Donnerstag, 16. September 2021

Green Pass für alle Arbeitnehmer – Beschluss für heute erwartet

Italien will als erstes europäisches Land den sogenannten Grünen Pass für alle Beschäftigten des öffentlichen und privaten Sektors zur Pflicht machen. Nach der 3G-Regel sollen Beschäftigte nur mehr geimpft, genesen oder getestet an ihren Arbeitsplatz kommen dürfen. Der Beschluss soll bei einer am Donnerstag geplanten Ministerratssitzung gefasst werden, wie die italienische Regionenministerin Maria Stella Gelmini am Mittwoch ankündigte.

Die Entscheidung, ob bald alle Arbeitnehmer den Green Pass für den Job brauchen, fällt am Donnerstag in Rom.
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Die Entscheidung, ob bald alle Arbeitnehmer den Green Pass für den Job brauchen, fällt am Donnerstag in Rom. - Foto: © shutterstock
„Wir bewegen uns auf die Verpflichtung zu einem grünen Zertifikat zu, nicht nur für Beamte, sondern auch für die Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft“, sagte Gelmini gegenüber dem Radiosender „Radio Rai“. „Der Impfstoff ist die einzige Waffe, die wir gegen das Coronavirus haben, und wir können die Infektion nur eindämmen, wenn wir eine große Mehrheit der Bevölkerung impfen“, so die Ministerin.

Was die Südtiroler Wirtschaft zur 3G-Regel für alle Arbeitnehmer sagt, lesen Sie hier.

Der Pass – ein digitales oder Papierzertifikat, das belegt, dass eine Person mindestens eine Impfdosis erhalten hat, negativ getestet wurde oder vor kurzem genesen ist – wurde ursprünglich entwickelt, um das Reisen zwischen den EU-Staaten zu erleichtern.



Italien verwendet den Grünen Pass auch intern als Zutrittsvoraussetzung zu Einrichtungen wie Museen, Fitnessstudios und Restaurants in Innenräumen, die 3G-Regelung gilt auch auf Bussen und Zügen im Fernverkehr.

Obwohl das Thema der Zutrittshürden innerhalb der Koalition von Regierungschef Mario Draghi immer wieder für Spannungen sorgt, hat Italien den Einsatz des Grünen Passes auch am Arbeitsplatz schrittweise ausgeweitet. Rund 73 Prozent der 60 Millionen Italiener haben mindestens eine Impfung erhalten, und 65 Prozent sind vollständig geimpft. Ab dem 20. September beginnt Italien mit der Verabreichung der dritten Impfdosis an besonders gefährdete Menschen.

Die Frage dürfte auch bei der Kabinettssitzung am Donnerstag zu neuerlichen Spannungen führen. Der Vorsitzende der mitregierenden Rechtspartei Lega, Matteo Salvini, hat sich wiederholt gegen die Ausweitung des Grünen Passes ausgesprochen. Seine Partei ist in dieser Frage jedoch intern gespalten.

Italien hatte bereits im Mai eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal eingeführt, das vergangene Woche auch auf Mitarbeiter von Seniorenheimen ausgedehnt wurde. Das Schulpersonal, Universitätsprofessoren und Studenten müssen den Grünen Pass vorweisen. Die Maßnahme ist umstritten. Zuletzt gab es in Italien landesweit heftige Proteste gegen die Corona-Politik. Seit zwei Monaten finden samstags in den Großstädten Demonstrationen gegen den Grünen Pass statt.

Gegen 29 Personen, die sich am Samstag an einer Demonstration gegen den Grünen Pass in Mailand beteiligt hatten, wurden Ermittlungen aufgenommen. 14 Angeklagten wird Gewalt und Blockade von Straßen vorgeworfen, 15 Personen, darunter einigen Rechtsextremisten, die Teilnahme an einer nicht erlaubten Demonstration.

apa/stol