Samstag, 05. September 2020

„Gmahnte Wiesn“ für 40 Bürgermeister-Kandidaten

Keinen Bock, Bürgermeister zu werden: Dies zumindest zeigen die Kandidatenlisten für die Gemeinderatswahl in 2 Wochen. In 40 von 113 Südtiroler Gemeinden, in denen gewählt wird, gibt es keine Qual der Wahl, sondern eher eine Wahl nach dem Motto „Friss, Vogel oder stirb“. Den Solo-Bürgermeisterkandidaten wäre Konkurrenz viel lieber. Das berichtet das Tagblatt „Dolomiten“ am Samstag.

Diese Kette wird auch in den nächsten 5 Jahren Christoph Matscher tragen: Er ist der einzige Bürgermeisterkandidat in der Gemeinde Tisens und wird somit seine zweite Amtszeit antreten.
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Diese Kette wird auch in den nächsten 5 Jahren Christoph Matscher tragen: Er ist der einzige Bürgermeisterkandidat in der Gemeinde Tisens und wird somit seine zweite Amtszeit antreten. - Foto: © fm
Der Marteller Bürgermeister Georg Altstätter tritt bereits zum zweiten Mal „außer Konkurrenz“ an. „Wir waren in allen Fraktionen, haben Kandidatenboxen aufgestellt. Dabei hat es kaum Nennungen gegeben und die, die genannt wurden, hatten kein Interesse“, sagt Altstätter. Man habe auch diskutiert, dass alle Kandidaten auf der Gemeinderatsliste um das Bürgermeisteramt kandidieren, aber auch diese Variante habe keine Zustimmung erhalten. „Auch für die Zukunft wird es nicht leichter werden, Männer und Frauen zu finden, die sich dafür hergeben. Denn beispielsweise ein Gemeindereferent in unserer Gemeinde bekommt im Monat 280 Euro, und der Zeitaufwand ist groß“, so Altstätter.

Auch die Bürgermeisterin von St. Martin in Passeier, Rosmarie Pamer, hat keinen Herausforderer. „Wir waren sehr bemüht, jemanden zu finden, aber dann hat es leider nicht geklappt. Denn es kann einem nichts Besseres passieren, als einen Gegenkandidaten zu haben. Denn nur so kann ich sehen, wo ich mit meiner getanen Arbeit stehe“, sagt sie. Allein anzutreten, hemme auch die Wählfreudigkeit nach dem Motto: Pamer sei ja eh schon gewählt. „Tritt man mit Konkurrenz an, halten sich auch die weißen Stimmen in Grenzen, und man bekommt mehr Stimmen mit einem Gegenkandidaten als alleine“, sagt Pamer.

Annelies Pichler
ist Bürgermeisterkandidatin in Schenna und auch allein auf weiter Flur. „Ich habe es mir nicht ausgesucht, und ich hätte auch gern einen Gegenkandidaten gehabt, aber es hat sich eben so ergeben“, sagt sie. In Schenna steht nach 3 Amtsperioden von Luis Kröll ein Wechsel an. „Wir haben viele neue Kandidaten, die gute Stimmung ist da, mein Vorgänger hat gute Arbeit geleistet, daher hoffe und wünsch’ ich mir, dass wir eine hohe Wahlbeteiligung haben“, sagt Pichler.

Wolkensteins Bürgermeister Roland Demetz tritt zum 5. Mal als Bürgermeister an. „Aber das erste Mal ohne Konkurrenz. Für mich ist das keine schöne Wahl, ich bin nicht glücklich“, sagt Demetz frei heraus. Es sei schwer, sich für den Wahlkampf zu motivieren und dem Wähler zu erklären, dass es wichtig sei, zur Wahl zu gehen. „Und noch etwas fehlt. Ich hätte gern einen Nachfolger aufgebaut, damit man spürt, ob er bei den Leuten ankommt, damit er sich einlernen kann. Denn das Bürgermeisteramt ist mittlerweile so kompliziert, dass man zweieinhalb Jahre braucht, um sich zurechtzufinden“, so Demetz.

Manfred Mayr, Bürgermeister von Kurtinig, ist bei seiner dritten und letzten Kandidatur auch der Gegner abhanden gekommen. „Die italienische Bürgerliste hat entschieden, mich zu unterstützen. Für mich ist das nicht fein, aber ich kann auch nicht einen Herausforderer mit Gewalt suchen. Aber im Sinne der Demokratie wäre es richtig und wichtig, eine Auswahl zu haben“, sagt Mayr. Aber die Stimmung im Dorf sei gut. „Ich bin ein Auslaufmodell, und ich hoffe, dass wir morgen jemanden finden, der weitermacht. Als Bürgermeister darf man 2 Eigenschaften nicht haben: Arroganz und Neid.“

lu