Der Südtiroler Christoph Kaserer, Finanzexperte an der Technischen Universität München, analysierte die europäische Bankenunion aus finanzwirtschaftlicher Sicht. „Die kürzlich vom EU-Parlament verabschiedete Reform zur Bankenunion war ein notwendiger Schritt in Richtung eines gemeinsamen europäischen Finanzmarktes“, erklärte Kaserer vor Vertretern der Raiffeisenkassen und -verbände des Trentino und Südtirols. Damit die lokale Finanzwirtschaft nicht von den neuen Regulierungen gehemmt werde, müssten große Investment- und Geschäftsbanken direkt von der Europäischen Zentralbank beaufsichtigt werden. Im Vergleich dazu könnten kleine Regionalbanken wie die Genossenschaftsbanken weiterhin national in Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank kontrolliert werden, betonte Kaserer. „Eine getrennte Regulierung von kleinen und größeren Banken wäre die Ideallösung – ist aber unter der Sichtweise eines gemeinsamen Europäischen Bankenmarktes politisch nicht machbar“, so der Finanzexperte. Samuel Cornella, Interessensvertreter der Verbände in Brüssel, zeigte in seinem Referat auf, wie Lokalinteressen effizient im Gesetzgebungsprozess der Europäischen Union vertreten werden können.Der Europaparlamentarier Herbert Dorfmann (SVP), der die vergangenen fünf Jahre Mitglied des Wirtschaftsausschusses des Europäischen Parlaments war, bezeichnete die Bankenunion als wichtigen Meilenstein, damit die Steuerzahler nicht mehr für Ausfälle im Bankensektor gerade stehen müssen. „Gemeinsam mit unseren Lokalbanken habe ich mich für Lösungen eingesetzt, damit die spezifischen Geschäftsmodelle unserer Genossenschaftsbanken und Sparkassen geschützt und bei den Reformen berücksichtigt werden“, so Herbert Dorfmann. „Ich habe im Europäischen Parlament kontinuierlich auf unsere Banken- und Wirtschaftsrealität aufmerksam gemacht. Dadurch ist es gelungen die Bekanntheit unserer Geschäftsmodelle zu stärken und deren Berücksichtigung bei den neuen Regelwerken zu erreichen“, erklärte der EU-Parlamentarier.