Freitag, 25. Juni 2021

Gemeinsame Agrarpolitik: „Reform ist auf der Zielgeraden“

Der Weg zur Einigung war lang. Drei Jahre wurde in Brüssel über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) bis zum Jahr 2027 debattiert. In der Nacht auf Freitag wurde nach zähen Verhandlungen zwischen Europaparlament, EU-Agrarministerrat und EU-Kommission eine politische Einigung zwischen EU Parlament und Mitgliedstaaten in den zentralen Punkten gefunden. Südtirols EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann ist erleichtert.

Herbert Dorfmann
Herbert Dorfmann - Foto: © M.LAHOUSSE
386,6 Milliarden Euro sollen bis zum Jahr 2027 auf europäischer Ebene für die Landwirtschaft eingesetzt werden, das sind 33 Prozent des gesamten EU- Budgets. Südtirols EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann ist überzeugt, dass die neue GAP für Südtirol eine große Chance ist.

In der vergangenen Periode seien jährlich mehr als 150 Millionen Euro von Brüssel nach Südtirol geflossen. Für viele landwirtschaftliche Betriebe sei die Hilfe aus Brüssel überlebenswichtig. „Die Verhandlungen gehen heute weiter, aber der Weg für eine definitive Einigung scheint nach der letzten Nacht geebnet“, schreibt Dorfmann in einer Aussendung.

Seit Donnerstag tagte das Verhandlungsteam des EU-Parlament, dem Herbert Dorfmann als Agrarverantwortlicher der EVP angehört, der Kommission und der Agrarministern. Bei den Verhandlungen sei es auch für die Südtiroler Landwirtschaft um wichtige Themen gegangen, betont Herbert Dorfmann, der als Verantwortlicher der Europäischen Volkspartei für die Agrarpolitik eng in die Verhandlungen eingebaut war: „Von Anfang an habe ich mich immer dafür eingesetzt, dass es zu einer gerechteren Verteilung der Agrargelder kommt. Das heißt, dass kleinere und mittlere Betriebe stärker berücksichtigt werden müssen.“ Das sei gelungen.

Mehr Geld für kleinere Betriebe

10 Prozent des Geldes werden bei den größten Betrieben gestrichen und auf die kleineren verteilt werden. Daneben gelte es jetzt nach Verabschiedung der GAP benachteiligte Gebiete stärker zu unterstützen und das Geld vor allem jenen Bäuerinnen und Bauern zur Verfügung zu stellen, die von der Landwirtschaft leben und aktiv Landwirtschaft betreiben.

Dass in der neuen GAP die Umweltaspekte stärker unterstrichen werden, sei für Südtirol eine Chance, sagt der EU-Parlamentarier. Nachhaltigkeit sei kein neues Thema für die lokale Landwirtschaft. „Der hohe Anteil an Dauergrünland, die integrierte Produktion und der wachsende Anteil an Biolandwirtschaft in den Intensivkulturen sind gute Voraussetzungen, um die jetzt anstehenden Debatten gut anzugehen“, betont Herbert Dorfmann.

Auf gesamtstaatlicher Ebene werden die Direktzahlungen bis 2027 angepasst, die Versicherungssysteme werden verbessert, schreibt Dorfmann. Die Rolle der Regionen bei Entscheidungen auf staatlicher Ebene sei mit der GAP ebenfalls gesichert.

Nach dieser politischen Einigung müssen in den heutigen Verhandlungen nun noch einige technische Details geklärt werden und das Parlament muss in einer Schlussabstimmung der Einigung zustimmen. Ab 1. Jänner 2023 gelten dann die neuen Regeln.

stol