Freitag, 08. Mai 2020

Gründung der SVP vor 75 Jahren – mit großen Hoffnungen

8. Mai 1945 – ein wichtiger Tag für Südtirols Geschichte: Der Bozner Erich Amonn gründete an diesem Dienstag vor 75 Jahren gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten die Südtiroler Volkspartei. Ein Blick zurück.

Sie waren die ersten 4 Obleute der Südtiroler Volkspartei: Toni Ebner  senior (von links), Gründungsobmann Erich Amonn, Josef Menz-Popp und Otto Guggenberg.
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Sie waren die ersten 4 Obleute der Südtiroler Volkspartei: Toni Ebner senior (von links), Gründungsobmann Erich Amonn, Josef Menz-Popp und Otto Guggenberg. - Foto: © ukn
Am 2. Mai 1945 schwiegen die Waffen in Italien. Die wenige Tage zuvor unterzeichnete Kapitulation der deutschen Streitkräfte trat an diesem Mittwoch in Kraft. Am nächsten Tag übernahm das antifaschistische Comitato di Liberazione Nazionale (CLN) von den Amerikanern die Verwaltung des Landes bis zum Brenner. Am gleichen Tag hissten Carabinieri dort die italienische Fahne. Italien hatte wieder die Regierungsgewalt in Südtirol. Die CLN-Politik war klar: Verbleib Südtirols bei Italien.


5 Tage später reagierte ein Mann, der die nächsten Jahre die Geschichte Südtirols entscheidend mitgestalten sollte: Erich Amonn. Am 8. Mai lud er folgende Vertrauensleute in die Villa Malfér in Gries bei Bozen ein:

Hans Baur, Bruneck
Dr. Toni Ebner, Bozen
Hans Egarter, Meran
Dr. Fritz Führer, Bozen
Hans Gamper, Algund
Alois Pfitscher, St.Leonhard/Pass.
Josef Graber, Reischach/Bruneck
Ludwig Gröbner, Gossensass
Karl Heiß, Pens
Franz Innerhofer-Tanner, Obermais
Sebastian Mair, Pens
Josef Menz-Popp, Marling
Josef Nock, Lana
Dr. Leo von Pretz, Mittewald
Alois Puff, Bozen-Gries
Albert Rieper, Vintl
Franz Strobl, Toblach
Baron Günther von Unterrichter, Sarns/Brixen

Erich Amonn hatte ein Ziel: die Gründung einer Partei der Südtiroler, der Südtiroler Volkspartei ( SVP).

Wer war dieser Erich Amonn?

Und: Was bewegte ihn dazu, mit einigen Gleichgesinnten diesen Schritt zu tun? Erich Amonn wurde am 28. Juni 1896 in Bozen als Sohn einer angesehenen Kaufmannsfamilie geboren. Er diente im Ersten Weltkrieg und führte dann zusammen mit seinem Bruder Walther die bereits 1913 übernommene Firma Amonn (Produktion und Vertrieb von Farben, Handelsbereiche Papier, Hotelbedarf). Anfang 1945 wurde er als „Präsident des Anti-Nazi-Komitees“ geführt.

1948 erläuterte er die Gründe für seine Initiative vom Mai 1945. Er habe sich dazu keineswegs mit der Absicht entschlossen, sich dauernd und ausschließlich der Politik zu widmen, sondern „nur aus dem Grunde, weil im damaligen kritischen Moment des Zusammenbruchs eines unheilvollen Systems die zwingende Notwendigkeit vorlag, unser führerlos gewordenes und infolge der unglücklichen Ereignisse des Jahres 1939 und der folgenden Jahre in sich gespaltenes Volk zu sammeln, es wieder geeint um unsere alte Fahne zu scharen, um dadurch das Bestmögliche aus der gegebenen, sehr undurchsichtigen Situation herauszuholen“.


Die Sammelpartei

Am Ende dieses für Südtirol so wichtigen 8. Mai gab es die neue Partei. Erich Amonn wurde zum Obmann gewählt, der Burggräfler Bauer Josef Menz-Popp, ehemaliger christlichsozialer Landtagsabgeordneter, wurde sein Stellvertreter, der junge Toni Ebner Sekretär. Friedl Volgger stieß sofort nach seiner Rückkehr aus dem Konzentrationslager Dachau dazu und wurde zum Organisationsleiter bestellt.

