Donnerstag, 24. September 2020

Hier haben die Frauen das Sagen

Dass die neue Bürgermeisterin beruflich in Seminaren weitergibt, was „Frau von Pippi Langstrumpf lernen kann“, mag beigetragen haben: Allemal hat Südtirol mit Tscherms erstmals eine Gemeinde, in der mehr Frauen als Männer ins Rathaus einziehen. Ein Grund für das „Wunder von Tscherms“: Frauen waren dort schon zuvor in Führungspositionen.

In einem Ort in Südtirol sitzen in den nächsten 5 Jahren mehr Frauen als Männer im Gemeinderat.
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In einem Ort in Südtirol sitzen in den nächsten 5 Jahren mehr Frauen als Männer im Gemeinderat. - Foto: © Shutterstock
Wenn es um mehr Frauen in den Gemeinderäten geht, ernährt sich das Eichhörnchen mühsam. Von 1857 Sitzen holte sich Frau 469 und damit gerade einmal 25,2 Prozent. „In der Volkspartei stellen die Mandatarinnen 27 Prozent“, sagt SVP-Frauenchefin Renate Gebhard. Allgemein sei der Frauenanteil in den Ratsstuben um etwas mehr als 5 Prozent gestiegen: 2010 lag er noch bei 19,8 Prozent. Veränderung geht langsam.




Doch es gibt eine Gemeinde, wo sie mit 7-Meilen-Stiefeln daherkommt. „Nicht zu glauben. In meinem Heimatort wurde 50:50 erreicht“, postete Gemeindereferentin Christa Ladurner. In der Tat ist Tscherms die erste Gemeinde Südtirols, in der mit 8 von 15 Gemeinderäten mehr Frauen als Männer ins Ratshaus einziehen. 6 stellt die Südtiroler Volkspartei, eine die Süd-Tiroler Freiheit und eine die Bürgerliste.


„Viele Frauen im Gemeinderat zu haben ist für Tscherms nicht neu“, sagt die frischgebackene Bürgermeisterin Astrid Kuprian. In der auslaufenden Amtsperiode waren es 5. Im Gemeindeausschuss waren zeitweilig 3. Dass Frau leisten kann, hat sie in Tscherms also bereits vorexerziert. „Hinzu kommt ein hoher Anteil von Frauen auf den Listen“, sagt Bürgermeisterin Kuprian. Bei der SVP stellten sich 8 Männer und 6 Frauen der Wählergunst – gewählt wurden 4 Männer und alle 6 Damen. Auch die Süd-Tiroler Freiheit ist mit 2 Frauen und einem Mann zur Gemeindewahl angetreten.

„Habe explizit auf Frauen geschaut“

„Ich habe bei der Kandidatenfindung explizit auf Frauen geschaut“, so Kuprian. Frauenpower sei ihr Steckenpferd. Beruflich gibt die Unternehmensberaterin weiter, wie man Menschen in Betrieben stärkt und Frauen zum Führen motiviert. Kurzum: „Was Frau von Pippi Langstrumpf lernen kann.“ Und die war ja laut Jugendbuch und -film im Taka-Tuka-Land siegreich. Trotzdem sei das Geschlecht im Wahlkampf kein Thema gewesen. „Auch seitens der Bevölkerung nicht“, so Kuprian. „Es zählt die Erfahrung, wie man sich einbringt und dass sich die Menschen in guten Händen fühlen“, so die Bürgermeisterin. Sie selbst ist übrigens seit 7 Wochen Mutter einer kleinen Tochter. „Vereinbarkeit geht heute nicht mehr allein die Frauen an. Die jungen Väter müssen auch mit anpacken“, so Kuprian.

Tscherms ist Vorreiter. Sehr gute Ergebnisse fuhren die Frauen aber auch in Hafling ein, wo neben Bürgermeisterin Sonja Plank 4 Damen gewählt wurden. In Altrei sind 5 der 12 SVP-Gemeinderäte weiblich. In Karneid kann Bürgermeister Albin Kofler auf eine 8-köpfige Frauschaft (von 18 Gemeinderäten) zählen. In Sterzing sitzen künftig 6 SVP-Vertreter im Gemeinderat: 3 davon sind Frauen. Die 7-köpfige Bürgerliste um Bürgermeister Peter Volgger stellt ebenfalls 3 Damen, und auch auf der Liste „Insieme per Vipiteno“ wurde eine Frau gewählt. Damit stellt Frau 7 von 18 Volksvertretern. In Südtirols kleinster Gemeinde, Waidbruck , sind 3 von 6 SVP-Räten weiblich. Die Liste um Bürgermeister Philipp Kerschbaumer stellt eine Frau. Unterm Strich machen die Damen (4 von 12) ein Drittel aus.

bv