Montag, 16. April 2018

Grüne zu Stocker:„Größe und Scheitern liegen eng beisammen“

Am Sonntagabend hat Martha Stocker eine politische Bombe platzen lassen: Sie wird bei den kommenden Landtagswahlen im Herbst nicht mehr kandidieren. Die Grünen regieren mit Betroffenheit.

Die Grünen verabschieden sich von Martha Stocker, die angekündigt hat, im Herbst nicht mehr zu kandidieren.
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Die Grünen verabschieden sich von Martha Stocker, die angekündigt hat, im Herbst nicht mehr zu kandidieren. - Foto: © D

„Der jähe, aber sorgsam geplante Abgang von Landesrätin Martha Stocker macht betroffen: Kaum jemand, der die Vielbeschäftigte in den letzten Wochen in voller Aktivität bestaunte, hätte sich ausgemalt, dass sie im heurigen Herbst der Politik den Rücken kehren würde. Vielmehr wirkte sie so motiviert, dass niemand an ihrem Wiederantritt zweifelte. Ihr unerwarteter Ausstieg sorgt für ein großes Überraschungsmoment, das gewiss auch beabsichtigt war“, schreiben die Landtagsabgeordneten Hans Heiss, Brigitte Foppa und Riccardo Dello Sbarba.

Es bestehe aber auch kein Zweifel daran, dass Martha Stocker bei einem Wiederantritt im Herbst  einen herben Stimmverlust erlitten hätte und deutlich geschwächt worden wäre, so die Grünen weiter.

„Das wollte sie sich als selbstbewusster, ja stolzer Charakter, nicht antun, sodass sie einen Abgang mit erhobenem Haupt vorgezogen hat.“

Landesrätin Stocker hätte 2014 von ihren Vorgänger im Bereich Gesundheit und Soziales ein schweres Erbe übernommen, die anschließenden Herausforderungen wie Gesundheitsreform und Flüchtlingsbewegung hätten die Last ins Ungemessene vergrößert. „An diesen Aufgaben hätten sich die allermeisten Anwärter verhoben, Landesrätin Stocker hat sich diesen Herausforderung im Dienste der Partei gewohnt diszipliniert gestellt, sie hinterlässt aber die zentralen Agenden Gesundheit und Soziales, zumal den Flüchtlingsbereich, als problematische Baustellen.“

Dennoch: die langfristige politische Bilanz von Martha Stocker ist, so die Grünen weiter, mehr als beachtlich. „Sie hat an der Schnittstelle zwischen Frauen- und Sozialpolitik, Bildung, Kultur und Volkstumspolitik nicht nur für ihre Partei Herausragendes geleistet, sondern auch den Übergang von der Ära Magnago (der sie gefördert hat) in die Ära-Post-Durnwalder-Ära (der sie klein zu halten versuchte) begleitet und maßgeblich gestaltet.“

Mit Stockers absehbaren Abgang verliere nicht nur ihre Partei eine zentrale Impulsgeberin. Ihr Abschied sei auch das Signal einer neuen Ära, in der ihre ethisch vielfach entkernte Partei und die Politik nach neuen Werten, Orientierung und Glaubwürdigkeit suchen müssen.

„Aber noch sind Nachrufe verfrüht: Vor Martha Stocker und dem Landtag liegen noch sechs intensive Arbeitsmonate.“

stol

stol