Für Aufsehen sorgen neue Justizermittlungen über einen geheimen Pakt zwischen Staat und Mafia nach einer Serie mafiöser Anschläge Anfang der 90er-Jahre. Die Ermittlungen führen die Staatsanwälte in Palermo, Caltanissetta und Florenz. Laut Piero Grasso, Italiens oberstem Mafiajäger, wollte die Cosa Nostra mit diesen Attentaten „eine neue politische Kraft begünstigen, die dann, wenn sie an der Macht wäre, ihre Forderungen erfüllen würde“. Die Forderungen waren Hafterleichterungen für die Bosse, Revision der Prozesse, eine günstigere Kronzeugenregelung und ein weniger repressives Klima. Laut Grasso wollte die Mafia wieder in Ruhe arbeiten können. Dafür sollte eine neue, alliierte politische Gruppierung sorgen. Gemeint war dabei die Forza Italia, die Partei Silvio Berlusconis, die in jenen Monaten entstand, sagte Grasso.In den Strudel der Untersuchungen um mutmaßliche Verstrickungen zwischen der Cosa Nostra und der Politik sind jetzt auch namhafte Politiker wie der ehemalige Innenminister Nicola Mancino und Ex-Justizminister Giovanni Conso geraten. Der Vorwurf lautet für beide auf falsche Aussagen. Conso wird verdächtigt, den ermittelnden Staatsanwälten von Palermo falsche Informationen geliefert zu haben. Conso hatte im November 1993 ein Dekret nicht verlängert, mit dem strengste Haftbedingungen für Mafiosi eingeführt worden waren. „Ich hatte diesen Beschluss in voller Autonomie ergriffen, um die Gefahr weiterer Anschläge zu verbannen. Es gab keinerlei Verhandlungen zwischen der Politik und der Mafia“, berichtete Conso. Wegen den Ermittlungen gegen ihn soll sich Mancino bei Loris D'Ambrosio beschwert haben, einem Berater von Präsident Giorgio Napolitano, geht aus abgehörten Telefongesprächen hervor. D'Ambrosio soll Mancino versprochen haben, sich bei Napolitano einzuschalten, der auch Chef des Obersten Richterrats (CSM) ist. Der Quirinal dementierte, dass Napolitano beim CSM zugunsten Mancinos aktiv geworden sei.mit/D