Laut Auskunft der Landesregierung gab es in Südtirol in den vergangenen 18 Monaten an die 40 Hubschrauberrundflüge. Kann das stimmen?<BR /><BR /><b>In letzter Zeit wird in Südtirol immer häufiger über Hubschrauberrundflüge in den Bergen diskutiert. Was sagen Sie zu diesem Thema?</b><BR />Manfred Pinzger: Es ist vor allem im Dolomitenraum ein Thema. Grundsätzlich werden wir uns angesichts einer touristisch nachhaltigen Entwicklung anpassen müssen. Wir müssen uns überlegen, was ist vertretbar und was nicht.<BR /><BR /><b> Sie würden also nicht sagen, dass diese Rundflüge schädlich für den Tourismus sind?</b><BR />Pinzger: Schädlich nicht. Man muss abwägen. Es gibt gesetzliche Bestimmungen, die einzuhalten sind. Man sollte aber trotzdem überlegen, was unbedingt sein muss, im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Ich bin schon der Meinung, man müsste versuchen, ein bisschen zurückzufahren.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="797024_image" /></div> <BR /><b> Riskieren wir nicht, wenn es so weitergeht, dass die Dolomiten wie Disneyland werden? Die „Reichen“ können die Berge von oben genießen und die „Armen“ müssen den Lärm aushalten.</b><BR />Pinzger: Ich sehe das mit arm und reich nicht so. Prinzipiell müssen wir aber schon genauer hinschauen. Es ist ja schon reglementiert. Man sollte die Sache aber mit ein wenig Vernunft angehen. Es kann nicht sein, dass man es immer ausreizt. Wir haben das Problem, dass die Dolomiten auf 3 Provinzen liegen, wo die Reglungen anders sind. Das ergibt keinen Sinn. Man müsste sich das provinzübergreifend anschauen und sich fragen, was verträglich ist.<BR /><BR /><b> Sollte die Politik mehr regeln und neue Gesetze erlassen?</b><BR />Pinzger: Wenn es ausartet, schon. Wir müssen uns schon bewusst sein, dass Leute sehr sensibel sind. Es geht um die Ruhe am Berg. Und wir müssen dem Trend, einen sensiblen, nachhaltigen Tourismus zu entwickeln, gerecht werden. Es ist für den Tourismus nicht dienlich, wenn es ausartet. Es wird niemand sterben, wenn eine minimale Bewegung ist, aber wenn es ausartet, müssen wir es besser regeln.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55495937_quote" /><BR /><BR /><b> Was heißt ausarten?</b><BR />Pinzger: Ich lebe nicht in den Dolomiten. Ich lese nur und kann nicht genau sagen, wie die Situation da ist. Ich bin aber der Meinung, dass man Berge nicht mit dem Hubschrauber erkunden sollte, sondern man soll raufgehen. Die Hubschrauberrundflüge sollte man, glaube ich, nicht ganz verbieten. Man sollte es aber nicht übertreiben und eine vernünftige Lösung finden. <BR /><BR /><b> Das heißt, Hubschrauberrundflüge sind für den Tourismus nicht schädlich? Könnten diese sogar Touristen nach Südtirol locken?</b><BR />Pinzger: Nein, das macht nichts aus. Ich würde das Gegenteil behaupten. Die vielen hundert Touristen, die zu Fuß unterwegs sind, sind zu bevorzugen und nicht die wenigen, die mit dem Hubschrauber unterwegs sind. Deswegen bin ich selber auf der sensibleren Seite. Insgesamt sind Hubschrauberrundflüge nicht mehr zeitgemäß und nicht dienlich für unsere Entwicklung. Weil es auch nicht mit den Nachhaltigkeitszielen vereinbar ist.