Unter den Teilnehmern herrschte Einigkeit darüber, dass die Europäische Union eines Planes B bedürfe. Über die Ausgestaltung dessen schieden sich aber die Geister. Rechtsphilosoph Ronald Dworkin warnte dabei eindrücklich vor einer Durchsetzung visionärer Pläne über die Köpfe der Menschen hinweg.Die EU sei mit einer Krise der Werte sowie der politischen Steuerungs- bzw. Regelungssysteme konfrontiert, fasste Bonino den Zustand der EU zusammen. Die Politik würde den EU-Bürgern die Realität vorenthalten und allenfalls Akzeptables oder Massenwirksames präsentieren. Laut Bonino zeige sich das in Sachen Immigration besonders deutlich. Obwohl Europa auf Zuwanderung angewiesen sei, würden Ausländer zum Zwecke schnellen Stimmenfangs instrumentalisiert und für „praktisch alles“ verantwortlich gemacht.George Soros, US-Milliardär und Gründer der „Open Society Foundations“, stellte einen Rückgang des Enthusiasmus für ein zusammenwachsendes Europa fest. Aus seiner Sicht betreibe die europäische Politik derzeit Desintegration anstelle von Integration. Eine Währungsunion könne auf Dauer nicht ohne gemeinsame Fiskalpolitik funktionieren. Die EU bedürfe daher dringend eines „Plan B“, welcher beispielsweise auch Regeln für einen Euro-Austritt bereithalten müsste.Der EU-Parlamentarier Guy Verhofstadt attestierte der EU vor allem einen Mangel in Sachen Führungskraft. Eine Gesellschaft könne nicht scheitern, dies könne nur die Politik, betonte er. Er forderte die Politiker, die er als Herzstück eines jeden demokratischen Systems bezeichnete, deshalb zum visionären Voranschreiten auf. Seine eigene Idee versah er dabei mit dem Etikett „United States of Europe“. Diese inkludiere ein europäisches Steuersystem und einen direkt gewählten europäischen Präsidenten.Rechtsphilosoph Dworkin warnte jedoch vor visionären Schnellschüssen. Aus seiner Sicht seien die besten Lösungen oft nicht die populärsten. Damit diese aber auch mehrheitsfähig werden, müsse massiv in die Bildung investiert werden. Er forderte die Politik dazu auf, die Menschen zu kritischem Denken anzuregen. Angesichts der feurigen Debatte hielt Dworkin aber fest, dass die liberale Demokratie nirgendwo in besserer Form sei als in Europa. apa