Donnerstag, 23. Juni 2022

Gespalten und unversöhnt: Wir Südtiroler haben das Diskutieren verlernt

Die Einen verteufeln den Tourismus in Südtirol, die Anderen verklären ihn. Auf der Strecke bleiben die Fakten. Die Diskussion rund um das Tourismusentwicklungskonzept ist aber nur ein Beispiel von vielen, wie Diskussionen oft und gerne ablaufen: undifferenziert und an der Oberfläche. Ein Kommentar von Arnold Sorg.

Diskussionen sind es, die eine Gesellschaft nach vorne bringen. Und nicht der schnelle Aufreger. Und das Denken in Schwarz-Weiß-Kategorien. Das führt vielmehr zu einer Spaltung der Gesellschaft. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Da sind einerseits die bedingungslosen Befürworter des Tourismus, die sagen, dass es in ihrer Branche eine grenzenlose Entwicklung braucht, um den Wohlstand im Land aufrechtzuerhalten. Und andererseits gibt es jene Personen, die am liebsten gar nichts von Tourismus hören und wissen möchten.

Eines ist sicher: Ohne Tourismus stünde Südtirol heute viel schlechter da. Der Tourismus ist jene Branche in der heimischen Wirtschaft, die erheblich zum Wohlstand des Landes und damit der Bürger beigetragen hat.

Wir haben verlernt, differenziert zu diskutieren. Wir streiten uns lieber an der Oberfläche, ohne auf Fakten einzugehen. Denn das würde ja bedeuten, dass wir uns wirklich mit einer Sache auseinandersetzen müssten.
Arnold Sorg


Andererseits ist es so, dass es in der Tat einige Gebiete und Orte gibt in Südtirol, in denen die Belastungsgrenze erreicht und ein Mehr an Betten und an Tagestouristen kaum noch zu stemmen ist.

Das Um und auf beim Tourismus ist, dass das Gleichgewicht zwischen Urlaubern und Einheimischen nicht aus den Fugen gerät. Dass die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Tourismus hoch bleibt.

Die Diskussion, wie die künftige Entwicklung und Ausrichtung im Tourismus ausschauen soll, muss aber anhand von Fakten geschehen. Und nicht anhand von gefühlten Realitäten. Denn das führt zu gar nichts: Außer zu immer größeren Unmut.

Die Diskussion rund um das Tourismuskonzept ist aber kein Einzelfall. Wir haben verlernt, über Inhalte zu diskutieren. Wir haben verlernt, differenziert zu diskutieren. Wir streiten uns lieber an der Oberfläche, ohne auf Fakten einzugehen. Denn das würde ja bedeuten, dass wir uns wirklich mit einer Sache auseinandersetzen müssten.

In Zeiten von Social Media will das aber niemand. Da geht es vielmehr darum, sich in Szene zu setzen. Da geht es um den schnellen Aufreger, statt um sachliche, mühsame, ja und oftmals auch langweilige Diskussionen.

Gerade diese Diskussionen sind es, die eine Gesellschaft nach vorne bringen. Und nicht der schnelle Aufreger. Und das Denken in Schwarz-Weiß-Kategorien.
Arnold Sorg



Aber gerade diese Diskussionen sind es, die eine Gesellschaft nach vorne bringen. Und nicht der schnelle Aufreger. Und das Denken in Schwarz-Weiß-Kategorien.

stol

Kommentare
Kommentar verfassen
Bitte melden Sie sich an um einen Kommentar zu schreiben
senden