Kessler: „Wir dürfen nicht stehen bleiben" „Die drei Länder haben eine lange gemeinsame Geschichte, aber dabei darf man nicht stehen bleiben", erklärte der Trentiner Landtagspräsident Giovanni Kessler, Gastgeber des diesjährigen Dreierlandtags, der heute in Mezzocorona zu seiner neunten Sitzung zusammengetreten ist. „Wir haben eine gemeinsame kulturelle Identität, die auch gekennzeichnet ist vom gemeinsamen Leben in den Bergen." Kessler spannte den Bogen vom Vertrag von Saint Germain bis zum Schengen-Abkommen, der die Trennung praktisch wieder aufgehoben habe. Aber es seien die gemeinsamen Interessen, die die drei Länder wieder zusammenbringen und die neuen Herausforderungen in Angriff nehmen lassen. Noch habe die Euregio nur den Dreier-Landtag als gemeinsame Institution, aber das sei nicht genug. Bei der heutigen Sitzung gehe es um viele wichtige gemeinsame Projekte, meinte Kessler, das wichtigste Vorhaben sei aber eine Struktur, eine Regierungsform für die Euregio. Steger: „Heute stehen wir vor anderen Herausforderungen" Südtirols Landtagspräsident Dieter Steger verwies auf die 200 Jahre Tiroler Freiheitskampf aber auch auf die Tatsache, dass heute die Herausforderungen andere seien. Es gebe wirtschaftliche Herausforderungen durch die Globalisierung und die Wirtschaftskrise. Es gebe auch die Europäische Entwicklung hin zur Einheit. Die drei Länder hätten gemeinsame Interessen, die sie in diesem Kontext gemeinsam vertreten müssten. Jedes der drei Länder stehe gut da, aber gemeinsam könne man noch mehr erreichen. Mehrsprachigkeit habe es bereits im Habsburgerreich gegeben, und diese Mehrsprachigkeit sei auch die Zukunft der Euregio. Steger wies darauf hin, dass für diese Idee auch die Menschen begeistert werden müssten. Die Euregio durch feste Strukturen zu stärken, sei der richtige Weg. „2009 soll als Gedenkjahr in die Geschichte eingehen, in dem auch die Weichen für die Zukunft gestellt werden." van Staa: „Gemeinsames Büro ist wesentlich für die Zusammenarbeit" Die heutige Sitzung werde eine historische sein, da hier wichtige Entscheidungen für die Zukunft fallen, erklärte der Tiroler Landtagspräsident Herwig van Staa, der auch an frühere Formen der Zusammenarbeit verwies, wie etwa das Accordino. Dass die Euregio mit einem Büro, einer festen Struktur ausgestattet werde, sei wesentlich für die Zusammenarbeit. Bei der Sitzung der gesetzgebenden Regionalparlamente vor kurzem in Innsbruck wurde ein EU-Klagerecht für die Landtage gefordert, und auch bei der präventiven Subsidiaritätskontrolle der EU-Normen sei man einen Schritt weiter gekommen. Auch die Einrichtung einer gemeinsamen Vertretung in Brüssel sei ein wichtiger Fortschritt gewesen. Van Staa erinnerte auch an die Beiträge der drei Landeshauptleute Platter, Durnwalder und Dellai für die Zusammenarbeit der drei Länder. Mennel: „"Kontakt mit Europaregion Tirol nach wie vor wertvoll" Die Vorarlberger Landtagspräsidentin Bernadette Mennel verwies auf den Beobachterstatus ihres Landes beim Dreierlandtag: Vorarlberg sei anfangs beim Vierlandtag dabei gewesen, habe sich dann aber verstärkt in der Europaregion Bodenssee engagiert. Der Kontakt mit der Europaregion Tirol sei aber nach wie vor wertvoll. Durch den Lissabon-Vertrag hätten die Länder die Chance, an der Subsidiaritätskontrolle in der EU mitzuwirken und damit die EU den Bürgern näher zu bringen. Dellai: „Euregio bekommt heute starken, institutionellen Rahmen" Es sei niemandem entgangen, dass dieser Dreier-Landtag eine besondere, bahnbrechende Bedeutung hat, stellte der Trentiner Landeshauptmann Lorenzo Dellai fest. Heute bekomme die Euregio einen starken, institutionellen Rahmen. Eine starke Euregio sei für uns selbst wichtig, aber auch als Ansprechpartner für Europa und als Bindeglied zwischen Europa und unseren Bürgern. Die gemeinsame Geschichte sei nicht mit Nostalgie zu betrachten, sondern als Fundament für die Zukunft. Die Euregio sei für alle: alle drei Länder und alle ihre Sprachgruppen. Dellai erinnerte in diesem Zusammenhang an das gemeinsame Dokument der drei Bischöfe zum Gedenkjahr. Die drei Landeshauptleute hätten nun die Aufgabe, die heutigen Beschlüsse umzusetzen. Bei der gemeinsamen Sitzung der Landesregierungen Mitte Oktober wurde bereits festgelegt, in welchen Bereichen man tätig werden wird. Der heute zu beschließende Europäische Verbund der territorialen Zusammenarbeit (EVTZ) sei die Voraussetzung dafür.