„Der Skandal wird innerhalb kürzester Zeit vergessen werden.“ Der Hamburger Historiker hat sich in seinem Buch „Persönlich habe ich mir nichts vorzuwerfen“ mit politischen Rücktritten in Deutschland seit 1950 befasst.Der Sturz des Verteidigungsministers erinnert ihn an den einstigen SPD-Hoffnungsträger und sehr beliebten Björn Engholm, der 1993 seine Posten wegen einer Falsch-Aussage in der Barschel-Affäre aufgab. Auch Engholm hätte zurückkehren können, so er gewollt hätte, sagte Philipp.Grundsätzlich gelte: „Jeder Rücktritt ist eine Sühne.“ Der einzige Grund, der einen Neustart verhindern dürfte, sei eine eventuelle strafrechtliche Verurteilung. Problematisch für ein Comeback Guttenbergs könnte es auch werden, wenn sich herausstellen sollte, dass bei seiner Doktorarbeit doch ein Ghostwriter im Spiel war. Dann hätte Guttenberg gelogen – laut Philipp ein unverzeihliches Fehlverhalten in der Politik.Der Rücktritt nach den Plagiatsvorwürfen entsprach einem typischen Schema, wie der Forscher erklärt. Einem Vorwurf folgt das Abstreiten („absurd“), das weitere Recherchen in Gang setzt, was hier erstmals durch die Möglichkeiten des Internet verstärkt wurde. Dann kommen Teilgeständnisse, Abwiegeln und weitere Recherchen, die ein allmähliches Abrücken der Parteifreunde bewirkten. „Auch die Dauer der Skandalisierung – rund zwei Wochen – ist typisch.“Neu in der deutschen Geschichte sei die Fallhöhe – dass der beliebteste Politiker so abstürze. Was wäre gewesen, wenn er sofort zurückgetreten wäre, wie Margot Käßmann nach der Alkoholfahrt, fragt sich Philipp. „Dann wäre er als Held in die Geschichte eingegangen.“Das Krisenmanagement und die Kommunikation des CSU-Politikers seien katastrophal gewesen. „Guttenbergs Verhalten zeigt bis in seine Rücktrittserklärung ein Höchstmaß an Uneinsichtigkeit und Realitätsverlust – von einer Einsicht in das Fehlerhafte seines Handelns ist keine Spur.“ dpa