„Wir müssen darüber nachdenken, warum und wie dies geschehen ist.“ Manche hätten geglaubt, die Marke ANO bedeute einen sicheren Sieg. Die Teilsenatswahlen bestätigten außerdem, dass die konservative Demokratische Bürgerpartei (ODS) nach und nach ihre Position als ehemals stärkste oppositionelle Partei zugunsten der Bürgermeisterpartei (STAN) verliert. STAN war nach dem vorläufigen Endergebnis Sieger. Die Partei errang in beiden Wahlrunden zehn der 27 freiwerdenden Mandate.<BR /><BR />Die Bürgerdemokraten (ODS) holten sieben, die Christdemokraten (KDU-CSL) drei und die rechtsliberale TOP09 zwei Sitze. Der Rest entfiel auf kleinere Parteien. „Die Regierung hat diese Wahlen, salopp gesagt, total in den Sand gesetzt - ein unglaubliches Debakel“, jubelte der TOP09-Vorsitzende Matěj Ondřej Havel. Die zwei kleineren Regierungsparteien - die Motoristen von Außenminister Petr Macinka und Freiheit und direkte Demokratie (SPD) von Unterhauschef Tomio Okamura - haben keine Vertreter im Senat.<BR /><BR />Nach Einschätzung von Politologen hat sich einmal mehr gezeigt, dass die ANO bei der stark auf Persönlichkeiten fokussierten Senatswahl keine glückliche Hand hat - oder vereinfacht gesagt: „Die ANO kann Senat nicht.“ Unter den siegreichen Oppositionskandidaten waren hingegen der Ex-Generalstabschef Karel Řehka, der Soziologe Zdeněk Papoušek und der Theaterintendant Petr Kazík.<BR /><BR />Die Regierung aus der rechtspopulistischen ANO von Babiš und den zwei Parteien am rechten Rand hatte zuletzt ein neues Beamtengesetz durchs Parlament gebracht. Gegner der Novelle bemängeln, dass sie die Entlassung unliebsamer Staatsbediensteter erleichtert. Kritiker werfen Babiš zudem vor, als Politiker und Gründer eines weit verzweigten Firmengeflechts, das von Subventionen profitiert, in einem ständigen Interessenskonflikt zu stehen.<BR /><BR />Alle zwei Jahre wird nur ein Drittel der 81 Mandate im Senat neu vergeben. Fünf Kandidaten waren schon in der ersten Runde erfolgreich, indem sie über 50 Prozent der Stimmen erhalten haben. Die Beteiligung in der Stichwahl-Runde fiel wie erwartet mit 21,1 Prozent der Stimmberechtigten gering aus. Der Senat, das Oberhaus des Parlaments, kann Gesetzesänderungen verzögern und Verfassungsänderungen verhindern.