Freitag, 23. April 2021

Historischer Moment in Pandemie-Bekämpfung: Südtiroler Corona-Pass ab Montag aktiv

Ab Montag gibt es bekanntlich weitere Lockerungen, wie etwa die Öffnung der Gastronomie im Außen- und auch Innenbereich. Begleitet werden diese Öffnungen von einer ausgeklügelten Strategie: „Wir testen“ und der Südtiroler Corona-Pass spielen dabei eine essenzielle Rolle. Die Details stellte das Land Südtirol am Freitag in einer Pressekonferenz vor.

Im Video sehen Sie, wie der Green Pass Südtirol funktioniert. - Foto: © Land Südtirol
Am vergangenen Dienstag, 20. April, hat die Landesregierung ihre Leitlinien für eine weitere Öffnung in Gastgewerbe, Kultur und Freizeit festgelegt. Einige der darin enthaltenen Möglichkeiten sind an den neuen Corona-Pass-Südtirol geknüpft.

Wie die neue Verordnung 20, die noch am Freitag unterzeichnet wird, aussieht und wie der Südtiroler Corona-Pass konkret funktioniert, erklärten Landeshauptmann Arno Kompatscher, die Landesräte Thomas Widmann und Arnold Schuler sowie der Generaldirektor des Sanitätsbetriebes Florian Zerzer, der stellvertretende medizinische Einsatzleiter des Covid-19-Teams Patrick Franzoni und Eurac-Direktor Stephan Ortner.

Landeshauptmann Arno Kompatscher skizzierte zunächst die Corona-Situation in Südtirol. Trotz der vorsichtigen Öffnungen in Südtirol, sprich Schule in Präsenz und Ausweitung der Bewegungsfreiheit, seien die Zahlen stabil niedrig und auch der Druck auf die Krankenhäuser sei gesunken, die Anstrengungen der letzten Wochen haben sich also gelohnt. Südtirol werde deshalb heute wohl als gelb eingestuft. „Diese Einstufung bedeutet“, so Kompatscher, „dass Südtirol ab Montag dann alle staatlichen Regeln, die für gelbe Zonen gelten, übernimmt. Im Besonderen bedeutet dies, dass die Gastronomie (Bars und Restaurants) im Außenbereich bis 22 Uhr öffnen dürfen, auch Theater, Kinos und Konzerte wird es mit Einschränkungen wieder geben.“

Zusätzliche Freiheiten in Südtirol durch ausgeklügelte Strategie

Was ist in Südtirol anders? „Wir verknüpfen diese Öffnungsschritte alle mit dem 'Wir Testen' und mit dem Corona-Pass, dem Nachweis also für Getestete, vollständig Geimpfte und Genesene“, so Kompatscher. „Das biete eine zusätzliche Sicherheit und wir sind mit dieser unserer Strategie strenger.“ Dank dieser öffnet die Gastronomie in Südtirol auch im Innenbereich (mit Nachweis, maximal 4 Personen an einem Tisch und mit Vormerkung), kann Kontakt- und Mannschaftssport wieder stattfinden und auch Jugendarbeit und außerschulische Betreuung kann ab Montag wieder starten – immer verknüpft mit dem Corona-Pass.

Man stehe im Dialog mit Rom, so Kompatscher. Sollte es in Bezug auf die Öffnung in den Innenräumen zu einer Anfechtung kommen, werde man sich verteidigen und gute Argumente dafür vorbringen können.



Der Landeshauptmann appellierte abschließend an die Bevölkerung, sich testen zu lassen, sich impfen zu lassen, wenn sie an der Reihe sind, und sich weiter an alle Regeln zu halten.

Auch Landesrat Widmann betonte die Wichtigkeit des Testens und Impfens, damit wir den Wettlauf gewinnen können. Die Ausbreitung des Infektionsgeschehens müsse im Zaum gehalten werden, damit eine sichere Öffnung gelinge. Auch Widmann bat die Bevölkerung um rege Beteiligung an der Südtiroler Strategie.

Test-Infrastruktur

Schuler sprach anschließend über die Test-Infrastrukturen, die weiter auf- und ausgebaut werden. Es werde 80 Teststationen in 69 Gemeinden mit je 15 Testtischen geben. Damit können in einer Stunde 100 Personen getestet werden: das sind dann etwa 64.000 Tests am Tag. Bisher wurden 400.000 Testkits für den Nasenflügeltest eingesetzt. Zahlreiche Organisationen sind mit den Vorbereitungen beschäftigt, die enge Zusammenarbeit habe ausgezeichnet funktioniert.

Als ein wesentliches Standbein für die Öffnungsschritte nannte Franzoni anschließend „das breite Netz an öffentlichen, kostenlosen Teststrecken, das wir der Bevölkerung im Rahmen des Projektes 'Wir testen' anbieten.“ Der Aufbau dieser Strecken habe mit dem Zelt auf dem Silvius-Magnago-Platz in Bozen vergangene Woche begonnen und werde in immer mehr Südtiroler Gemeinden fortgesetzt.

