Donnerstag, 18. Januar 2018

Herdenschutzmaßnahmen: Land zahlt

Am Donnerstag hat der Südtiroler Landtag den Beschlussantrag zur Übernahme der Kosten für Herdenschutzmaßnahmen durch die öffentliche Hand genehmigt. Der Antrag wurde mit 24 Ja, 1 Nein und 6 Enthaltungen angenommen.

Die Öffentliche Hand bezahlt nun die Herdenschutzmaßnahmen zu Hundert Prozent. Im Bild: Von Wolf gerissenes Schaf auf der Seiser Alm im August 2016
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Die Öffentliche Hand bezahlt nun die Herdenschutzmaßnahmen zu Hundert Prozent. Im Bild: Von Wolf gerissenes Schaf auf der Seiser Alm im August 2016

In den vergangenen Monaten haben Wölfe immer wieder Schafe und Ziegen gerissen – auf der Seiser Alm, in Ulten, bei Taufers im Münstertal und wie berichtet nun auch in Lana. Auch der Bär breitet sich in Südtirol weiter aus und es kommt zu unliebsamen und gefährlichen Begegnungen. Nach Lösungen wurde hängeringend gesucht.

Am Donnerstag nun hat der Landtag beschlossen, dass die öffentliche Hand die Kosten für Herdenschutzmaßnahmen in Form von Pilotprojekten bereits für 2018 vollständig trägt, also die Investitionskosten, die Instandhaltungskosten und die operativen Kosten. 

“Es ist allseits bekannt, dass die Rückkehr von Wolf und Bär die Nutztiere gefährdet”, bemerkte Josef Noggler von der SVP. “Nun wird von den Bauern auch noch eingefordert, dass sie die Herdenschutzmaßnahmen ergreifen müssten, um das Risiko für die Haus- und Nutztiere zu minimieren. Der diesbezügliche Aufwand wird dabei unterschätzt. 

Bauern sollen nicht die Kosten für Herdenschutz tragen

Angesichts der bereits bestehenden strukturellen Nachteile, die im Vergleich zu Gunstlagen bestehen, und aufgrund der Globalisierung der landwirtschaftlichen Märkte, kann die Berglandwirtschaft nämlich nicht auch noch die Kosten für den Herdenschutz tragen. Es ist jetzt schon so, dass die historischen Bewirtschaftungsformen aufgrund ideeller Werte seitens der Bauern durchgeführt werden.”, so Noggler.

Öffentliche Hand zahlt derzeit maximal 70 Prozent der Kosten

Riccardo Dello Sbarba(Grüne) wies darauf hin, dass die öffentliche Hand derzeit maximal 70 Prozent der Kosten zahlt. Laut Auskunft von Landesrat Schuler wurden die vom Land kostenlos bereitgestellten Elektrozäune nur von einem Viehhalter aus dem Veneto in Anspruch genommen. Anscheinend rate der Bauernbund von dieser Lösung ab, weil man auf ein wolf- und bärenfreies Südtirol setze, was gar nicht möglich sei. Dello Sbarba freute sich nun über diese Kehrtwende.

Kostenübernahme nicht gerecht

Alessandro Urzì (L’Alto Adige nel cuore) fand eine hundertprozentige Kostenübernahme für nicht gerecht gegenüber anderen Unternehmen. Auch andere Unternehmen hätten oft Anpassungen nötig, um den Betrieb zu erhalten, könnten aber nicht mit einer solchen Unterstützung rechnen. Manche Betriebe in gefährdeten Zonen der Stadt müssten etwa Sicherheitsanlagen installieren.

Knoll enthält sich

Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) kündigte Enthaltung an. Es seien Scheinmaßnahmen und keine Lösungen, außerdem werde nicht gesagt, um welche Pilotprojekte es gehe. Die heutige Nachricht vom Wolf in Lana zeige, dass man das Problem nicht mit Zäunen lösen könne. Er gab auch Urzì recht, der von einer Ungleichbehandlung gesprochen habe.

Kleine umzäunte Flächen für die Nacht

Brigitte Foppa von den Grünen wandte sich gegen das Vorurteil, dass Städter nichts von der Sache verstünden und nicht dreinreden sollten. Auch sie hätten ein Recht auf eine Meinung zur Biodiversität. Es sollte zur demokratischen Fairness gehören, dass man alle Meinungen zulässt.

Hans Heiss (Grüne) verteidigte wie Foppa das Recht der Städter auf eine Meinung zum Thema. Er begrüßte den Vorstoß für Herdenschutzmaßnahmen, die in der Schweiz bereits Erfolge zeigten. Es gehe nicht darum, ganze Almen zu umzäunen, es genügten kleine umzäunte Flächen für die Nacht. Das sei ein Aufwand, den man auch vergelten müsse. 

Bär und Wolf gehören nicht zu Südtirol

Oswald Schiefer (SVP) meinte, dass Bär und Wolf eigentlich nicht zu Südtirol gehörten. Sie seien vor allem für die Bergbauern schädlich, aber auch für andere Bewohner der Bergdörfer. Er hoffe, dass die Verhandlungen mit Rom zum Erfolg führten. In Erwartung dieses Abkommens sei der Weg über die vorgeschlagenen Pilotprojekte sinnvoll.
Der Landtag zeige sich heute als Spiegelbild der Gesellschaft, meinte Landesrat Arnold Schuler, vor allem über emotionale Themen werde heftig diskutiert.

Großraubtiermanagement bedeute nicht Ausrottung, es bedeute aber auch nicht, den Dingen ihren Lauf zu lassen. In Italien diskutiere man seit 2013 über einen Managementplan, aber ohne Erfolg, da der Druck der Tierschützer enorm sei und die Berglandwirtschaft nur schwach vertreten sei.

Ein Managementplan müsse auch eine Entnahme klar regeln

In Italien sei derzeit nur die Prävention möglich, und die sei in alpinen Gebieten nicht leicht. Südtirol sei hier durch seine Vielzahl an bewirtschafteten Almen - 1300 - eine Besonderheit. Es werde auch nicht leicht sein, die Tierhalter von den Schutzmaßnahmen zu überzeugen, so Schuler.

Der Vergleich mit Betrieben in der Stadt hinke. Dass die Almen noch bewirtschaftet werden, sei auch im Interesse der Allgemeinheit und der Umwelt. Im Bellunesischen z.B., wo sich die Natur die Flächen zurückhole, gehe auch die Artenvielfalt zurück.

stol

stol