Die SVP-Gründungsversammlung verabschiedete einvernehmlich 3 programmatische Punkte, nämlich:
1. Nach 25-jähriger Unterdrückung durch Faschismus und Nationalsozialismus den kulturellen, sprachlichen und wirtschaftlichen Rechten der Südtiroler aufgrund demokratischer Grundsätze Geltung zu verschaffen.
2. Zur Ruhe und Ordnung im Lande beizutragen.
3. Seine Vertreter zu ermächtigen – unter Ausschluss aller illegalen Methoden –, den Anspruch des Südtiroler Volkes auf Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes bei den alliierten Mächten zu vertreten.

Zentral war der 3. Punkt, der nichts anderes bedeutete als die Forderung nach Rückkehr Südtirols zu Österreich. Die Parteigründung war die logische Fortsetzung einer bereits in den Kriegsjahren begonnenen diesbezüglichen Tätigkeit der „Dableiber“, allen voran Erich Amonn und Kanonikus Michael Gamper.


1943 wichtiges Treffen am Ritten mit Amonn und Kanonikus Gamper

Nach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 kam auf dem Ritten eine Gruppe Südtiroler Widerstandskämpfer zusammen – u.a. Amonn und Kanonikus Gamper –, um mit Blick auf ein mögliches Ende des Krieges vorbereitende Maßnahmen zu treffen. Beim Einmarsch der Wehrmacht am 9. September wurde Gamper zum Volksfeind Nummer 1 erklärt. Ende Oktober gelang ihm die Flucht nach Florenz, wo er das Memorandum „Südtirol – ein Problem des Friedens“ verfasste, das die Alliierten erreichte und dessen Leitlinien die SVP übernahm.

Von der Gründungsversammlung der Partei gibt es leider kein Protokoll. Es ist allerdings davon auszugehen, dass außer den namentlich genannten Teilnehmern – sämtlich Dableiber – auch ehemalige Optanten teilnahmen. Die Partei sollte und musste die Partei aller Südtiroler sein, es ging um die „Geschlossenheit der Südtiroler“, um gemeinsam die „Bewährungsprobe dieser Übergangszeit“ zu bestehen.


11 Tage nach SVP-Gründung erscheinen die „Dolomiten“ wieder nach zweijähriger Pause

So lauteten denn auch die Kernaussagen eines Aufrufs von Erich Ammon in einem Flugzettel der SVP am 12. Mai. Aufruf und Parteiprogramm konnten erst am 19. Mai in den „Dolomiten“ veröffentlicht werden. An diesem Tag konnte das „Tagblatt der Südtiroler“ zum ersten Mal wieder erschienen.

Primäres Ziel der Südtiroler Volkspartei war es, ihre Organisation zu stabilisieren und auszubauen. „Vor allem mussten wir die Kluft zwischen Dableibern und Optanten schließen,“ erinnerte sich Friedl Volgger 1984. Er und Toni Ebner senior waren mit Fahrrad und Auto rastlos unterwegs, um in den Dörfern Bezirks- und Ortsvertretungen zu bilden.


1. Großkundgebung auf Sigmundskron mit Hauptredner Amonn

Die Forderung nach Selbstbestimmung für Südtirol wurde dabei in den folgenden Wochen und Monaten das entscheidende Ziel der SVP, aber auch des wiedererstandenen Österreich. Machtvolle Demonstrationen in Wien und Innsbruck unterstrichen diese Forderung. Die bis dahin größte Demonstration in der Geschichte Südtirols gab es am 5. Mai 1946 auf Schloss Sigmundskron mit 25.000 Teilnehmern. Hauptredner war Erich Amonn, der die berühmten Worte „Herr mach uns frei“ sprach. 11 Jahre später, im November 1957, sollte noch eine weitere, größere Kundgebung auf Schloss Sigmundskron folgen.

Umso größer war dann die Enttäuschung, als die Alliierten 1946 definitiv die Brennergrenze bestätigten: Südtirol würde bei Italien bleiben. Außenminister Karl Gruber akzeptierte das britische Angebot nach Teilung des Landes, Kanonikus Gamper und Amonn lehnten es massiv ab. Amonn sagte: „Ein tödlicher Schlag.“

(entnommen aus Rolf Steiningers Bericht in den „Dolomiten“ vom 8.5.2020)

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eva/ds