Montag, 05. September 2016

Gentiloni: „Südtirol ist ein Vorbild für viele“

Auch der italienische Außenminister Paolo Gentiloni sprach anlässlich der Feierlichkeiten auf Schloss Sigmundskron. Dabei hob er vor allem die Vorbild-Stellung Südtirols für zahlreiche Konfliktzonen weltweit hervor.

Paolo Gentiloni (rechts) und Sebastian Kurz (links) auf Schloss Sigmundskron.
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Paolo Gentiloni (rechts) und Sebastian Kurz (links) auf Schloss Sigmundskron. - Foto: © APA

Mit dem Gruber-Degasperi-Abkommen habe man viel erreicht, erklärte der italienische Außenminister. Sicher, heute würden viele sagen, es sei unzulänglich gewesen. Dennoch: Die Vorstellung, dass so unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Wahrheiten so miteinander leben könnten, war damals unglaublich, eine unvorstellbare Vision, die mit dem Gruber-Degasperi-Abkommen ihren Startschuss hatte.

Gentiloni: "Konflikt im Herzen Europas wäre furchtbar gewesen"

Sicher habe sich das Abkommen später als völlig unzureichend herausgestellt. Es habe jedoch vor allem eine gute Sache mit sich gebracht: „Das Abkommen hat verhindert, dass dieses wunderschöne, wohlhabende Land im Herzen von Europa in seinen Konflikten zu Eis gefriert. Es wäre furchtbar gewesen, einen Konflikt im Zentrum Europas zu haben“, erklärte Gentiloni.

„Das Abkommen war ein Vorreiter für viele weiterführende Entscheidungen, die auch die europäische Integration beeinflusst haben. Wichtige Prinzipien wurden darin verankert, wie etwa die Bewahrung der Identität oder das friedliche Zusammenleben zwischen Völkern. Die Idee dahinter ist nicht die, die nationalen Grenzen zu überwinden, sondern sie verschwimmen zu lassen.“

Brennergrenze muss offenbleiben

Die Südtiroler Lösung könnte, so ist sich der Außenminister sicher, auch eine Lösung für zahlreiche Konflikte in Europa sein.

„Südtirol ist heute nicht mehr ein Objekt von Streitigkeiten zwischen Rom und Wien, sondern ein Zeichen der Zusammenarbeit dieser beiden Länder.“

Und auch der Brenner sei ein Symbol eines gemeinsamen Europas. „Italien und Österreich müssen dieses Symbol offen halten, so wie es sein muss“, erklärte Gentiloni und erntete dafür Applaus vom Publikum.

Man wolle nicht zu den Binnengrenzen zurückkehren, aber auch nicht die Flüchtlingssituation unterschätzen.

Südtirol gilt als Vorbild für viele

„Wir müssen sehr zufrieden damit sein, welchen Wohlstand Südtirol hat und auch, wie gut es verwaltet wird. Ich möchte jetzt gar nicht zu viele Komplimente an Arno Kompatscher machen, aber Südtirol gilt eben als Vorbild für viele andere. Man fühlt, dass dieses Land dem europäischen Geist sehr nahe liegt. Und dass sich die Südtiroler, egal ob italienisch, deutsch oder ladinisch, sich zwar als Südtiroler, aber vor allem als Europäer sehen.“

stol/liz

stol