Dienstag, 01. Mai 2018

Gemeinsam erinnern: Weitere „Stolpersteine“ in Bozen

Der Stadtviertelrat von Europa-Neustift hat kürzlich einem Vorschlag der Grünen Vize-Präsidentin Corinna Lorenzi zugestimmt, das Projekt „Stolpersteine“ nun auch in die Straßen des Viertels Europa-Neustift zu holen.

10 Stolpersteine gibt es in Bozen bereits - jetzt kommen weitere vier dazu.
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10 Stolpersteine gibt es in Bozen bereits - jetzt kommen weitere vier dazu. - Foto: © LPA

Die Messing-Täfelchen sind Teil des „größten dezentralen Mahnmals der Welt“, das vom Künstler Gunter Demnig im Jahr 1992 initiiert wurde. Es erstreckt sich mittlerweile über 23 europäische und außereuropäische Länder und umfasst über 60.000 „Stolpersteine“.

Bisher gab es in Bozen 10 „Stolpersteine“, die seit 2015 im Stadtzentrum an die Opfer des Nazi-Faschismus erinnern. Nun sollen weitere Messing-Tafeln in der Turinstraße folgen.
Dies sei laut den Grünen ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung einer gemeinsamen Erinnerungskultur.

An diese Männer wird erinnert

An vier Männer, die zwischen 1940 und 1944 aus Bozen fliehen mussten oder von hier deportiert und dann umgebracht wurden, soll mit der Einsetzung der 10x10 cm großen Messing-Täfelchen erinnert werden. Es sind dies der Florist Otto Bondy, der Feuerwehrmann Erminio Ferrari, der Lancia-Arbeiter Walter Masetti und Gerolamo Meneghini, Feinmechaniker bei Feltrinelli. Alle vier hatten mit ihren Familien bis kurz vor ihrer Flucht bzw. Deportation in der Turinstraße gewohnt.

Kollektive Erinnerung

Mit den im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Sie werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster bzw. den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen.

Durch die gemeinschaftliche Erinnerung an die Opfer der beiden Diktaturen wird ein wichtiger Beitrag zur Entfaltung einer gemeinsamen Erinnerungskultur geleistet. Dies erfolgt auch im Sinne der Schaffung kleiner, kollektiver Erinnerungsorte im städtischen Raum und spannt einen Bogen zwischen einschneidenden Ereignissen des 20. Jahrhunderts auf lokaler und europäischer Ebene.

stol

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