<BR />Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland aus Gründen der „nationalen Sicherheit“: Das bekräftigte Donald Trump vor wenigen Tagen einmal mehr und entfachte damit erneut die Debatte um die Arktisinsel. Wie der US-Präsident dieses Ziel erreicht – militärisch oder diplomatisch –, lässt er offen. Laut Außenminister Marco Rubio wollen die USA Dänemark, zu dem die Insel gehört, ein Kaufangebot unterbreiten. Ein Treffen beider Staaten soll bald folgen.<h3> Territorien verkaufen – geht das?</h3>Es wäre nicht das erste Mal, dass die USA Grönland kaufen wollen. Bereits im 19. Jahrhundert brachte der damalige Außenminister William H. Seward – kurz nach dem Kauf Alaskas von Russland 1867 – die Idee ins Spiel, Grönland zu erwerben. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterbreitete US-Präsident Harry Truman 1946 ein Angebot über 100 Millionen US-Dollar in Gold, das Dänemark jedoch ablehnte. Nun startet Trump offenbar erneut einen Versuch. <BR /><BR />Ist das im 21. Jahrhundert aber noch erlaubt? Grundsätzlich ja, sagt Völkerrechtsexperte Peter Hilpold von der Universität Innsbruck. Aber es müsste das Selbstbestimmungsrecht der Völker respektiert werden. Der Verkauf wäre „nur mit Einwilligung sowohl von Dänemark als auch von der grönländischen Bevölkerung möglich“, so Hilpold weiter. „Wie hoch die jeweilige Zustimmungsrate sein müsste, ist offen, aber auf jeden Fall müsste es sich um eine freie, informierte Zustimmung handeln und gegenüber den betreffenden Entscheidungsträgern darf kein Druck irgendwelcher Art ausgeübt werden.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1258824_image" /></div> <BR /><BR />Gegenwärtig sei jedoch nicht absehbar, dass eine solche Zustimmung erzielt werden kann. „Ein Souveränitätswechsel würde damit einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker darstellen“, so die Einschätzung von Hilpold.<BR /><BR />Die Insel steht nicht zum Verkauf, einige Ökonomen haben dennoch versucht, den möglichen Wert der Insel zu bestimmen. So rechnete beispielsweise der frühere US-Notenbank-Ökonom David Barker einen theoretischen Kaufpreis zwischen 12,5 und 77 Milliarden Euro aus.<h3> Militärische Gründe – ein Vorwand</h3>Die größte Insel der Welt ist in mehrfacher Hinsicht für die USA reizvoll. Trump nennt vor allem die strategische Lage. Die Insel liegt zwischen Nordamerika, Europa und Russland – eine Lage, die im Ernstfall militärisch bedeutsam ist, gerade weil Russland seine Präsenz in der Arktis extrem ausbaut. Laut NATO-Angaben besitzt das Land mittlerweile mehr Militärbasen in der Arktis als alle NATO-Partner zusammen.<BR /><BR />Experten sehen die militärische Begründung jedoch eher als Vorwand. Tatsächlich erlaubt ein Abkommen von 1951 den USA bereits weitreichende Rechte, ihre militärische Präsenz auf der Insel auszubauen.<h3> Neue Handelsrouten</h3>Vielmehr ist Grönland wirtschaftlich interessant. Das Klima verändert sich, das Eis zieht sich zurück und damit werden neue See- und Handelswege zugänglich.<BR /><div class="img-embed"><embed id="1258827_image" /></div> <BR /><BR />In den kommenden Jahren könnten sowohl die Nordwest-Passage entlang der kanadischen Küste als auch die Nordost-Passage entlang Russlands für längere Zeit befahrbar sein. Selbst eine Route mitten durch den arktischen Ozean wäre wegen der Eisschmelze in wenigen Jahrzehnten denkbar (siehe Karte). Das würde die Handelsrouten von Asien nach Europa deutlich verkürzen.<h3> Zahlreiche Rohstoffe</h3>Doch das Eis zieht sich auch an Land zurück und legt Rohstoffe und Bodenschätze auf Grönland frei. Öl und Gas, Seltene Erden, Edelmetalle, Nickel, Kupfer oder Uran sollen unter der Eisdecke schlummern.<BR /><BR />Allerdings ist längst nicht alles, was man findet, auch wirtschaftlich verwertbar. Auf der Insel leben gerade einmal 57.000 Menschen, verteilt auf eine Fläche von 2 Millionen Quadratkilometern, von der 80 Prozent weiterhin eisbedeckt sind. Das zeigt zwei Dinge: Erstens fehlen Arbeitskräfte für den Rohstoffabbau, zweitens gibt es praktisch keine Infrastruktur. Bevor man überhaupt mit dem Abbau beginnen könnte, müsste also massiv Kapital investiert werden, um Straßen, Häfen, Energieversorgung und weitere Infrastruktur zu schaffen.