Wie funktioniert der Corona-Pass?

„Südtirol hat den Corona-Pass entwickelt und steht damit vor einem historischen Moment in der Pandemie-Bekämpfung“, so Schuler. In gewissen Bereichen – im Innenraum und in anderen Zonen bzw. bei Tätigkeiten, bei denen eine höhere Gefahr besteht (Corona-Pass-Areas), sich anzustecken, braucht es also eine Bescheinigung. Diese erhält man entweder wenn man vollständig geimpft, genesen oder getestet ist.

Das Prinzip des Corona-Pass-Südtirol ist einfach, erklärte Eurac-Direktor Stephan Ortner: „Er erhöht die Sicherheit für eine Reihe von Aktivitäten, die sonst ein zu hohes Risiko bilden würden. Damit wird er der Schlüssel für den Zugang zu all jenen Aktivitäten, in denen sich laut Verordnung Nr. 20 des Landeshauptmanns Personen aus unterschiedlichen Haushalten über einen längeren Zeitraum gemeinsam aufhalten dürfen.“ Für diese Bereiche müssen Personen also ein negatives Testergebnis, eine vollständige Impfung oder natürliche Immunisierung – sprich Genesung – nachweisen können.

Nachweis in digitaler und Papierform

Wie der stellvertretende medizinische Einsatzleiter des Covid-19-Teams Patrick Franzoni erklärte, ist der volle Impfschutz 14 Tage nach Abschluss des Impfzyklus erreicht. Der Impfzyklus ist bei den Impfstoffen der jeweiligen Hersteller bekanntlich unterschiedlich lang. Als genesen gilt, wer nach einer nachgewiesenen Infektion in den letzten sechs Monaten ab erstem positivem Test wieder genesen ist und die entsprechende Bescheinigung des Sanitätsbetriebs vorweisen kann.
Den Nachweis kann man beim Betreten einer so genannten Corona-Pass-Area in digitaler oder Papierform vorlegen.

Derzeit gibt es den digitalen Nachweis nur für Antigen- und Nasenflügeltests. Die Getesteten erhalten ihn in Form eines QR-Kodes auf dem Testbefund, den ihnen der Sanitätsbetrieb nach dem Test via Mail zuschickt. Verfügt man über ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 72 Stunden ist, erscheint beim Scannen des QR-Codes mit einer Handykamera der Name der getesteten Person und ein grüner Haken. Dieser bestätigt die Gültigkeit des Nachweises. „Dies ist die einzige Information, die der Betreiber der Corona-Pass-Area erhält“, erklärte Eurac-Direktor Ortner.

PCR-Test, Impf – und Genesungsnachweise derzeit nur in Papierform

Negative PCR-Testergebnisse (weil Laborbefunde) sowie Impf- und Genesungsnachweise gibt es bis 5. Mai lediglich in Papierform: Die entsprechende Bescheinigung ist für den Zutritt zu einer Corona-Pass-Area also in ausgedruckter Form mitzuführen. PCR-Befunde können vom eigenen sanitären elektronischen Dossier auf der Internetseite des Sanitätsbetriebes (Online-Befunde) heruntergeladen oder per E-Mail an die Adressen [email protected] oder [email protected] angefordert werden. Genesungsnachweise sind über die Mailadresse [email protected] erhältlich. Der Impfnachweis kann auf der Internetseite www.coronaschutzimpfung.it unter „Info Impfbestätigung“ beantragt werden, aber auch per Mail mit Kopie des Personalausweises direkt beim gebietsmäßig zuständigen Dienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit (Gesundheitsbezirk Bozen: [email protected], Gesundheitsbezirk Meran: [email protected], Gesundheitsbezirk Brixen: [email protected], Gesundheitsbezirk Bruneck: [email protected]).

Ab 5. Mai wird auch in all diesen Fällen ein digitaler Nachweis mit QR-Code zur Verfügung stehen. Parallel bleiben auch die ausgedruckten Nachweise weiterhin gültig. An der technischen Umsetzung arbeite der Südtiroler Sanitätsbetrieb gemeinsam mit der Südtiroler Informatik AG (SIAG) laut Florian Zerzer auf Hochdruck: „Diese endgültige Lösung wird dann alle für den Green Pass der EU nötigen technischen Voraussetzungen erfüllen.“ Laut Landeshauptmann Kompatscher ziehe Südtirol somit eine Regelung vor, die auf europäischer Ebene ohnehin kommt: „Wenn Italien und die anderen Mitgliedsstaaten die Richtlinien der EU für den Green-Pass umsetzen, sind wir mit unserem Instrument schon bereit.“


Alle weiteren Informationen: www.provinz.bz.it/coronapass

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