Mittwoch, 27. April 2016

Grenzzaun am Brenner: tragisch oder vernünftig?

Kommt der Grenzzaun? Was bedeutet Grenzmanagement? Was bedeutet das für Südtiroler, was für Nicht-Südtiroler? Welche Folgen hat ein Grenzzaun? Wer sind die Befürworter, wer die Gegner? An der Uni Innsbruck wurden am Dienstagabend bei einer Diskussionsrunde zum Thema „Grenzzaun am Brenner“ Antworten auf diese und weitere Fragen gesucht.

Zu einer Podiumsdiskussion lud die sh.asus am Dienstagabend an der Universität Innsbruck. Zahlreiche Studierende und weitere Interessierte waren der Einladung der Südtiroler HochschülerInnenschaft gefolgt.
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Zu einer Podiumsdiskussion lud die sh.asus am Dienstagabend an der Universität Innsbruck. Zahlreiche Studierende und weitere Interessierte waren der Einladung der Südtiroler HochschülerInnenschaft gefolgt.

Über 300 Interessierte haben sich am Dienstagabend im Hörsaal der Geisteswissenschaftlichen Universität getroffen, um über die Problematik rund um den Grenzzaunbau am Brenner zu diskutieren. 

Studierende nehmen Dinge anders wahr

Anwesend waren mehrheitlich Südtiroler Studierende, aber auch einige Nordtiroler und vereinzelt auch welche aus Deutschland. In den Wortmeldungen war laut STOL-Reporterin vor Ort auffallend, dass sich die Nordtiroler und Deutschen mehr Gedanken zur Integration der Flüchtlinge machen, als die Situation am Brenner als solche wahrnehmen. 

Anwesend waren auch Landesrätin Martha Stocker, Universitätsprofessor Gottfried Tappeiner, die Abgeordneten zum Tiroler Landtag  Markus Abwerzger (FPÖ) und Ahmet Demir (Die Grünen) und der Obmann der Organisation RefugeesHelp Marco Neher. Die Moderation des Abend Fragen stellen - die generelle Fragestellung: Ist der Grenzzaun nun „tragisch“ oder doch „vernünftig“?

„Keine Nabelschau betreiben“

Neben der allgemeinen Thematik rund um die Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen ging es auch um die Auswirkungen, die ein Grenzzaun auf die Bevölkerung der Europaregion Tirol haben könnte. Tappeiner warnte hier vor einer „Nabelschau“. Es gehe nicht darum, ob ein Zaun für die einheimische Bevölkerung als lästig oder nicht lästig empfunden werde. 

Zu einer Podiumsdiskussion lud die sh.asus am Dienstagabend an der Universität Innsbruck. Zahlreiche Studierende und weitere Interessierte waren der Einladung der Südtiroler HochschülerInnenschaft gefolgt. - Foto: cmp

Er sehe im geplanten Zaunbau eine temporäre Lösung und prognostiziert den Untergang der abendländischen Kultur, sollte die Schließung der Grenze zum Dauerzustand werden.

„EU hat versagt“

FPÖ-Landesparteiobmann und Tiroler Landtagsabgeordneter Abwerzger sieht in der Flüchtlingsproblematik "ein Versagen der EU". Er forderte einen starken nationalen Staat und verweist auf die Ungewissheit und Unvorsichtigkeit, die derzeit durch eine offene Grenze gegeben sei. „Gibt ein Staat auf, wissen zu wollen, wer ins eigene Land hereinkommt, ist er als solcher verloren“, warnt Abwerzger im Laufe der Diskussion.

Besonders Abwerzger wurde von den Studierenden sehr kritisch befragt. Es ließ sich eine ablehnende Haltung vieler Studierender gegenüber ihn und seine Ideologie erkennen.

Martha Stocker wies indes darauf hin, dass die EU als solche nur funktionieren könne, wenn sich die Einzelstaaten auch aktiv beteiligen und in solchen Angelegenheiten an einem Strang ziehen. „Solidarität war bisher nur da, wenn es darum ging, Geld anzunehmen. Nun ist es auch an der Zeit, in die andere Richtung solidarisch zu sein“, forderte die Landesrätin für Soziales auf.

stol/cmp/ker

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Allen Worten und Widerständen zum Trotz: Am heutigen Mittwoch stellt die Landespolizeidirektion Tirol am Brenner das Grenzmanagement vor.

stol