Dienstag, 28. Juli 2015

Hausärzte: Top und Flop des Übergangsvertrages

Er ist unter Dach und Fach. Die Rede ist vom Übergangsvertrag für die Südtiroler Allgemeinmediziner. Dem vorangegangen waren ja Protest der Hausärzte und die Drohung, den Wochenenddienst zu boykottieren. Nun ist vorerst eine Einigung gelungen. Doch nach den Verhandlungen zum Übergangsvertrag ist vor den Verhandlungen zum Landeszusatzvertrag.

Der Übergangsvertrag sieht Förderungen für Jungärzte vor.
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Der Übergangsvertrag sieht Förderungen für Jungärzte vor. - Foto: © shutterstock

Landesrätin Martha Stocker informierte am Dienstag die Landesregierung über den Abschluss der Verhandlungen mit den Vertretern der Ärztegewerkschaften. In diesem Zusammenhang hatte es im Vorfeld Proteste der Hausärzte gegeben (STOL hat berichtet). Aufgrund von Anpassungen an staatliche Vorgaben, waren die Allgemeinmediziner auf die Barrikaden gegangen. 

Ärzte sollen nicht weniger verdienen 

Der Übergangsvertrag wurde also notwendig, weil das Kassationsgericht beschlossen hatte, dass das Land Südtirol den Staatsvertrag anwenden muss. Dieser regelt unter anderem das Gehalt der Ärzte: "Und es soll nicht sein, dass Ärzte nun 30 Prozent weniger verdienen", sagte Stocker bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung der Landesregierung. 

Nichts geändert werden konnte an der vom Staat auferlegten Beschränkung von 1500 Patienten pro Arzt. "Aber dort, wo sich keine neuen Ärzte ansiedeln, können die bisherigen Patientenzahlen beibehalten werden.

In Orten, wo allerdings junge, neue Ärzte den Dienst aufnehmen, gilt die Beschränkung auf 1500 Patienten", erläuterte die Landesrätin.

Darf ein Hausarzt  ein Notarzt sein?

Im Bezug auf Notarztdienste werde der Übergang nicht ganz reibungslos verlaufen, kündigte Stocker an. Derzeit übernehmen die Hausärzte etwa im Pustertal, in Gröden und im Vinschgau teils Notarztdienste.

"Der Staatsvertrag sieht vor, dass ein Komitee auf Landesebene und ein Komitee des Gesundheitsbetriebs erst darüber befinden müssen, ob die Ärzte diese Dienste weiter anbieten dürfen", so die Landesrätin. "Ich habe bereits den Auftrag erteilt, dass sich diese Komitees so rasch wie möglich zusammensetzen. Es ist damit zu rechnen, dass diese Regelung noch innerhalb September erfolgt", kündigte die Landesrätin an.

Unterstützung für Jungmediziner

Der Vertrag sieht zudem die Unterstützung junger Allgemeinmediziner in der Aufnahme ihrer Tätigkeit vor. "Aufgrund der demographischen Entwicklung müssen wir mit einem wachsenden Bedarf an medizinischen Leistungen rechnen", so Landesrätin Stocker.

 Angesichts des fehlenden Nachwuchses an vertragsgebundenen Hausärzten gelte es durch gezielte Maßnahmen rechtzeitig gegenzusteuern und junge Allgemeinmediziner zu fördern. Deshalb werde es auch weiterhin einen entsprechenden Landesfonds geben, der zu 50 Prozent für die Förderung innovativer Projekte gedacht ist. "20 Prozent davon sind Jungärzten vorbehalten", sagte die Landesrätin.

Nach den Verhandlungen ist vor den Verhandlungen

Der Übergangsvertrag gilt nun, bis ein neuer Landeszusatzvertrag ausgearbeitet und unterzeichnet ist. Die Allgemeinmediziner hoffen immer noch, dass dies bereits bis zum Herbst der Fall sein soll. Die Verhandlungen werden aber nicht einfach. Denn am Übergangsvertrag wurde zwar gefeilt, die Hausärzte haben aber nur vorerst kleinbeigegeben.

"Für den folgenden Landeszusatzvertrag sind die Allgemeinmediziner bereit, sich wieder aktiv einzubringen", sagte Adolf Engl, Präsident der Südtiroler Akademie für Allgemeinmedizin (SAKAM) gegenüber STOL (STOL hat berichtet).

stol/lpa/ker

stol