Für das neue Kabinett stimmten alle größeren Parteien mit Ausnahme der rechtsföderalistischen Lega Nord, die die Rolle der Opposition übernimmt. Die Regierung hatte am Donnerstag bereits die Vertrauensabstimmung im Senat klar gewonnen. Jetzt kann das Krisenkabinett seinen Kurs aufnehmen.Monti für „Demut und Entschlossenheit“ Vor der Abstimmung hatte der 68-jährige Monti dem Abgeordnetenhaus sein Regierungsprogramm vorgestellt. Er will damit für die Eindämmung der Verschuldung arbeiten und die Glaubwürdigkeit des angeschlagenen Italien in Europa wieder herstellen. „Wir stehen vor einer fast unmöglichen Aufgabe, doch wir werden es schaffen“, versicherte Monti. Er und seine Regierung würden mit Demut und Entschlossenheit die Aufgabe übernehmen, Italien aus den Wogen der Krise zu führen.„Italien wird von nun an einen permanenten Betrag zur Lösung der Probleme Europas leisten“, versicherte Monti. Der 68-Jährige wird EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in Brüssel empfangene, außerdem ist ein Treffen mit Angela Merkel und Nicolas Sarkozy geplant. Papst Benedikt XVI. ist am Freitag bereits mit Monti zusammengetroffen. Vor seinem Abflug ins westafrikanische Benin begrüßte Monti den Papst auf dem römischen Flughafen Fiumicino und wechselte mit ihm auf dem Weg zum Flugzeug einige Worte. Berlusconi gibt sich skeptischSilvio Berlusconi erhob Bedenken gegen Montis Team. Die neue Expertenregierung entspreche nicht den „Kriterien der Demokratie“, die vorsähen, dass Kabinette von den Bürgern gewählt seien. „Diese Situation ist eine italienische Erfindung, um eine Antwort auf eine schwierige Situation zu geben“, betonte Berlusconi. Trotzdem werde seine Mitte-rechts-Partei PdL den neuen Premier unterstützen. Die Lega Nord prophezeite Monti eine kurze Amtszeit. „Früher oder später werden sich die Leute ärgern und Monti wird verjagt werden“, meinte Lega-Chef Umberto Bossi.Die Strategie des MinisterpräsidentenHaushaltsdisziplin, Wachstum und Fairness: Auf diesen drei Säulen will der Monti seine wirtschaftspolitische Strategie zum Neubeginn Italiens errichten. Hier die Strategie des Premiers zu deren Bewältigung.SPARPLAN: Neben den milliardenschweren Sparplänen, die die Vorgängerregierung unter Silvio Berlusconi im August und September verabschiedet hat, könnte das Kabinett Monti bis Sommer noch zusätzliche Sparmaßnahmen beschließen.STEUERPOLITIK: Monti will eine schrittweise Reduzierung der Steuerlast vorschlagen. Niedrigere Steuern auf Arbeit und Produktion sollten durch höhere Verbrauchssteuern aufgefangen werden. Zu einer Senkung des Steuerdrucks soll es auch dank eines effizienteren Kampfes gegen Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft kommen. Die Schattenwirtschaft generiere ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts (BIP), warnt Monti.IMMOBILIENSTEUER: Montis Regierung will das System der Immobilienbesteuerung neu überprüfen. Die Steuerlast auf Immobilien sei in Italien im europäischen Vergleich „besonders niedrig“. Die 2008 von seinem Vorgänger Silvio Berlusconi beschlossene Abschaffung der Immobiliensteuer ICI auf die Erstwohnung bezeichnete Monti als eine „italienische Besonderheit, oder gar Anomalie“, was darauf hindeutet, dass der Premier sie bald wieder einführen könnte.PENSIONEN: Der Regierungschef will das Pensionssystem umkrempeln. Obwohl das italienische System laut Monti zu den ausgewogensten in Europa zählt, bestünden weiterhin „ungerechtfertigte Privilegien und ungleiche Behandlungen“.ARBEITSMARKT: Die neue Regierung will Maßnahmen zur Förderung der Frauen- und Jugend-Beschäftigung ergreifen, die in Italien europaweit am niedrigsten ist. Monti will hart durchgreifen, um den stark dualen Arbeitsmarkt zu reformieren. Während Millionen von jungen Arbeitnehmern meist Jobs mit unsicheren oder zeitlich befristeten Arbeitsverträgen nachgehen, profitierten wenige Privilegierte von einem stark abgesicherten System. Monti will neue auf Unternehmensbasis abgeschlossene Verträge fördern, die von rigiden nationalen Kollektivverträgen abweichen können.POLITIK-KOSTEN: Monti kündigte einen scharfen Kampf gegen die Privilegien der Politik an. „Angesichts der von den Bürgern geforderten Opfer sind Kürzungen bei den Kosten der Politik unabwendbar“, meint der Regierungschef.apaMonti plant umfassende Reformen, um den überschuldeten italienischen Staat zu retten. Wer soll die Rechnung zahlen? Stimmen Sie in unserer TED-Umfrage ab.