Freitag, 22. April 2022

„Hat die Landesregierung komplett den Bezug zur Realität verloren?“

Der Vorsitzende des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB), Tony Tschenett, schüttelt den Kopf: „Bauern bekommen für die ersten 30 Milchkühe 300 Euro pro Tier ausbezahlt, während der Großteil der Südtiroler Familien trotz der anhaltenden Inflation durch die Finger schaut“, betont er.

Tony Tschenett: „Hat die Landesregierung inzwischen komplett den Bezug zur Realität verloren?“

300 Euro für die ersten 30 Milchkühe pro Betrieb und insgesamt 15 Millionen Euro an finanzieller Unterstützung.
Dies ist das Ergebnis des „Milchtischs“, bei dem über finanzielle Hilfen für die Milchbauern in Südtirol verhandelt wurde.

Wenn der Großteil jener, so Tschenett, nämlich Arbeitnehmer und Rentner, die für das Hauptsteueraufkommen verantwortlich seien – mit der Begründung es seien nicht genug finanzielle Mittel vorhanden – durch den Rost fallen und parallel rund 15 Millionen für die Subventionierung von Kühen gefunden werden – dann mache ihm die Prioritätensetzung Angst, betont der Gewerkschafter in einer Aussendung.

„Das schlägt dem Fass den Boden aus“

„Ich bin eigentlich nicht derjenige, der die verschiedenen Südtiroler Wirtschaftssektoren gegeneinander ausspielt. Aber die Nachricht, dass Bauern für die ersten 30 Milchkühe 300 Euro pro Tier ausbezahlt bekommen, schlägt dem Fass den Boden aus“, so Tschenett.

„In erster Linie deshalb, weil entgegen unseren Forderungen, Arbeitnehmer und den Mittelstand bzgl. der anhaltenden Inflation zu entlasten, keiner unserer Vorschläge angenommen und wir nicht einmal eine Rückmeldung diesbezüglich erhalten haben.“

„Bedürfnisse der Arbeitnehmer und Rentner missachtet“

Nur jene Minderheit, die Bezieher des Beitrages für Wohnungsnebenkosten sind, erhalten eine Einmalzahlung von 500 Euro – eine krasse Minderheit der Bedürftigen. „Hat die Landesregierung inzwischen komplett den Bezug zur Realität verloren, frage ich mich“, so der ASGB-Chef.

Tschenett könne es nicht nachvollziehen, warum die aktuelle Landesregierung derart offensichtlich die Bedürfnisse der Arbeitnehmer und Rentner missachtet: „Stagnationen bei Kollektivvertragsverhandlungen, eine SVP-Arbeitnehmerschaft, die in der Landesregierung vertreten ist, aber immer nur bremst, wenn es um Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst geht – dies ist einer der Gründe, warum nichts weitergeht“, betont er.

Würde der öffentliche Dienst sich seiner Verantwortung – auch gegenüber der Privatwirtschaft – bewusst sein und die Belegschaft gerade in Krisenzeiten ordentlich entlohnen, wäre das Signal ein anderes, sagt Tschenett. Aber der Umstand, dass jeder Bauernbetrieb, der flächendeckend seinen Grund bewirtschaftet, in den Genuss einer Soforthilfe von 300 Euro pro Kuh kommt, weil Energiepreise und Futtermittelkosten im Steigen begriffen sind, sei das ein Zeichen einer falschen Prioritätensetzung.

„Schließlich werden Teuerungen zum Großteil an den Verbraucher – und Arbeitnehmer und Rentner sind die Hauptverbraucher – weitergegeben“, so Tschenett.


stol

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Hermann Zanier
22. April 2022 19:54
Bauern sind halt Bauern. Wenn in einem anderem Betrieb etwas schief läuft, muss der Betrieb selber für den Verlust aufkommen, der Bauern muss nur einmal husten, dann rennen die Politiker
Hermann Zanier
22. April 2022 20:00
Hallo Zensur! Darf nichts sagen, was den Bauern misfallen könnte?
Eines werde ich noch sagen dürfen: der langweilige Anblick des Etschtals mit der Apfel-Monokultur kann auch nur einem Banausen gefallen. Es wäre besser, wenn man nicht nur ungeniessbare Äpfel herstellen würde, im Geschmack kaum von den Erdäpfeln zu unterscheiden.