Dass das Land „im Geld schwimmt“, hört Finanzlandesrat Kompatscher nicht gern – und doch. Umfasste der Landeshaushalt bei Kompatschers Amtsantritt 2013 noch 5,3 Milliarden Euro, so klettert er heuer auf über elf Milliarden Euro. Werden über den Nachtragshaushalt im Regelfall rund 500 Millionen Euro verteilt, so hat der 3. Gesetzgebungsausschuss gestern erstmals einen Nachtragshaushalt von 1,028 Milliarden Euro durchgewunken. <h3> Landeshaushalt seit 2013 mehr als verdoppelt</h3>Dass über eine Milliarde bereitsteht, ist der florierenden Wirtschaft, aber auch den Preissteigerungen geschuldet, von denen das Land mit 90 Prozent am Steueraufkommen profitiert. Erhausungen von über 800 Millionen Euro zeigen, dass Projekte aus dem Vorjahr nicht zeitgerecht umgesetzt wurden. Nun nutzt Kompatscher die vollen Kassen, um Darlehen um 411 Millionen Euro früher zu begleichen.<BR /><BR />Mit dem „Rest“ von über 600 Millionen Euro fließen im Ressort <b>Arno Kompatscher </b>u.a. 51 Millionen an den Bevölkerungsschutz und 22 an den NOI-Techpark. <b>Christian Bianchi</b> investiert in Schutzhütten, während für <b>Daniel Alfreider </b>108 Millionen für Züge und 32 für die Südspange Brixen vorgesehen sind. <b>Hubert Messner</b> erhält 25 Millionen für das Krankenhaus Bozen und Familienberatungsstellen. <b>Luis Walcher</b> streicht 100 Millionen für Gewässerschutz ein. Für das Vorhaben von <b>Magdalena Amhof</b>, Landesangestellten die Abfertigung früher auszuzahlen, gibt es 20 Millionen Euro. <h3> Geld für Abfertigung und Wohnbauförderung</h3>Gut behandelt werden die Damen in der Landesregierung: 45 Millionen gibt es für <b>Rosmarie Pamer </b>zum Ausbau von Nachmittagsbetreuung, Landeskindergeld sowie der Erhöhung der Stundensätze für die Tagesmütter. An <b>Ulli Mair</b> gehen 30 Millionen für die Aufstockung von Beiträgen im Wohnbau. Auch <b>Peter Brunner</b> kann sich über 33 Millionen für die Umweltagentur und die Eishalle Sterzing freuen. Zudem erhält er 12 Millionen für Investitionen im Sport. Relativ bescheiden nehmen sich im Vergleich dazu die Mittel von <b>Philipp Achammer</b> und <b>Marco Galateo</b> für Schule und Kultur aus, wobei hier der große Kostenfaktor Personal über andere Kapitel läuft. <BR /><BR />Oppositionsführer Paul Köllensperger regte an, in guten Zeiten in das Trinkwassernetz zu investieren. Zudem forderte er, angesichts voller Kassen an Steuererleichterungen für Bürger zu denken. „Daran arbeiten wir bereits“, so Kompatscher. Schon jetzt hat Südtirol den niedrigsten regionalen Irpef-Zuschlag in Italien. Für alle Einkommen unter 90.000 Euro sind die ersten 35.000 Euro von der Steuer befreit. Zudem gibt es Freibeträge für Kinder.<h3> IRPEF-Zuschlag soll um einige hundert Euro sinken</h3>„Mit dem Haushaltsgesetz im Dezember werden wir in diesem Bereich weitere Entlastungen für niedrige und mittlere Einkommen einführen“, so Kompatscher. Gedacht wird an die Einführung einer zusätzlichen Stufe bis 60.000 Euro Einkommen. „Viele werden sich einige hundert Euro im Jahr ersparen“, sagt Kompatscher. Zudem sollen die Kinderfreibeträge für alle erhöht werden und die Unterstützung der Senioren treffsicherer werden.<BR /><BR />Der Nachtragshaushalt wurde mit den Stimmen der Mehrheit (Stauder, Deeg, Schuler, Gennaccaro) genehmigt. Die Opposition (Köllensperger, Oberkofler, Leiter Reber, Zimmerhofer) enthielt sich. Oberkofler (Grüne) begründet dies mit den 4,6 Millionen Euro, die das Land bekanntlich berappen muss, weil es solidarisch für Verluste der olympischen Winterspiele mit haftet. Hauptgrund sei die Bobbahn in Cortina. „Ein starkes Stück“, befindet Oberkofler. Der Nachtragshaushalt wird vom 21. bis 23. Juli vom Plenum des Landtags behandelt.