Bei Gefechten zwischen Anhängern der Staatsführung und Stammesvertretern sowie einer Explosion in der Hauptstadt Sanaa kamen am Donnerstag mehr als 50 Menschen ums Leben. Ein einflussreicher Stammesführer, der die Opposition unterstützt, schloss weitere Vermittlungsbemühungen aus. „Er wird dieses Land barfuß verlassen“, gab Sadik al-Ahmar am Donnerstag als Ziel vor. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton bestand auf den Rücktritt des langjährigen US-Verbündeten im Kampf gegen den Terrorismus.28 Tote bei Explosion in WaffenlagerAllein auf dem Gelände eines Waffenlagers wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Nacht bei einer Explosion 28 Menschen getötet. Hunderte Bewohner Sanaas flohen aus der Hauptstadt. Sie hatten ihre Habseligkeiten in Eile auf den Dächern ihrer Autos verstaut. Das Waffendepot habe dem mit Salehs verfeindeten Al-Ahmar-Clan gehört, meldete die Regierungspresse.Mindestens 18 Menschen seien bei den nächtlichen Kämpfen zwischen der republikanischen Garde und Anhängern des Arhab-Stammes ums Leben gekommen, teilte ein Stammesvertreter mit. Im Hauptstadtbezirk Hasaba wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Saba bei Gefechten zwischen Anhängern Salehs und Mitgliedern des mächtigen Haschid-Stammes sechs weitere Menschen getötet, unter ihnen vier Zivilisten.Die Staatsanwaltschaft ordnete die Festnahme von „aufständischen Anführern“ des Al-Ahmar-Clans an. In einem Interview, das im arabischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, sagte dessen Führer, Scheich Sadik al-Ahmar: „Ich bin in meinem Haus, niemand kann mich verhaften. Ich werde bis zum Tod gegen Ali Abdullah Saleh kämpfen.“ Eine Vermittlung im Streit über den Rücktritt Salehs lehnte er erneut ab. Gleichzeitig rief al-Ahmar andere arabische Länder sowie die Weltmächte auf, Druck auf Saleh auszuüben, damit er zurücktrete. „Ali Abdullah Saleh ist ein Lügner, Lügner, Lügner“, sagte al-Ahmar im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.Die jüngsten Kämpfe entbrannten, als Kämpfer der Al-Ahmar-Familie im Norden Sanaa versuchten, Regierungsgebäude zu stürmen. Scheich Sadik al-Ahmar ist der Führer des Haschid-Stammes, dem auch der Präsident angehört. Al-Ahmar hat sich aber Anfang März von ihm losgesagt und unterstützt nun die Demonstranten, die seit Anfang Februar den Rücktritt des Langzeitpräsidenten verlangen.Am Donnerstagvormittag konzentrierten sich die Gefechte einmal mehr auf den Flughafen, der nach Darstellung al-Ahmars geschlossen wurde. Vor Bäckereien, Tankstellen und Banken bildeten sich lange Schlangen. Die USA forderten das nicht-diplomatische Botschaftspersonal und Familienangehörige zum Verlassen des Landes auf.Clinton fordert Präsident Saleh zum Rücktritt aufUS-Außenministerin Clinton rief zu einem sofortigen Ende der Kämpfe auf und drängte Saleh zum wiederholten Mal zum Amtsverzicht. Die USA hielten an ihrer Forderung zum Rücktritt Salehs fest. Die USA befürchten, dass ein Zusammenbruch des ohnehin schon finanziell angeschlagenen jemenitischen Staates die Sicherheit in der Region untergraben und auf das auf den weltgrößten Erdöl-Exporteur Saudi-Arabien übergreifen könnte.Die Straßenschlachten waren am Montag ausgebrochen, nachdem Präsident Saleh erneut die Unterzeichnung eines Abkommens verweigert hatte, das seinen Rücktritt binnen eines Monats vorsieht. Im Jemen gibt es seit drei Monaten Demonstrationen gegen den langjährigen Staatschef. Saleh schloss am Mittwoch Konzessionen an seine Gegner aus.Indes wird die Hauptstadt Sanaa immer mehr zum Schlachtfeld. Seit Montag wurden nach inoffiziellen Schätzungen mehr als 80 Menschen getötet. Bisher konzentrierten sich die Kämpfe vor allem auf das Gebiet um die Residenz al-Ahmars im Innenstadtviertel Hasaba. Schießereien wurden aber am Donnerstag auch aus anderen Stadtteilen gemeldet. Im nördlichen Vorort Arhab stießen Regierungstruppen mit Kämpfern des Arhab-Clans zusammen.Angesichts der eskalierenden Gewalt zog das US-Außenministerium alle nicht unbedingt für die Arbeit seiner Botschaft in Sanaa notwendigen Mitarbeiter ab, wie das Ministerium am Mittwoch (Ortszeit) in Washington mitteilte. Auch Familiengehörige der Diplomaten und andere US-Bürger sollten demnach das Land verlassen. Vor Reisen in den Jemen wurde gewarnt. In Österreich gilt seit Anfang Mai eine Reisewarnung für den Jemen. apa/dpa/afp/reuters