Mittwoch, 14. Juli 2021

Grüner Pass: In der italienischen Regierung scheiden sich die Geister

Die Parteien der Koalition, die die Regierung des italienischen Premiers Mario Draghi unterstützen, zeigen sich hinsichtlich einer Vorweisungspflicht des grünen Passes uneins.

In der italienischen Regierung scheiden sich zum grünen Pass die Geister.
In der italienischen Regierung scheiden sich zum grünen Pass die Geister. - Foto: © Shutterstock
In der italienischen Regierung herrscht hinsichtlich des grünen Passes eine große Uneinigkeit. Während die Sozialdemokraten (PD/Demokratische Partei) die Einführung der Vorweisungspflicht des Impfzertifikats bei allen öffentlichen Veranstaltungen und in Lokalen nach französischem Vorbild forcieren, wehren sich die Rechtsparteien heftig dagegen.

Vize-Wirtschaftsminister begrüßt französisches Modell

„Mehr Impfungen, mehr Spaß: Die Einführung des grünen Passes für Lokale und Konzerte würde viele Jugendliche zur Impfung bewegen“, betonte der Sozialdemokrat Matteo Ricci.

Vize-Wirtschaftsminister Antonio Misiani begrüßte den Beschluss des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zur Einführung des grünen Passes für Lokale und öffentliche Verkehrsmittel ab dem 1. August. „Die Impfung ist keine freie Wahl, sondern der einzige Weg gegen neue Infektionen und neue Restriktionen“, so Misiani.



Anders sieht die Lage der Chef der Lega, Matteo Salvini. „Impfung, Test oder grüner Pass für den Zugang zu Bars und Restaurants? Das ist unannehmbar“, äußerte Salvini. Diese Ansicht teilt auch Giorgia Meloni, Chefin der oppositionellen Partei „Fratelli d'Italia“.

„Die Idee, den grünen Pass zu nutzen, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, ist schauderhaft. Sie ist der letzte Schritt zur Verwirklichung einer Gesellschaft nach George Orwell. Ein verfassungswidriger Wahnsinn, den wir entschieden ablehnen. Für uns ist die individuelle Freiheit heilig und unangreifbar“, so Meloni.

Widerstand aus der Gastronomie- und Tourismusbranche


Auch die Gastronomie- und Touristikerverbände wehren sich gegen den grünen Pass. „Die Impfkampagne muss unterstützt, gefördert und eventuell beschleunigt werden. Dies ist unsere beste Waffe für eine Rückkehr zur Stabilität in unserem Leben. Lokale haben in den 16 Monaten der Pandemie mehr bezahlt als jeder andere Sektor, sowohl in Bezug auf den verlorenen Umsatz als auch in Bezug auf die Arbeitsplätze. Sie jetzt noch mit dem grünen Pass zu belasten, bedeutet, ihren Neustart zu gefährden“, sagte Roberto Calugi, Generaldirektor des Gastronomieverbands FIPE-Confcommercio.

„Wir denken, dass es in Italien auch aus Gründen des Datenschutzes schwierig ist, dass ein Gastronom oder ein Barkeeper fragen kann, ob jemand geimpft ist oder nicht. Mit unserer Bürokratie und unseren Schutzmaßnahmen glauben wir kaum, dass der grüne Pass noch in diesem Sommer eingeführt werden kann. Lokale müssten dafür zusätzliches Personal einstellen. Die Kontrolle des grünen Passes wäre eine kostspielige Sache, die zu all den Ausgaben hinzukäme, die wir bereits für Schutzausrüstung und Sanitäranlagen haben“, so der Touristikerverband Federturismo.

stol/apa