Südtiroler Bevölkerung wohnen in einem Gebiet mit einem Gefahrenzonenplan. „Der Kenntnisstand des Territoriums ist sehr gut“, betont der Direktor des Landesamtes für Geologie und Baustoffprüfung Volkmar Mair. Es sei unabdingbar, dass Gefahrenzonenpläne mit größter Sorgfalt erstellt werden und dass eine Plausibilisierung, also eine Überprüfung im Gelände, erfolgt.

Benutzerfreundlichkeit der Gefahrenzonenpläne

Die Benutzerfreundlichkeit der Gefahrenzonenpläne war einer jener Aspekte, den die Mitarbeiter der für die Gefahrenzonenplanung zuständigen Landesämter, Freiberufler und Gemeinde-Bauamts-Techniker beim 8 Stunden umfassenden Seminar mit dem Titel „Gefahrenzonenpläne: Der Prozess der technischen Überarbeitung und die Entwicklung von Kommunikationsaktivitäten“ unter die Lupe nahmen.

Umfrage in 8 Südtiroler Gemeinden

Sind die Naturgefahren gut überwacht? Was könnte verbessert werden? Dazu hatten Lydia Pedoth und Fabio Carnelli von Eurac Research 1410 Personen in den Gemeinden Bozen, Meran, Brixen, Sterzing, Graun, Kiens, Branzoll und Prags befragt. Das Umfrageergebnis: 80 Prozent der Befragten bezeichneten die Schutzmaßnahmen als „ausreichend“ und befanden die Naturgefahren als von den Institutionen gut überwacht.

Der Kenntnisstand über den Gefahrenzonenplan ist aber verbesserungswürdig. Das Lesen der Karten sei schwierig, ergab die Befragung von 291 Schülern in Mittel- und Oberschulen in diesen Gemeinden. Durch Virtual-Reality-Brillen konnte der Gefahrenzonenplan visualisiert und damit verständlicher erläutert werden.

Bewusstsein zur Eigenvorsorge schaffen

Das Webinar war Teil des Interreg-Projektes Risikokommunikationsstrategien, kurz RiKoST. Dessen Hauptziel, erläutert der Projektverantwortliche und Direktor des Landeswarnzentrums Willigis Gallmetzer, ist es, das Risikobewusstsein der Bevölkerung mit Blick auf Naturgefahren zu steigern und die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen zu verbessern. Es gilt, eine Kultur des Risikobewusstseins aufzubauen, damit alle ihren Beitrag im Umgang mit Naturgefahren leisten, angefangen von den zuständigen Behörden bis hin zur Bevölkerung, die mit Eigenvorsorge einen wesentlichen Beitrag leisten kann.

Agentur für Bevölkerungsschutz entwickelt Plattform „Naturgefahren“
„Naturgefahren: gut informiert – besser geschützt“ lautet der Slogan des Projektes Risikokommunikationsstrategien. Daran orientiert sich auch die Naturgefahren-Plattform, die die Agentur für Bevölkerungsschutz derzeit entwickelt: Mit ihr werden künftig sowohl die Fachleute als auch die Bevölkerung die Daten und Informationen zu Naturgefahren in Südtirol leicht abrufen können.

Agentur für Bevölkerungsschutz und Eurac federführend

Federführend im grenzüberschreitenden Projekt RiKoST ist die Agentur für Bevölkerungsschutz gemeinsam mit Eurac Research und der Abteilung Wasserwirtschaft der Kärntner Landesregierung. Weitere Partner und Unterstützer sind das Landesamt für Geologie und Baustoffprüfung, die Landesabteilung Forstwirtschaft, der Südtiroler Gemeindenverband, die Freie Universität Bozen, die Autorità di Distretto delle Alpi Orientali, die Universität Klagenfurt und die internationale Forschungsgesellschaft Interpraevent.

lpa/stol