Den Bürgern und Steuerzahlern drohten Verluste in abnormer Höhe, deren Ausmaß nicht exakt abschätzbar sei, aber gewiss nicht unter 500 Mio. Euro liege. Für die Grünen Landtagsabgeordneten Hans Heiss und Riccardo Dello Sbarba geht es um „politische Konsequenzen und einen Kurswechsel der Energiepolitik, wie seit langem gefordert.“Die bisherigen Reaktionen des Landeshauptmanns, von Parteiobmann Theiner, der Landesregierung und großer Teile der Mehrheitspartei verdienten nur das Prädikat erbärmlich.„Es geht dabei nicht um Rücktritte, die gewiss auch notwendig und mittelfristig unaufschiebbar sind. Unerträglich ist aber die Haltung von Regierung und Mehrheit, die politische Verantwortung für den Rechtsbruch von Laimer und Konsorten von sich zu weisen. Auch wenn nichts gewusst wurde, was kaum anzunehmen ist, so wurde dennoch die notwendige Weisungs- und Aufsichtspflicht durch den Landeshauptmann, weitere Mitglieder der Landesregierung und der Parteigremien gröblich verabsäumt. Verantwortung zu tragen bedeutet aber nicht deren Abschiebung oder Delegierung, sondern verlangt genaues Hinsehen, Kontrolle und notfalls entschiedener Einspruch“, betonen die Grünen.Ein Kurswechsel in der Energiepolitik müsse klare Zielsetzungen - z.B. Versorgungssicherheit, Energieeffizienz, Vorteile für die Bürger -, Transparenz in den Verfahren sowie die Beteiligung von Gemeinden und Bürgern bringen. Die Grünen seien dazu bereit, der Mehrheit Vorschläge anzubieten.Interessenkonflikt beseitigenDer „SEL-Skandal“ verlange nach einem Neubeginn der Energiepolitik Südtirols, der die Hauptursache der Krise ausräume: „Den Interessenkonflikt, der in dem Moment entstanden ist, als sich das Land in der Doppelrolle von Entscheidungsinstanz über die Konzessionen und zugleich als Wettbewerbsteilnehmer durch die eigene Landesenergiegesellschaft verfangen hat.“Die Entwicklung zeige, dass die unhaltbare Doppelrolle des Landes das Ziel schwerstens bedrohe, die Ressource Wasser und Energie in öffentlicher Hand zu halten. Es müsse ein neuer öffentlicher Akteur konstituiert werden, der nicht das Land sei. „Dieser Akteur sollte an den Wettbewerben um die Konzessionen teilnehmen und sie dank der Vorlage bester Projekte möglichst gewinnen. Sein Träger können nur die Gemeinden und Bezirksgemeinschaften sein“, so Heiss und Dello Sbarba.Ball an die GemeindenAngesichts des denkbaren Scheiterns der SEL müssten sich die Gemeinden auf schnellstem Wege gemeinsam darauf vorbereiten, die hydroelektrische Erzeugung auf Landesgebiet in eigene Hände zu nehmen. Dies müsse über die Errichtung einer neuen Gesellschaftsform geschehen, welche die erheblichen Kräfte vereine, worüber die Gemeinden bereits jetzt verfügten. „So kann eine Lösung ermittelt werden, um die Vorteile der Stromproduktion gleichmäßig über das Land zu verteilen. Das Land muss aktiv und zwar mit einer angemessenen Gesetzgebung und einem angemessenen Finanzbeitrag diese Rolle der Gemeinden unterstützen. Nur dadurch kann in absehbarer Zeit die Reorganisation des Stromsektors mit klarer Rollenzuteilung erzielt werden.“ Dabei hätte das Land die Aufgabe, entsprechende Gesetze zu verabschieden, Wettbewerbe auszuschreiben, Kriterien festzulegen, die Konzessionen zu vergeben, Zinse zu fixieren und einzuheben, betonen die Landtagsabgeordneten. Den Gemeinden hingegen käme unter dem Dach einer von ihnen errichteten Gesellschaft die Aufgabe zu, die Stromproduktion und ihre Verteilung zu betreiben. Dies auch im Wege einer innovativen und partizipativen Form, wie der Genossenschaftslösung.