Der heurige Tag der Autonomie steht ganz im Zeichen eines Meilensteins für Südtirol. Am heutigen Samstag jährt sich die Unterzeichnung des Pariser Vertrags zum 80. Mal. Der Pariser Vertrag wurde 1946 zwischen Italien und Österreich vereinbart und gilt als wichtiger Ausgangspunkt für die Entwicklung der Südtiroler Autonomie.<BR /><BR />Aus diesem Anlass findet im Meraner Kurhaus ein offizieller Festakt statt. So kommen der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen nach Meran. <BR /><BR />STOL ist für Sie vor Ort und wird aus dem Kurhaus berichten. Gleichzeitig können <a href="https://www.youtube.com/live/KCEJJv5-t3c" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Sie den Festakt ab 11 Uhr im Livestream auf STOL mitverfolgen.</a><BR /><BR /><embed id="dtext86-76211003_gallery" /><BR /><BR /><embed id="dtext86-76211638_gallery" /><h3> Staatsoberhäupter in Meran eingetroffen</h3>Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und der Österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen sind im Kurhaus Meran eingetroffen. Um 11 Uhr hat die offizielle Festveranstaltung im Kursaal begonnen.<BR /><BR />Seit dem frühen Morgen haben sich die geladenen Gäste im Kurhaus eingefunden. Auf der Kurpromenade vor dem Kurhaus versammelten sich zudem zahlreiche Medienvertreterinnen und Medienvertreter sowie Zaungäste, Bürgerinnen und Bürger, um das Eintreffen der Staatspräsidenten mitzuerleben. Auch die Stadtmusikkapelle sowie Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen und Verbänden aus Meran waren zum Empfang gekommen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1356000_image" /></div> <BR /><BR />Der Präsident der Italienischen Republik, Sergio Mattarella, traf mit seiner Delegation am Kurhaus ein. Landeshauptmann Arno Kompatscher, Regierungskommisärin Maddalena Travaglini und Merans Bürgermeisterin Katharina Zeller begrüßten ihn vor dem Kurhaus.<BR /><BR />Anschließend traf der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen gemeinsam mit seiner Frau Doris Schmidauer ein. Der Bundespräsident kam zu Fuß über die Kurpromenade zum Kurhaus.<BR /><BR />Präsident Mattarella begrüßte Van der Bellen. Die beiden Staatspräsidenten gingen anschließend gemeinsam in das Kurhaus, wo die Delegationen bereits versammelt waren. <h3> Kompatscher würdigt Autonomie als Erfolgsmodell</h3>Die italienischen und österreichischen Nationalhymnen eröffneten den Festakt. Nach einem musikalischen Beitrag des Haydn Orchesters von Bozen und Trient mit dem Geiger Julian Kainrath richtete Landeshauptmann Arno Kompatscher seine Ansprache an die beiden Staatsoberhäupter und die Festgäste.<BR /><BR />Kompatscher erinnerte daran, dass das Abkommen von 1946 zunächst als Enttäuschung wahrgenommen worden sei. Die erhoffte Rückkehr Südtirols zu Österreich war ausgeblieben. Es folgten politische Auseinandersetzungen, die Befassung der Vereinten Nationen und bilaterale Verhandlungen, die zum Südtirol-Paket von 1969 und zum zweiten Autonomiestatut führten. „Es war also die Notwendigkeit der Umsetzung des Pariser Vertrages, die zum Südtirol-Paket und somit auch zum zweiten Autonomiestatut führte“, betonte Kompatscher.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1355979_image" /></div> <BR /><BR />Zugleich hob er hervor, dass der Pariser Vertrag zentrale Grundpfeiler des heutigen Minderheitenschutzes festlegte: muttersprachlichen Unterricht, die Gleichstellung der deutschen und italienischen Sprache, den gleichberechtigten Zugang zu öffentlichen Ämtern sowie autonome Gesetzgebungs- und Verwaltungsbefugnisse.