Freitag, 06. Juli 2018

Gesetz zum Großraubwild verabschiedet

Mit 25 Ja, 3 Nein und 2 Enthaltungen wurde das Gesetz zur Vorsorge und den Entnahmemaßnahmen bei Großraubwild am Freitag verabschiedet.

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Foto: © shutterstock

Bereits am Donnerstag hatte die Generaldebatte zum Gesetz begonnen (STOL hat berichtet). Am Freitag wurde sie wieder aufgenommen.

So stellte Sigmar Stocker von den Freiheitlichen die Frage, was man unter Tierschutz verstehen solle. Der Wolf, der keine natürlichen Feinde habe, reiße Tiere nicht nur aus Hunger und auf grausame Art und Weise. Ein Tierschutz müsse auch für Schafe gelten. Wer nur auf den Wolf schaue, sei eigentlich ein Tierquäler und sehe die Schafe nur als Nutztiere des Menschen. Zu den 36 gemeldeten Wolfsrissen in Südtirol müsse man auch die versprengten Schafe dazu zählen, die abstürzen. Den Grünen, die im Ausschuss gegen das Gesetz gestimmt hätten, würden nicht alle Tiere am Herzen liegen, jedenfalls nicht die grausam gerissenen Schafe.

Daraufhin erinnerte Riccardo Dello Sbarba von den Grünen an den abgelehnten Antrag der Grünen vor vier Jahren, Südtirol auf die Rückkehr des Wolfs vorzubereiten. Nun sei der Notstand ausgebrochen, und es herrschten - kurz vor den Wahlen - Alarmstimmung und Populismus, auch wenn weit mehr Tiere durch Unfälle umkommen würden als durch den Wolf.

Dieser Gesetzentwurf habe kein wolfsfreies Südtirol zum Ziel, sondern die Regelung des Umgangs mit dem Wolf. Es gehe um einzelne Wölfe, die Probleme machten, und abgesehen davon um das Zusammenleben zwischen Wolf, Mensch und anderen Tieren. Die wolfsfreie Zeit sei nur eine kurze Klammer, man könne die Natur nicht nach den eigenen Vorstellungen formen. Der Mensch sei nicht der Herr der Natur, sondern ein Teil von ihr. Ein wolfsfreies Südtirol sei eine Illusion, man könne nicht einfach das ganze Land mit einem elektrischen Draht umzäunen. Außerdem sei der vorliegende Gesetzentwurf verfassungswidrig: Laut Habitat-Richtlinie könnten nur die Staaten Regulierungen vornehmen. Dieses Gesetz werde angefochten werden, aber das sei der Mehrheit egal; sie wolle vor den Wahlen zeigen, dass sie alles getan habe, und an der Ablehnung sei dann Rom schuld. 

Der Wolf sei nicht mehr vom Aussterben bedroht, erklärte daraufhin Landesrat Arnold Schuler, die Situation sei eine ganz andere als zur Zeit, in der die Habitat-Richtlinie erlassen wurde. Die Wolfspopulation sei mittlerweile so groß, dass eine Regulierung notwendig. Südtirol habe keine direkte Zuständigkeit für den Wolf. Man müsse an die Grenzen des Möglichen gehen, eine Anfechtung riskiere man immer. Mit Pessimismus könne man die Sache jedenfalls nicht angehen. 

Der Gesetzentwurf wurde schließlich mit 25 Ja, 3 Nein und 2 Enthaltungen genehmigt.

lpa

stol