„Dabei sagen die veröffentlichten Zahlen schon rein gar nichts über das Befinden der Sprachgruppen aus, denn sie sind kein Spiegelbild der Südtiroler Gesellschaft“, betonen die Grünen. „Mehrsprachige werden ebenso wenig erfasst wie Anderssprachige. Wir wissen aber – auch wenn niemand diese Zahl hervorheben will – dass ganze 46.426 Personen nicht gezählt worden sind: Entweder weil sie das gar nicht wollten und die Umschläge der Sprachgruppenerhebung nicht abgegeben haben, oder weil sie es nicht durften - weil sie zugewandert sind und von der Volkszählung zwar erfasst wurden, an der Sprachgruppenerhebung aber nicht teilnahmen, da sie noch nicht fünf Jahre lang im Lande ansässig sind.“ Zu diesen gesellten sich noch 5.369 Personen, die ungültige oder leere Erklärungen abgegeben und die 7.625, die sich „anders“ erklärt und einer der Gruppen zugeordnet hätten. „Insgesamt sind es also fast 60.000 Menschen, ca. zwölf Prozent der Bevölkerung, die in der einen oder anderen Weise der statistischen ‚Abbildung‘ der Südtiroler Bevölkerung entschlüpft sind. Sie gehören nicht dazu und ihnen bleibt die herrschende Politik, auch das ‚Heimatrecht‘ schuldig, das über die Zugehörigkeit zu einer Sprachgruppe indirekt ausgedrückt wird. In den letzten zehn Jahren hat sich ihre Zahl praktisch verdoppelt: 2001 waren es etwas über 30.000“, fassen die Grünen zusammen.Am ehesten sagten die Zahlen noch etwas über die Machtverhältnisse im Lande aus – nicht umsonst sei im Vorfeld der Volkszählung um die „Stimmen“ der jeweiligen Sprachgruppen gebuhlt worden. „Die deutsche Sprachgruppe scheint wiederum die mächtigste zu sein, jene, die am meisten Sicherheit vermittelt und der man sich folglich am besten zuordnet. In unseren Augen zeigt dieses Ergebnis deutlich auf, welcher perverse Mechanismus der Erklärung zugrunde liegt: Denn wenn einmal klar ist, dass es am günstigsten ist, ‚deutsch‘ zu sein, dann werden sich immer mehr auch ‚deutsch erklären‘. Damit lässt die Erhebung weiterhin alle Wege offen für Kalkül und Opportunismus.“Über diese Verdrehtheit der ethnischen Zählung und über all jene, die sie weiterhin ausschließe, sei nachzudenken. „Denn die Zahl der Ausgeschlossenen ist in Wirklichkeit die einzige Zahl die im Zunehmen begriffen ist und die uns – ob wir es wollen oder nicht – dazu zwingen wird, ein neues Modell des Zusammenlebens zu entwerfen. Wir Grüne sprechen uns für ein Modell aus, das ein- und nicht ausschließt, das die Verschiedenheiten zulässt und aufwertet und Mehrsprachigkeit anerkennt“, betonten Brigitte Foppa, Sepp Kusstatscher, Riccardo Dello Sbarba und Hans Heiss abschließend.