Da haben der österreichische Kanzler Christian Stocker, seine Außenministerin Beate Meinl-Reisinger – beide Neulinge auf dem New Yorker Parkett – und der UNO-erfahrene Bundespräsident Alexander van der Bellen schön geschaut... von Andreas Schwarz<BR /><BR />Und anders als bei krausen Österreich-Beschreibungen in seiner ersten Amtszeit („In Europa haben sie ,Waldstädte. Schauen Sie auf Länder wie Österreich“) hatte er diesmal zumindest teilweise recht: 32 Prozent der Häftlinge in Österreich stammen aus Ländern außerhalb der EU, rechnete „Die Presse“ nach, 19 Prozent sind nicht-österreichische EU-Bürger – also nicht alle sind illegale Migranten.<BR /><BR />Aber das eigentlich Erschreckende ist: Trump hatte auch mit viel anderem in seinem New Yorker Auftritt (teilweise) recht. Oder andersrum: Die USA erleben den wohl einfältigsten, erratischsten und schlechtesten Präsidenten der Neuzeit, den größten Narzissten mit der kleinsten Kenntnis von Geopolitik und Wirtschaft, der gerade massiv dazu beiträgt, dass die Weltordnung zertrümmert wird – aber manchmal liegt der Blender und Selbstverkäufer auch richtig.<BR /><BR />Nein, nicht mit der großspurig verkündeten Beendigung von sieben Kriegen in den ersten sieben Monaten seiner zweiten Amtszeit (und schon gar nicht mit dem bei anderer Gelegenheit erwähnten Krieg zwischen Aserbaidschan und Albanien!); auch nicht mit seiner kompletten Leugnung des Klimawandels (nur über die „völlig verrückte“ grüne Klimapolitik kann man schon auch diskutieren).<BR /><BR />Aber dass die (illegale) Migration gerade dazu führt, dass sich Europa einem epochalen Kulturwandel ausgesetzt sieht, dass naive Vorgaben der (Menschenrechts-)Gerichte Abschiebungen erschweren, dass Integrationsbemühungen bei vielen Muslimen, aber vor allem bei jenen scheitern, die einem Kalifat näher sind als unserem Kulturkreis, und dass Europa das alles mit Sozialleistungen jenseits jeder Vorstellung finanziert und immer noch anlockt – das bringt Europa in eine Schieflage oder, wie Trump es Trump-typisch überspitzt formulierte: „Eure Länder gehen zur Hölle“. <BR /><BR />Oder der Vorwurf, dass Europa mit seinen Energieimporten aus Russland quasi den Angriffskrieg gegen die Ukraine mitfinanziert – tatsächlich haben europäische Unternehmen in den ersten acht Monaten des Jahres mehr als elf Milliarden Euro für Öl und Gas nach Russland überwiesen, das macht laut „Zeit“-Berechnung acht Prozent der russischen Energieexporte aus. Erst Ende 2027 sollen, geht es nach der EU-Kommission, alle Energieimporte aus Russland gestoppt sein. Wenn’s wahr ist.<BR /><BR />Und dass europäische Staaten sich in der größten Bedrohung seit dem Kalten Krieg vor allem mit der Anerkennung Palästinas befassen (und damit im Nachhinein die Hamas für ihr Massaker im Oktober 2023 und das weitere Festhalten israelischer Geiseln belohnen), statt Pflöcke gegen die Drohnen- und Kampfflugzeug-Übergriffe Wladimir Putins auf ihr Territorium einzuschlagen – will das jemand verstehen?<BR /><BR />Noch einmal, um nicht falsch verstanden zu werden: Trump zertrampelt gerade die ohnehin erschütterte Weltordnung. Er zertrümmert (oder versucht es) den freien Welthandel. Er droht und erpresst und verlässt internationale Verträge und Organisationen (wobei seine Kritik an der maßlos überschätzten UNO wieder nachvollziehbar ist). Er ermuntert durch seine Inkompetenz und Schwäche andere, zu tun, was sie wollen (Putin, Netanjahu). Die Welt wird noch viel zu leiden haben, was er an ihr verbricht – und die Amerikaner, um die es ihm angeblich zuerst geht, auch.<BR /><BR />Aber nur weil das so ist, muss man nicht bei den Wahrheiten, die er formuliert, angewidert weghören.