Mittwoch, 24. März 2021

Gemeinderätinnen enttäuscht: „Wir erwarten mehr!“

In einer Pressemitteilung bringen zahlreiche Gemeinderätinnen ihre Enttäuschung über den Ausgang der Wahl des Rates der Gemeinden zum Ausdruck. Wie berichtet wurden nur 2 Frauen in den 17-köpfigen Rat gewählt: Giorgia Mongillo Bona, Bürgermeisterin der Gemeinde Branzoll, und Rosmarie Pamer, Bürgermeisterin der Gemeinde St. Martin in Passeier.

Um den Rat der Gemeinden und die verschwindende Minderheit an Frauen darin gab es in den letzten Tagen viele Diskussionen.
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Um den Rat der Gemeinden und die verschwindende Minderheit an Frauen darin gab es in den letzten Tagen viele Diskussionen. - Foto: © shutterstock
Hier die Aussendung im Wortlaut:

„Am 8. März sprechen Politiker*innen aus allen politischen Lagern gerne von der Bedeutung der Frauen für unsere Gesellschaft und der Wichtigkeit von Frauen in Entscheidungspositionen.

Am 12. März 2021 hat die Vollversammlung der Südtiroler Bürgermeister*innen 15 Männer und zwei Frauen in den Rat der Gemeinden gewählt. Der Rat ist das Beratungsorgan der Gemeinden gegenüber dem Land und hat u.a. die Aufgabe, alle Gesetzesentwürfe, die das Interesse der Gemeinden betreffen, zu begutachten.

Dieser „Wahlausgang“ zeigt, dass wir in Südtirol noch meilenweit von einer echten Wertschätzung der Frauen in der Politik entfernt sind. Die Mehrheit der Südtiroler Bürgermeister*innen sind zwar männlich, doch es gibt eine Vielzahl von kompetenten und engagierten Bürgermeisterinnen und Gemeindereferentinnen, die mit Sicherheit für dieses Gremium zur Verfügung gestanden hätten.

Als Gemeinderätinnen und Gemeinderäte möchten wir hiermit unsere Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Die Zusammensetzung in diesem wichtigen Gremium entspricht weder der tatsächlichen Repräsentation der Frauen in den Ämtern der Bürgermeisterinnen und Referentinnen in unserem Land noch einer zeitgemäßen Politik.

Das ist – wie es bereits in den letzten Tagen einige Politikerinnen benannt haben – ein Armutszeugnis. Die Bezirksgemeinschaften und Bürgermeister*innen hätten sich auf eine ausgewogene Kandidat*innenliste einigen sollen und müssen. Nichts anderes entspricht der Realität in den Gemeindestuben, wo sich Frauen wie Männer täglich für unsere Gemeinschaft einsetzen.

Nun bleibt der Rat der Gemeinden für die kommenden fünf Jahre (wie bisher) zum Großteil ein männlich besetztes Gremium. Die Zeit aber wäre reif gewesen, endlich ein Zeichen zu setzen. Nur durch mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung der Frauen in der Politik, kann auch die allgemeine Präsenz der Frauen in der (lokalen) Politik erhöht werden.
Wir hätten uns mehr erwartet und erwarten uns mehr: Von den politischen Führungskräften – ob Frauen oder Männer – in unseren Gemeinden, Städten und Bezirken.„



Unterzeichnet wurde die Aussendung von:

Greta Klotz, Gemeinderätin Eppan, Pro Eppan Appiano
Marlene Pernstich, Gemeinderätin Kaltern, Dorfliste Kaltern-Caldaro
Julia Psenner, Gemeinderätin Eppan, Pro Eppan Appiano
Kathrin Werth, Gemeinderätin Eppan, Pro Eppan Appiano
Sadbhavana Pfaffstaller, Gemeinderätin Neumarkt, Verdi Grüne Vërc Neumarkt Egna
Judith Kienzl, Gemeinderätin Ritten, Offene Grüne Ritten Lista Verdi del Renon
Michaela Schäfer, Gemeinderätin Innichen, Innichen Sand Candido 2020
Johanna Schmiedhofer, Gemeinderätin Bruneck, Grüne Bruneck – Verdi Brunico
Verena Palfrader, Gemeinderätin Vahrn, Grüne Bürgerliste Vahrn
Verena Stenico, Gemeindrätin Brixen, Grüne Bürgerliste Brixen
Claudia Bellasi, ehem. Gemeinderätin Meran, Lista Rösch Liste, Verdi Grüne Vërc
Greta Niederstätter Serani - Gemeinderätin Toblach, Bürgerbewegung Toblach Dobbiaco
Cornelia Brugger, Stadtviertelrätin Gries Quirein, Verdi Grüne Vërc
Sonja Abrate, Gemeinderätin Bozen, Verdi Grüne Vërc
Verena Kraus, Gemeinderätin Lana, Die Dorfliste – Lana, Lista Civica Lana
Madeleine Rohrer, ehem. Stadträtin Meran, Lista Rösch Liste, Verdi Grüne Vërc
Elisabeth Brunner Gemeinderätin Olang, Bürgerliste Olang - BLO
Brigitte Mair, Gemeinderätin Völs, Bürgerliste-Völs-Lista civica

Der Ausgang der Wahl wurde von beginn an heftig kritisiert. „Es ist immer wieder dasselbe Lied“, zeigte sich Landesfrauenreferentin Renate Gebhard verärgert über die Aussage, wonach sich für die Neuwahl des Rates der Gemeinden keine Frauen finden würden.„Das stimmt schlichtweg nicht.“ Und auch der Landesbeirat für Chancengleichheit spra ch von einer untragbaren Situation. Auch die Grünen beklagten die verschwindende Minderheit an Frauen im Rat der Gemeinden. (STOL hat berichtet)

stol