Der Wettlauf zwischen Österreich und der Schweiz ist gestartet. Wem gelingt es als Ersten, eine Anbindung an die Vinschger Bahn über die Grenzen hinweg zu schaffen? Wird es die Bahnverbindung von Mals und Scoul auf schweizerischer Seite oder die neue Reschenbahn zwischen Landeck und Mals sein?<BR /><BR />Von Burgi Pardatscher Abart<BR /><BR />Seit langem geistern verschiedene Ideen rund um Zugverbindungen im Dreiländereck Italien-Österreich-Schweiz in den Köpfen von Politikern und Bürgern herum Eine neue Bahnverbindung in die angrenzende Schweiz ist schon seit Jahren im Gespräch. Dann kam auch noch eine Bahnlinie über den Reschenpass nach Landeck als Variante hinzu. Doch über die Diskussionsphase und erste Studien kam man bisher nicht hinaus.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="619403_image" /></div> <BR />Das hat sich seit dem September vorigen Jahres geändert. Damals unterzeichneten der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher und sein Tiroler Amtskollege Günther Platter, der Präsident der Region Lombardei, Attilio Fontana, sowie der stellvertretende Präsident des Kantons Graubünden, Mario Cavigelli,in Graun eine Absichtserklärung über künftige Zugverbindungen im Dreiländereck. Eine Arbeitsgruppe soll klären, welche Zugverbindungen in Nord-Süd- bzw. Ost-West-Achse möglich sind und welche nicht.Damit war das Wettrennen eröffnet.<h3> Eine Anbindung an die Rhätische Bahn</h3>Für die Schweiz ist eine Anbindung an die Rhätische Bahn in Scuol ausgehend vom Malser Bahnhof angedacht. Dafür sind 2 Varianten im Gespräch: Einmal wird der Berg ab der Ortschaft Schleis direkt in Richtung Scuol untertunnelt, die zweite Variante sieht eine Art kleinen Umweg über Taufers im Münstertal vor. Für die Umsetzung dieser Pläne wären gigantische Summen erforderlich, nämlich zwischen einer und 1,4 Milliarden Euro. <BR /><BR />Dies hatte die Schweiz bisher abgeschreckt. Sie wollte nicht Geld in ein Projekt investierten, von dem sie fürchten musste, dass davon vor allem der Vinschgau und Südtirol profitieren würden. Mit einer direkten Zuganbindung an die Schweiz könnten nämlich vermehrt Schweizer mit dem Zug nach Südtirol kommen und statt in ihrem Heimatland dort ihren Urlaub verbringen.<BR /><BR />Inzwischen hat sich die Meinung der Politik aber geändert, wie ein Vorstoß von 70 Mitgliedern des Graubündner Kantonalparlaments im Dezember 2020 zeigt. Die eidgenössischen Volksvertreter verpflichteten ihre Kantonsregierung, eine 10 Jahre alte Studie zum Zug zu überarbeiten – und die Grauner Grundsatzerklärung zum Ausbau der Dreiländereck-Verbindungen auch ernst zu nehmen. <BR /><div class="img-embed"><embed id="619406_image" /></div> Im Kanton Graubünden werden nämlich mit einer gewissen Sorge die Aktivitäten im Land Tirol beobachtet. Dort wurde die auch von der Süd-Tiroler Freiheit propagierte Verlängerung der Reschenbahn nach Landeck aufgegriffen. Der Tiroler Landtag befasste sich im Dezember 2020 mit einer Studie über die Fertigstellung der Bahnverbindung Mals – Landeck und setzte eine Arbeitsgruppe ein, die sich mit diesem Thema intensiv auseinandersetzen soll. Mit dem Bau der Bahnlinie würden das Obere Gericht und der Obere Vinschgau direkt an internationale Bahnverbindungen angeschlossen und wären somit schnell und autofrei erreichbar. Auch die Anbindung an die Schweiz wäre möglich.<BR /><BR />Apropos Anbindung: Es wäre auch möglich, eine neue Bahntrasse von Scoul nach Landeck zu bauen. Dann wäre allerdings eine Verlängerung der Reschenbahn von Mals nach Landeck überflüssig.<h3> Einen Bahntunnel unter dem Stilfser Joch</h3>Druck kommt aber auch aus der Lombardei. Sie drängt auf eine Verbindung in den Wirtschaftsraum jenseits der Alpen und hat 2015 den Bau eines Bahntunnel unter dem Stilfser Joch ins Gespräch gebracht. Sofort wurde die Befürchtung laut, dass auf dieser künftigen Bahnstrecke auch Schwerverkehr verladen und der Vinschgau mit noch mehr Verkehr belastet werden könnte. Auch die Bedenken, dass statt des Bahntunnels möglicherweise auch ein Straßentunnel gebaut werden könnte, sind nicht zur Gänze ausgeräumt. Nach heftigen Diskussionen ist es in den letzten Jahren um dieses Vorhaben still geworden. <BR /><BR />Möglichkeiten der bahntechnischen Entwicklung im Dreiländereck gibt es viele. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob und welche konkrete Chancen auf Verwirklichung haben oder ob die Euphorie nach der Grauner Erklärung nur ein Strohfeuer war. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />