Die Erklärung zur Beendigung des Streits zwischen Österreich und Italien, die am 19. Juni 1992 durch die UN-Botschafter beider Republiken vor UN-Generalsekretär Boutros Ghali erfolgte, setzte einen Schlusspunkt unter den seit 1960 anhängigen zwischenstaatlichen Konflikt um Südtirol. „Sie markierte zudem nach mehrjähriger Stagnation einen Durchbruch in der Südtirol-Frage, gegen die seit 1987 verstärkten Zentralisierungsbestrebungen des Staates. In letzter Minute, kurz vor ihrem Aus durch ‚Mani Pulite‘ gab die Regierung Andreotti mit der Zustimmung ein Signal zum Ende des Streits und gestand implizit die internationale Verankerung der Südtirolfrage zu“, so die Grünen.1992 sei auch der Auftakt für die „Dynamische Autonomie“ gekommen. „Die Streitbeilegung ist Ausdruck dafür, dass das Autonomiemodell durch Verhandlungsbereitschaft und stete Anpassung lebendig bleibt und auch nach langer Blockade neu aktiviert werden kann. Der Rückblick auf die Streitbeilegung ermutigt in der aktuellen Situation der Autonomiegefährdung auf staatlicher Ebene und im Inneren Südtirols daher zur Zuversicht und zu einer Politik des langem Atems, vor allem aber zur Wertschätzung der Autonomie trotz ihrer Reformbedürftigkeit“, betonen Hans Heiss und Riccardo Dello Sbarba.Bedauerlich bleibe, dass die Landesregierung und die SVP-Spitze an der Wiener Feierstunde exklusiv teilnehmen, ohne dass die Chance genutzt worden sei, über Parteigrenzen autonomiefreundliche Kräfte hinweg zu dem Anlass zusammen zuführen. „Der Anspruch der Alleinvertretung, den die SVP in Sachen Autonomie erhebt, ist nicht nur längst überholt, sondern ein grundlegender Fehler“, betonen die beiden Landtagsabgeordneten.