Donnerstag, 02. Mai 2019

Herdenschutz: Bauern bleiben auf 2 Drittel der Kosten sitzen

Für Herdenschutz, heißt es landläufig, bekommen Bauern reichlich finanzielle Unterstützung. Die Realität ist jedoch eine andere, wie eine Berechnung der Bauernbund-Ortsgruppe Villanders zeigt. Die Förderung des Amtes für Jagd und Fischerei deckt demnach weniger als ein Drittel der tatsächlichen Kosten für das Aufstellen von Zäunen. „Gar keine Förderung gibt es für Hirten und Hunde“, sagt Ortsobmann Konrad Senn.

Der Wolf bereitet vielen Bauern schlaflose Nächte.
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Der Wolf bereitet vielen Bauern schlaflose Nächte. - Foto: © shutterstock

Die Bauernbund-Ortsgruppe beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Herdenschutz auf der Villanderer Alm. Rund 150 Rinder ansässiger Bauern weiden dort im Sommer auf einer Gemeinschaftsalm. Um die Tiere vor Wolfsangriffen zu schützen, müssten 4 Koppeln errichtet und die Tiere dort über Nacht untergebracht werden. Für die Koppeln wären 537 Meter Elektrozaun notwendig.

9459 Euro pro Jahr

„Für Zaun, Stromgerät und anderes Material sind Spesen in Höhe von 5488 Euro fällig“, erklärt Ortsobmann Senn. Zudem müssen die Tiere jeden Tag in die Koppeln ein- und ausgetrieben werden. Damit der Almboden durch die vielen Tierbewegungen nicht geschädigt wird, müssen die Zäune alle 14 Tage abgebaut und an einem anderen Ort aufgestellt werden. „Rechnet man Arbeitsaufwand und Materialspesen zusammen, belaufen sich unsere Kosten aufs Jahr gerechnet auf insgesamt 9459 Euro“, so Senn.

Konrad Senn, Ortsobmann

Enttäuschung über geringe Unterstützung

Das Amt für Jagd und Fischerei erkenne aber nur maximal acht Euro pro Laufmeter Zaun an. „In unserem Fall würden wir einmalig rund 3000 Euro bekommen. Das deckt nicht einmal ein Drittel unserer jährlichen Spesen.“ Der Ortsobmann ist über die geringe Unterstützung enttäuscht. Hinzu komme, dass die Kosten für den Arbeitsaufwand jedes Jahr fällig sind, der Förderbetrag des Landes aber nur einmalig ausbezahlt wird. Kosten für Hirten und Herdenhunde werden überhaupt nicht anerkannt. Weiterer Wehrmutstropfen der Landesförderung: Unterstützt werden nur Zäune auf Almen. Wer hingegen seine Herde auf Wiesen in Talnähe schützen will, geht leer aus.

„Beitrag reicht hinten und vorne nicht“

Der Ortsobmann fordert die öffentliche Hand auf, mehr Verantwortung für den Herdenschutz zu übernehmen. „Der Staat setzt uns Wölfe vor die Nase und verbietet uns deren Regulierung. Die öffentliche Hand sollte konsequent sein und den Herdenschutz übernehmen. Stattdessen überlässt sie das den Bauern und fertigt sie mit einem Beitrag ab, der hinten und vorne nicht reicht und gängige Maßnahmen wie Hirten und Hunde erst gar nicht vorsieht!“

Der Ortsobmann betont, dass seine Kritik sich nicht an die zuständigen Mitarbeiter der Ämter und Forstbehörde richtet. „Viele sind sehr kooperativ, verstehen die Probleme der Bauern und wollen uns bestmöglich unterstützen. Aber wir haben das Gefühl, dass wir Almbauern das ausbaden müssen, was die öffentliche Hand mit ihrer Wolfspolitik anrichtet.“

stol

 

stol