Die Sprecherin der Grenzpendlergruppe Gerlinde Warger, und Rosemarie Mayer für die „Südtiroler in der Welt“, begrüßten zahlreiche Ehrengäste, darunter den Landtagsabgeordneten Sepp Noggler, die Kammerabgeordnete Renate Gebhard und den ehemaligen Parlamentarier Albrecht Plangger. Ebenfalls anwesend waren mehrere Bürgermeister des Obervinschgaus, sowie Günther Platter, Vertreter der Raiffeisenkasse. Karl Kerer, Vorstandsmitglied des KVW, begrüßte die Teilnehmer und berichtete kurz über die Wipptaler Grenzpendlertagung, die dieses Jahr im Frühjahr erstmals in Sterzing stattgefunden hatte. <BR /><BR />Die Kammerabgeordnete Renate Gebhard berichtete, dass es aktuell wenig Neues aus Rom gebe und dass das in diesem Kontext eine gute Nachricht sei. Sie ging insbesondere auf die aktuellen Bestimmungen zur Telearbeit ein. Bis zu 25 Prozent der Arbeitszeit könnten im Homeoffice geleistet werden, ohne den Status als echte Grenzpendler zu verlieren. Dies ist jetzt Gesetz und es muss deshalb nicht mehr jährlich um Genehmigung angesucht werden. Die Situation hat sich verändert und Fachkräfte werden auch bei uns händeringend gesucht. <BR /><BR />Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille: Daher wurde diesmal zur Grenzpendlertagung auch Maurus Blumenthal, Direktor des Bündner Gewerbeverbands eingeladen, um die Bedeutung der 1.200 Grenzgänger aus dem Obervinschgau für die Bündner Wirtschaft zu unterstreichen. Südtirol und Graubünden sind zwei starke Alpenregionen mit ähnlicher Wirtschaftsstruktur, beide exportorientiert und die Schweizer zusätzlich mit einer starken Währung ausgestattet. Allerdings spüren auch die Graubündner den demographischen Wandel, die massive Abwanderung und sie leiden unter der schwierigen Erreichbarkeit des Kantons. Der Fachkräftemangel wird durch die Grenzpendler, die vor allem aus Südtirol und Sondrio kommen, etwas ausgeglichen, allerdings sind auch die Lohnansprüche der Grenzpendler gestiegen, weil die Wirtschaft auch auf Südtiroler Seite floriert und die Unternehmen attraktive Arbeitsbedingungen bieten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1318749_image" /></div> <BR /><BR />Thomas Moriggl, der selbst einige Zeit in die Schweiz zum Arbeiten pendelte, sprach im Namen des Unternehmerverbands und als Unternehmer zu den Anwesenden. „Wir im Vinschgau sind ständig auf der Suche nach Fachkräften und seit dem Inkrafttreten des neuen Doppelbesteuerungsabkommens (01.01.2024) ist eine leichte Trendumkehr spürbar. Es gibt bereits einige Rückkehrer und das ist gut so, weil Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt zunehmend verändern, aber wir noch nicht genau einschätzen können in welchem Maße,“ so Moriggl. Laut ihm brennt allerdings das Thema „leistbarer Wohnraum“ allen unter den Nägeln, genauso wie klimatische und geopolitische Veränderungen. Bei letzteren sei allerdings der Einfluss der lokalen Politik gering. Die Südtiroler Arbeitgeber punkten mit einem sicheren Arbeitsplatz, kürzeren Arbeitswegen, zusätzlichen Benefits (z.B. Gesundheitsfonds), der Abfertigung als zusätzlichem Lohnelement und interessanten Rahmenbedingungen (mehr Urlaub und Kinderschutz als in der Schweiz). Der Kampf um Talente wird diesseits und jenseits der Grenze ausgetragen. <BR /><BR />Die Vorteile der Grenzpendelei schilderte der Prader Bürgermeister Rafael Alber. Die finanziellen Ausgleichszahlungen aus Rom gehen anteilsmäßig zur Pendelzahl der jeweiligen Gemeinde an die Obervinschger Gemeinden Mals, Graun, Schluderns, Taufers, Prad, Glurns und Schlanders. Die Beiträge werden dann wieder für die lokale Bevölkerung reinvestiert, etwa in Trinkwasserleitungen in Glurns, die Erweiterung und die energetische Sanierung der Grundschule in Prad, Straßenlaternen in Graun und noch einiges mehr. <BR /><BR />Die wirtschaftliche Entwicklung des Vinschgaus ist gut und auch die Bündner Wirtschaft wächst: ob jemand aber dann hier oder dort arbeitet, ist immer eine persönliche Entscheidung und beides hat Vor- und Nachteile. Nach einer kurzen Diskussionsrunde beendete Gerlinde Warger die spannende Tagung mit der Einladung an die Anwesenden auch im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. <BR /><BR />Das Grenzpendlerbüro in Mals ist wochentags zu Bürozeiten telefonisch und per E-Mail erreichbar. Für eine persönliche Beratung ist eine Terminabsprache sowie eine Mitgliedschaft im Verein „Südtiroler in der Welt“ erforderlich. Der KVW und der Verein „Südtiroler in der Welt“ werden sich auch weiterhin für die Grenzpendlerthemen einsetzen.