Die Bedeutung eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Arzt und Patient hat sich mir im Laufe meiner über 40-jährigen Tätigkeit als Hausarzt immer wieder bestätigt und gefestigt. Dieses Vertrauen ist ein tragender Pfeiler der medizinischen Versorgung – gerade in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz zunehmend Leitlinien vorschlägt und Patienten mit einer Flut an Informationen konfrontiert werden, oft auch von selbsternannten ,Experten'.<h3> „Manche jammern ohne zu leiden, andere leiden ohne zu jammern“</h3>Es gilt, global zu denken und lokal zu handeln. Entscheidungen über die gesundheitliche Versorgung sollten gut durchdacht und im Dialog mit dem Hausarzt getroffen werden – jener Person, die die lokalen Gegebenheiten kennt und die Ressourcen vor Ort gezielt einsetzen kann. Andernfalls entstehen leicht falsche Erwartungen oder, schlimmer<BR />noch, ein verzerrtes Bild des Krankheitsgeschehens.<BR /><BR />Patientinnen und Patienten können ihre Symptome nicht immer klar einordnen oder beschreiben. Der Hausarzt, der die Sprache und die kulturellen Hintergründe seiner Patientinnen und Patienten kennt, kann hier differenziert und verantwortungsvoll handeln. Wie es ein altes Sprichwort treffend formuliert: ,Manche jammern ohne zu<BR />leiden, andere leiden ohne zu jammern.'<h3> „Mit großer Sorge beobachte ich die aktuelle Entwicklung im Krankenhaus Sterzing“</h3>Als Hausarzt schätze ich die zahlreichen Gesundheitsangebote des Südtiroler Sanitätsbetriebs sehr. Unsere Region verfügt über eine solide hausärztliche Versorgung, die sich bewährt hat. Der freiberufliche Status bietet dabei entscheidende Vorteile: Er ermöglicht maximale Bewegungsfreiheit und erlaubt es, bei erkannter Notwendigkeit<BR />auch intensive Zeitinvestitionen zu leisten – aus Überzeugung und im Sinne der Patientinnen und Patienten.<BR /><BR />Mit großer Sorge beobachte ich zudem die aktuelle Entwicklung im Krankenhaus Sterzing. Die Entscheidung, den dort tätigen Pädiatern mit einem Federstrich sämtliche Zuständigkeit für Kinder der Grundversorgung im Alter von 0 bis 6 Jahren zu entziehen und diese einem externen Kinderarzt zu übertragen, ist für viele Kolleginnen und Kollegen ein Schock. Diese Maßnahme ignoriert nicht nur die langjährige Erfahrung der dort tätigen Fachärzte, sondern auch bereits angedachte Projekte wie das Mutter-Kind-Zentrum, das eine integrative und wohnortnahe Versorgung zum Ziel hatte. <h3> „Ein schwerwiegender Einschnitt in die Stabilität unseres Gesundheitssystems“</h3>Besonders alarmierend ist auch die Tatsache, dass zunehmend jüngere Hausärztinnen und Hausärzte einen Berufswechsel in Erwägung ziehen. Viele von ihnen sind hervorragend ausgebildete Fachkräfte, die mit Engagement und Innovationskraft zur Versorgung beitragen. Ihr Verlust wäre ein weiterer schwerwiegender Einschnitt in die Stabilität unseres Gesundheitssystems.