Wegen der Rezession wird Griechenland nach Worten von Finanzminister Evangelos Venizelos seine Sparziele für 2011 verfehlen. Die Wirtschaft werde im laufenden Jahr um rund fünf Prozent schrumpfen, sagte der Minister am Freitag in Athen. Dies werde sich bei den Zielen für dieses Jahr bemerkbar machen. Es sei riskant, an der Prognose eines positiven Wirtschaftswachstums für 2012 festzuhalten, räumte Venizelos ein. Es müsse bei den Strukturreformen schneller vorangehen.Geldgeber reisten aus Athen abEine Delegation der Geldgeber von IWF/EU und der Europäischen Zentralbank verließ überraschend Athen und kommt wohl erst Mitte September wieder, wenn die Regierung ihren Haushalt 2012 fertig ausgearbeitet hat. Zudem sollen wachstumsfördernde Strukturreformen vorangetrieben werden, erklärte die sogenannte Troika am Freitag. Denn Griechenland droht wegen der anhaltenden Rezession seine Sparziele zu verfehlen. Dennoch betonte Finanzminister Evangelos Venizelos, er denke vorerst nicht über zusätzliche Maßnahmen nach.Griechenland war als erstes Euro-Land über seinen Schuldenberg gestolpert und konnte im Mai 2010 nur mit einer Kreditzusage von 110 Mrd. Euro seiner Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds vor der Staatspleite gerettet werden. Als Gegenleistung hat das südeuropäische Land Reformen und einen strikten Sparkurs versprochen. EU, IWF und EZB prüfen regelmäßig, ob die Regierung in Athen ihre Zusagen einhält. Der IWF wollte die jüngsten Beratungen bis zum 5. September abschließen und dann grünes Licht für die nächste Kreditrate geben.Nun allerdings stocken die Gespräche – ein klares Zeichen, dass es knirscht zwischen den Parteien. Die Troika verpackte es in diplomatische Worte: Die Delegation habe zwar Fortschritte erreicht, aber Athen vorübergehend verlassen, „um es den Behörden zu erlauben, technische Arbeiten abzuschließen, die unter anderem den Haushalt 2012 betreffen und wachstumsfördernde Strukturreformen“. Griechenlands Finanzminister Venizelos spielte den Fall herunter und betonte, die Gespräche seien nicht ausgesetzt worden. Am 14. September gehe es in die nächste Runde. Experten sollten bis dahin bestimmte Daten unter die Lupe nehmen.Während die Regierung in Athen die Probleme mit der Konjunkturflaute begründet, sehen EU, IWF und EZB auch Verzögerungen bei den Reformen und mangelnde Umsetzung, erfuhr Reuters aus dem Umfeld der Troika.Griechenland rechnet einem Regierungsvertreter zufolge 2011 mit einem Defizit von 8,1 bis 8,2 Prozent. Ein Vertreter der Troika sagte: „Das Defizit fällt sicher mindestens einen Prozentpunkt höher aus als das Ziel“. Angepeilt waren 7,6 Prozent. Die Euro-Partner haben inzwischen ein zweites Hilfspaket über rund 109 Mrd. Euro für das Land geschnürt.apa/reuters