<BR /><BR />Heute hätten diese Schutzinstrumente ihre Wirkung entfaltet und gäben allen drei Sprachgruppen Sicherheit. Sie seien der Boden, „auf dem aus einem friedlichen Nebeneinander Schritt für Schritt ein wertschätzendes Miteinander wächst“. Auch wirtschaftlich habe sich Südtirol dank der Autonomie stark entwickelt. „Autonomie bedeutet für uns Verantwortung“, sagte Kompatscher. <BR /><BR />Mit Blick auf die Zukunft verwies der Landeshauptmann auf die Weiterentwicklung und Absicherung der Autonomie. Ziel sei es, sie als „wirksames Schutz- und Entwicklungsinstrument“ zu bewahren, Identitäten zu stärken und zugleich den Mehrwert der Vielfalt zu nutzen. Die europäische Einigung ermögliche es, „das Trennende zu überwinden“ und in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino „an einem kleinen Europa in Europa zu bauen“.<BR /><BR />Kompatscher betonte die Bedeutung von Kompromiss, Rechtsstaatlichkeit, Völkerrecht, Diplomatie und internationaler Zusammenarbeit. Der Erfolg sei „nicht in den Schoß gefallen“, sondern Ergebnis zäher Verhandlungen und des Willens zur friedlichen Lösung.<BR /><BR />Für die Zukunft wünschte Kompatscher sich ein Südtirol, das „seinen Menschen mit ihren starken Wurzeln und Traditionen Heimat gibt und zugleich weltoffen, europäisch und mehrsprachig ist – ein Südtirol, das aus Vergangenem seine Lehren zieht und zuversichtlich nach vorne blickt“.<h3>Ehrungen für zwei Staatspräsidenten</h3>Wenn Südtirol am Tag der Autonomie am 5. September auf seine Geschichte zurückschaut, richtet sich der Blick auch auf jene Persönlichkeiten, „weitblickend, mutig und großherzig“ dazu beigetragen haben, das Erfolgsmodell Autonomie zu sichern und weiterzuentwickeln.<BR /><BR /> Im Rahmen der Feier zum 80. Jahrestag der Unterzeichnung des Pariser Vertrags in Meran hat Landeshauptmann Arno Kompatscher den Präsidenten der Italienischen Republik, Sergio Mattarella, und den Bundespräsidenten der Republik Österreich, Alexander Van der Bellen, mit dem Großen Verdienstorden des Landes Südtirol ausgezeichnet.<BR /><BR />Die Ehrung steht laut Kompatscher für das gemeinsame Engagement Italiens und Österreichs bei der Lösung der Südtirol-Frage, zum Schutz von Minderheiten und zur Weiterentwicklung der Autonomie. „Die Autonomie ist das Ergebnis zäher Verhandlungen mit dem Mut zum Kompromiss und im Vertrauen auf Rechtsstaatlichkeit, Völkerrecht, Diplomatie und internationale Zusammenarbeit“, betonte Kompatscher. Gerade deshalb danke das Land Südtirol jenen die dieses Erbe bewahrt und gestärkt haben.<BR /><BR />In seiner Laudatio würdigte der Landeshauptmann Mattarella als einen der wichtigsten Unterstützer der Südtirol-Autonomie in der italienischen Politik. Seit mehr als vier Jahrzehnten sei der Staatspräsident eng mit Südtirol verbunden und kenne dessen Besonderheiten wie kaum ein anderer Politiker Italiens und habe stets eine schützende Hand über Südtirol gehalten. <BR /><BR />Als Parlamentarier habe er sich für die Sonderautonomie eingesetzt. Später habe er wichtige Zuständigkeiten und Vermögenswerte an Südtirol mit auf den Weg gebracht. Als Staatspräsident sei er zu einem verlässlichen Garanten der Autonomie geworden und habe Südtirol stets mit Rat begleitet.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1356090_image" /></div> <BR /><BR />Den österreichischen Bundespräsidenten Van der Bellen lobte Kompatscher als überzeugten Europäer und wichtigen Begleiter, dem Südtirol eine Herzensangelegenheit sei. Seine persönliche Verbundenheit mit Tirol und sein Verständnis für die Geschichte des Landes hätten ihm ein besonderes Gespür für die Anliegen Südtirols verliehen.<BR /><BR /> Hervorgehoben wurde auch Van der Bellens Einsatz für die Zusammenarbeit zwischen Wien und Rom basierend auf Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung, wodurch die gemeinsame Entwicklung der Autonomie zu gelebter und erfolgreicher Praxis geworden sei. Ebenso unterstütze Van der Bellen die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino mit Engagement.