<b>Von Andreas Schwarz</b><BR /><BR />Der Chef der rechtspopulistischen FPÖ liegt zwar in allen Umfragen beständig vor ÖVP und SPÖ. Aber es gibt nicht wenige Polit-Beobachter, die dennoch glauben, dass die Kanzlerpartei mit Karl Nehammer nicht zuletzt aufgrund ihrer scharfen Kante in der Sicherheitsdebatte nach dem verhinderten Attentat auf ein Taylor-Swift-Konzert in Wien am Ende doch noch die Nase vorne haben könnte.<BR /><BR />Also tut Kickl, was er am besten kann: provozieren. Die jüngste Plakatwelle mit „Euer Wille geschehe“ brachte Vertreter der katholischen Kirche in Rage, weil sich der FPÖ-Chef anmaßt, die Wörter aus dem „Vater unser“ zu entleihen; sein Versprechen, „Volkskanzler“ zu werden, spielt wiederum mit einem Begriff, den zuletzt Adolf Hitler trug – das freut den rechtsrechten Rand. <BR /><BR />Zuletzt stellte Kickl in Zeitungsinterviews in den Raum, dass die Todesstrafe durch einen Volksentscheid durchaus wieder eingeführt werden könnte, auch wenn er selbst ein Gegner der Todesstrafe sei – der FPÖ-Chef wollte damit darauf hinweisen, dass unter einem Kanzler Kickl viel mehr vom Volk direkt entschieden würde, und provozierte mit der Todesstrafe absichtlich. Quer durch die anderen Parteien schallt Kickl heftiger Widerspruch entgegen (nicht nur, weil Österreich bei Einführung der Todesstrafe aus der EU austreten müsste).<BR /><Zwischentitel><h3>Zwist mit Van der Bellen</h3></Zwischentitel><BR />Und dann ist da noch der alte Zwist Kickls mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen: Wenn dieser ihn im Falle eines Wahlsieges nicht mit der Regierungsbildung beauftrage bzw. im Falle eines Zustandekommens einer Koalition als Kanzler angelobe, begehe Van der Bellen Verfassungsbruch, behauptet Kickl. Das stimmt so definitiv nicht, sagen Verfassungsrechtler dazu. <BR /><BR />Der Bundespräsident kann statt eines Regierungsbildungsauftrages nach der Wahl zunächst einmal sogenannte „Sondierungsgespräche“ in Auftrag geben und, wenn Kickl als allfälliger Wahlerster dann keine Koalition zustande bringt, den nächsten beauftragen; theoretisch könnte der Präsident auch buchstäblich irgendwen zum Kanzler ernennen, und der muss ihm dann eine Regierung präsentieren (im Idealfall ist der Ernannte also ein chancenreicher Politiker). Kickl provoziert also ganz bewusst den in der Bevölkerung durchaus angesehenen Ex-Grünen Van der Bellen, den er auch schon „senil“ und „Mumie“ genannt hat. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1068636_image" /></div> <BR /><BR />Warum tut er das, der gleichzeitg plakatiert „Dein Herz sagt ja“, also auch auf weiche Emotion nach den harten Kickl-Keifjahren setzt? Die Antwort: Weil ihm die Aufmerksamkeitshoheit zu entgleiten droht, sagen die einen – andere Themen als das ständige Kickl-Bashen, das ja einen Märtyrer-Effekt bewirken kann, stehen im Wahlkampf plötzlich im Vordergrund. Kickl braucht mediale Präsenz.<BR /><BR />Andere hingegen meinen, Kickl will gar nicht Kanzler werden. Weil sich ohnehin alle Parteien einer Koalition mit ihm verweigern würden, will er gleich festmachen, nicht in Regierungsverantwortung zu kommen – um dann, wenn etwa eine Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS die Geschäfte übernimmt, von der Outlinie weiter Opposition machen und bis zum nächsten Mal noch stärker werden zu können. Das ist allerdings eine sehr kühne These von Kommentatoren, die in trüben Wahlkampfsuppen rühren.