Dienstag, 03. Mai 2016

Heiße Tage am Brenner: "Demos sind größtes Problem"

Es passiert dieser Tage sehr viel in und um seiner Gemeinde, das Franz Kompatscher weder kontrollieren noch beeinflussen kann. Das angekündigte Grenzmanagement besorgt den Bürgermeister dabei nur am Rande. Die größten Sorgen beginnen mit Ende der Woche.

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Die Wochenenden am Brenner haben mit Erholung nichts gemein: Seit Wochen dient die Gemeinde als Kulisse für Protestkundgebungen. Gegen den Zaun, gegen Grenzen, für ein vereintes Europa. Am Brenner wird derzeit gegen und für vieles demonstriert. Meist beginnen die Proteste harmlos, manchmal arten sie aus. Wiederholt kam es am Brenner letzthin zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Wochenenden am Brenner, begleitet von Schlagstöcke und Pfefferspray.

Im Video die Demonstrationen vom 3. April: 

Am Samstag wieder Demo am Brenner

Am Samstag wollen die Demonstranten wieder ihre Geschütze am Brenner auffahren: Sie rufen zu einer Demonstration gegen die Einführung der Grenzkontrollen am Brenner – oder zum „Tag des Kampfes“, wie es im Internet heißt. Man wolle „Grenzen niederschlagen“, schreiben die Veranstalter auf das schwarz-rot-weiße Plakat zur Demo. Die Organisatoren mobilisieren online, auf fünf verschiedenen Sprachen. Abbattere le frontiere. Destroy the borders. Gegen Grenzen, gegen Zäune. ?? ??????? ?? S?????. Détruire les frontières.

„Demonstrationen sind unser größtes Problem“

Wenn Franz Kompatscher an das kommende Wochenende denkt, tut er es mit Unbehagen. Er spricht von den Veranstaltern der Demonstration als „einer nicht ganz koscheren Gruppe“. Schon einiges habe er über die sozialen Medien mitbekommen. Genaueres wisse man freilich noch nicht, dazu müsse die Demonstration erst angemeldet werden. Trotzdem stellt Kompatscher ganz klar fest: „Die andauernden Demonstrationen sind derzeit unser größtes Problem.“

Franz Kompatscher, Bürgermeister von Brenner - Foto: DLife

 

Kommen die Demonstranten, gehen die Kunden

Der Bürgermeister erklärt, warum: Die Demonstranten ruinierten die besten Geschäftstage. „Am Wochenende macht der Brenner normalerweise die besten Geschäfte. Die Demonstranten aber legen den Brenner komplett lahm“, sagt er. Ist eine Demo am Brenner angesagt, kämen ohnehin weniger Menschen zum Einkaufen. Und die wenigen, die trotzdem kommen, würden von den Demonstranten in ihrem Vorhaben blockiert.

Foto: APA

 

Dass die nächste Grenz-Demonstration auf den kommenden Samstag fällt, ärgert Bürgermeister Kompatscher noch einmal mehr. Am 5. Mai wird in Deutschland und Österreich Christi Himmelfahrt gefeiert. Viele Menschen haben frei, starten in den Kurzurlaub – gerne auch nach Südtirol oder etwas weiter südlich. Ein verlängertes Wochenende – normalerweise quasi eine Garantie für gute Einnahmen am Brenner. Doch mit einer Demonstration wird daraus wohl nichts.

Kaufleute wollen sich wehren

Nicht ohne Grund haben sich am Montagabend die Kaufleute am Brenner zusammengesetzt. „Wenn es wirklich so weitergeht, werden wir auch protestieren“, kündigt Kompatscher an. „Dann allerdings auf der Autobahn.“

Der Bürgermeister ist, gleich wie der Landeshauptmann, für ein Demonstrationsverbot am Brenner. Und wenn das nicht gehe, sagt Kompatscher, dann sollten die Kundgebungen zumindest nicht die Zufahrt zum Brenner und das Leben im Dorf behindern. „Wir haben schon viele Demonstrationen erlebt, die uns überhaupt keinen Schaden zugefügt haben“, erinnert sich der Bürgermeister. „Als die Coldiretti auf dem Parkplatz der Autobahn demonstriert hat, war das sogar positiv – denn die haben am Brenner etwas konsumiert.“

stol/pg

stol