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1356093_image" /></div> <BR /><BR /> „Gerade angesichts dieser großen politischen Leistungen wünsche ich mir ein Südtirol, das verantwortungsvoll mit diesem Erbe umgeht; ein Südtirol, das seinen Menschen mit ihren starken Wurzeln und Traditionen Heimat gibt und gleichzeitig weltoffen, europäisch und mehrsprachig ist. Ein Südtirol, das aus Vergangenem seine Lehren zieht und zuversichtlich nach vorne blickt“, betonte Kompatscher und erinnerte daran, dass die Südtirol-Autonomie heute weltweit als Beispiel für friedliche Konfliktlösung und Minderheitenschutz gelte.<h3> Südtirol als Sinnbild für geeintes Europa</h3>In seiner Rede zum Festakt anlässlich des 80. Jahrestags der Unterzeichnung des Pariser Vertrags im Kurhaus von Meran am 5. September hat der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Entwicklung Südtirols von einer Konfliktregion zu einem europäischen Vorbild für Autonomie, Minderheitenschutz und grenzüberschreitende Zusammenarbeit nachgezeichnet. Er dankte für die ihm zuteil gewordene Auszeichnung „Großer Verdienstorden des Landes Südtirol“.<BR /><BR />„Südtirol ist eine Erfolgsgeschichte, ein Sinnbild für unser geeintes Europa“, unterstrich Bundespräsident Alexander Van der Bellen vor den rund 400 Ehrengästen im Kursaal und erklärte, dass ihm Südtirol als Tiroler und als Kaunertaler „ganz besonders nahe“ sei.<BR /><BR />Als besonderes Stück Europa verbinde Südtirol Italien und Österreich, sagte Van der Bellen und blickte auf die Entwicklung der österreichisch-italienischen Beziehungen zurück: „Südtirol ist von einem Streitobjekt zwischen Österreich und Italien zu einem einigenden Band zwischen unseren Völkern geworden“, hob der Bundespräsident hervor. Noch nie zuvor in der gemeinsamen Geschichte seien die Beziehungen zwischen Österreich und Italien „so eng und freundschaftlich“ gewesen.<BR /><BR />„80 Jahre nach der Unterzeichnung des Gruber-De Gasperi-Abkommens leben die Menschen aller Sprachgruppen in Südtirol ein Leben in Frieden, in Wohlstand und unter Wertschätzung ihrer kulturellen Identität“, sagte Van der Bellen. Dies sei nur deshalb möglich geworden, weil über Jahrzehnte hinweg der Weg des Dialogs eingeschlagen, das Verbindende über das Trennende gestellt, an einem friedlichen Miteinander festgehalten worden sei. Streitbeilegung, EU-Integration, Schengen, Euro und Euregio vertieften diese Entwicklung.<BR /><BR />Der Glaube an Dialog und den guten Kompromiss könne auch in der heutigen Zeit Vorbild sein, betonte Bundespräsident Van der Bellen. Der Mehrwert internationaler Organisationen wie der Vereinten Nationen sei zweifellos, dazu genüge ein Blick auf das Beispiel Südtirol.<BR /><BR />Für die Zukunft gelte es, die Autonomie gemeinsam weiterzuentwickeln. „Wenn wir wollen, dass diese Erfolgsgeschichte auch in den nächsten 80 Jahren fortgeschrieben werden kann, müssen wir dialog- und kompromissbereit bleiben (…) und die Autonomie pflegen und weitergestalten“, sagte Van der Bellen. Österreich werde seine Schutzfunktion weiterhin verantwortungsvoll wahrnehmen und im Geist von Karl Gruber und Alcide De Gasperi ein loyaler Partner bleiben, erklärte der Bundespräsident abschließend.<h3> Das Programm im Überblick</h3>Im Zentrum des Festaktes im Meraner Kursaal stehen die beiden Staatsoberhäupter Sergio Mattarella und Alexander Van der Bellen. Nach den Eröffnungsworten von Landeshauptmann Arno Kompatscher wird den beiden Präsidenten mit dem „Großen Verdienstorden des Landes Südtirol“ die höchste Auszeichnung des Landes verliehen. Anschließend richten der italienische Staatspräsident und sein österreichischer Amtskollege ihre Festreden an die geladenen Gäste im Kursaal.<BR /><BR />Für den musikalischen Rahmen sorgen das Haydn Orchester und der Landesjugendchor. Neben den beiden Nationalhymnen interpretiert der Violinsolist Julian Kainrath Niccolò Paganinis Cantabile in D-Dur. Ein besonderer Höhepunkt ist die Uraufführung des Werks Polyphonic Superpower von Gerd Hermann Ortler. Ergänzt wird das Festprogramm durch Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart sowie Giorgio Moroders Hand in Hand, vorgetragen von Sopranistin Marlene Schuen. Den feierlichen Schlusspunkt bildet die Europahymne.